Bad Blankenburgerin berät Unternehmen zur Coronakrise

Saalfeld-Rudolstadt.  Drei Fragen an Yvonne Ernst, die in Bad Blankenburg eine Wirtschaftsberatung betreibt.

Yvonne Ernst betreibt in Bad Blankenburg eine Wirtschaftsberatungsfirma.

Yvonne Ernst betreibt in Bad Blankenburg eine Wirtschaftsberatungsfirma.

Foto: Roberto Burian

Die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie machen vor allem Selbstständigen zu schaffen. Viele kämpfen ums Überleben, aber gleichzeitig erleichtern die staatlichen Corona-Hilfen mitten in der Krise auch den Sprung in die Selbstständigkeit. Wir sprachen mit der Bad Blankenburger Wirtschaftsberaterin Yvonne Ernst darüber.


Frau Ernst, viele Unternehmen leiden unter den Auswirkungen der aktuellen Krise. Arbeitsplätze sind gefährdet, Existenzen bedroht. Sollte man sich ausgerechnet jetzt, wo Corona alles durcheinander bringt und keiner weiß, wie genau es weitergeht, selbstständig machen?

Ich möchte diese Frage aus zwei Blickwinkeln beantworten. Steht die Vision vom eigenen Geschäft schon länger im Raum und verdichtet sich auf Grund der Krise und gegebenenfalls neuen Bedürfnissen der Zielgruppe, so ist auch während Corona der Weg in die Selbstständigkeit eine richtige Entscheidung. Sicher wirbelt Corona vieles durcheinander, aber jede Existenzgründung birgt zu jeder Zeit Chancen und Risiken. Wichtig ist eine gute Vorbereitung, Analyse des Marktes, Erstellen eines soliden Businessplans und Absicherung des notwendigen finanziellen Backgrounds. Auch während der Krise gilt, eine Anlaufzeit von etwa sechs Monaten muss für Gründer finanziell überbrückbar sein. Unterstützend können hier Fördermittel von Bund und Ländern eine Hilfe bieten.
Der Schritt in die Selbstständigkeit, aus der Not heraus, ist nie eine gute Idee und aus meiner Erfahrung von vornherein zum Scheitern verurteilt, da die Motivation und die Energie des Unternehmers, auch mit anfänglichen Hürden umzugehen, entscheidend für den Erfolg ist. Jede Krise birgt auch eine Chance, der Markt bereinigt sich und eröffnet den Weg für mutige und moderne Konzepte.

In Krisenzeiten werden herkömmliche Wirtschaftsstrategien hinterfragt, weil wir vor Augen geführt bekommen, wie zerbrechlich etwa Lieferketten sind. Was hat die Corona-Krise bereits verändert?

Stimmt, einige klassische Strategien sind im Moment kaum noch lebbar, dafür öffnet sich der Weg für alternative Ansätze. So waren in vielen Unternehmen bis vor einem Jahr Homeoffice und Digitalisierung Fremdwörter. Durch Corona wächst die Akzeptanz und das Vertrauen in Arbeitnehmer, dass auch von zu Hause aus das Arbeitspensum sicher erfüllt wird. Außerdem steigt das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass unser regionaler Mittelstand – etwa Gaststätten – Unterstützung braucht. Viele Kunden bedanken sich durch den Kauf von Außer-Haus-Gerichten oder Gutscheinen. Das Vertrauen in regionale Produkte und ein wenig mehr Unabhängigkeit vom Ausland könnten eine Entwicklung sein.
Flexibilität zeigt sich auch bei der Umstellung des Produktportfolios einzelner Firmen, so hat zum Beispiel einer meiner Firmenkunden, eine Automatisierung GmbH aus dem unterfränkischen Dorfprozelten, ein Codabot-System, also ein flexibles Baukastensystem für Roboteranlagen, zum kontaktlosen, infektionsrisikovermeidenden Coronatest entwickelt und erfolgreich am Markt eingeführt.


Sehen Sie auch Chancen in der Krise, künftig das Wirtschaften menschenfreundlicher zu gestalten?

Diese Krise zeigt, wie verletzlich wir Menschen und die Wirtschaft weltweit sind. Ich wünsche mir, dass das Innehalten und Reflektieren dazu beiträgt, den Menschen, sei es Kunde, Arbeitnehmer oder Lieferant, wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Die Zeiten der Hochkonjunktur, an der alle über ihre Kapazitätsgrenzen gegangen sind, hat den Firmen und Mitarbeitern einiges abverlangt. Corona könnte die Chance sein, soziale und wirtschaftliche Ziele wieder in die Balance zu bringen.