Parteispitzen zu Besuch

Brückenneubau soll politisches Landes-Projekt werden

Altenroth.  CDU- und FDP-Landeschef wollen Baukosten für Linkenmühlenbrücke im nächsten Landeshaushalt fixieren

Ankunft im ländlichen Raum mit Hindernissen: FDP-Landeschef Thomas Kemmerich (links) und der CDU-Landesvorsitzende Mike Mohring (2.v.l.) müssen nach der Landung per Hubschrauber erst einmal den Weidezaun am Vorwerk überwinden.

Ankunft im ländlichen Raum mit Hindernissen: FDP-Landeschef Thomas Kemmerich (links) und der CDU-Landesvorsitzende Mike Mohring (2.v.l.) müssen nach der Landung per Hubschrauber erst einmal den Weidezaun am Vorwerk überwinden.

Foto: Jens Voigt

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Fast scheinen die Rotoren des Hubschraubers die Bäume am Vorwerk Altenroth zu streifen, doch dann setzt die Maschine sicher auf. Thomas Kemmerich und Mike Mohring entsteigen dem Heli, queren mit langen Schritten die feuchte Wiese, stehen schließlich am Widerlager der vormaligen Brücke. Ex-Landrat Hartmut Holzhey hat es wieder mal geschafft: Mit den Landeschefs von FDP und CDU hat er nun alle an den Stausee gebracht, die politisch Druck machen könnten in Sachen Neubau der Linkenmühlenbrücke.

Ausschreibung für erste Planungsphase wohl im Mai

Auch wieder vor Ort sind Lothar Linke und Sandro Schindler, Bürgermeister von Altenbeuthen und Gössitz. Sie schildern Mohring und Kemmerich fast schon routiniert, was es bedeutet, ohne Brücke zu leben: Ärgerliche Umwege außerhalb der Fährzeit von Frühjahr bis Herbst, permanentes Überschreiten von Rettungsfristen, widrige Rahmenbedingungen für jegliche Wirtschaft und den Tourismus im Besonderen. Vor den Landtagswahlen seien die Kandidaten nach ihrer Haltung zur Brücke befragt worden, erzählt Holzhey: „Alle waren mehr oder weniger dafür – aber passiert ist weiter nichts.“ Lediglich die Suche nach dem Planungsbüro laufe, dass hernach die Ausschreibung für die ersten beiden Planungsphasen vorbereiten soll. Die dann vielleicht im Mai beginnen könnten. Etliche ihrer Bürger würden nur noch lachen, wenn das Gespräch auf die Brücke komme, berichten die Bürgermeister. „Zehn Jahre nichts als Gerede, die Politik macht sich lächerlich“, betont Schindler. Und es sei nun mal so, dass ihre kleinen Orte allein und wohl auch die Landkreise die notwendigen Aufgaben für einen Tourismus-Boom nicht stemmen können.

Geld über Verpflichtungsermächtigung sichern

Ein paar Minuten später, als Mohring und Kemmerich nun auch über Holzheys Plan einer mindestens thüringenweit einzigartigen Erlebnis-Brücke inklusive Gastro-Balkonen und Wasserrutschen, mögliche Kosten und Straßen-Baulastverhältnisse ins Bild gesetzt sind, hat der FDP-Landeschef beim Kaffee in der Vorwerk-Gaststätte schon die politische Trächtigkeit der Situation erkannt. Wenn es angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Landtag um eine an Projekten orientierte Zusammenarbeit gehe, dann sei der Brückenneubau dafür ein Beispiel wie aus dem Bilderbuch. „Man kann zwar Details politisch akzentuieren, aber Infrastruktur ist nicht rechts oder links“, meint Kemmerich: „Wir sollten im Landtag klar machen: Das ist unser gemeinsames Projekt.“ Zustimmung vom CDU-Landes- und Fraktionschef. Alle würden vom Stärken des ländlichen Raums reden, hier am Stausee aber „können wir zeigen, ob wir es wirklich ernst meinen damit“, betont Mohring.

Die Schlussfolgerung daraus entwickeln beide Parteichefs binnen weniger Minuten. Erstens wollen sie bei den im Herbst anlaufenden Haushaltsberatungen darauf drängen, dass die voraussichtlichen Kosten für die Landesbeteiligung am Bau von Brücke und Zufahrten – wohl um die 15 Millionen Euro – als Verpflichtungsermächtigungen verbindlich in den Etat aufgenommen werden, damit alle Beteiligten auch sicher sein können, dass das Geld zur Verfügung steht. Zweitens soll so zügig wie möglich Baurecht hergestellt werden, wobei Mohring davon abrät, noch länger und eventuell vor Gericht auf dem angeblich bestehenden Baurecht aus den 1930er Jahren herumzureiten, wie von Holzhey lange favorisiert. Drittens sollte das Entwickeln von Infrastruktur und touristischen Grundlagen nicht nur vom Land als Geldgeber und quasi an der Seitenlinie begleitet, sondern die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) als Akteur mit eingebunden werden.

LEG für Tourismusentwicklung ins Boot holen

Als Beispiel verweist Mohring auf Blankenhain, dereinst mit über 60 Millionen Euro hoffnungslos verschuldet. Dort sei es im Bündnis von Land, Kommunen, Landkreis und privaten Unternehmen gelungen, mit dem Golfplatz und dem „besten Wellness-Hotel im Osten“ nicht nur ein touristisches Highlight in Gang zu setzen, sondern die ganze regionale Wirtschaft zu stärken. Wenn alle Partner im Land und vor Ort an einem Strang zögen, dann brauche es auch keine Tourismus-Krücke, um die Brücke schlicht und einfach als infrastrukturelle Notwendigkeit durchzusetzen, so Mohring. Auch Kemmerich rät davon ab, den Bau quasi als Bonus für den Fremdenverkehr anzugehen: „Das schafft nur Neider.“ Vielmehr gehe es schlicht um den Anschluss der Region an Modernität.

Am Ende, als die Heli-Rotoren wieder anlaufen, gibt Vorwerk-Wirtin Heidi Seiffert den Herren noch die Einladung zum nächsten „Brücken-Spektakel“ Anfang Juni mit. Sie würde sich wünschen, dass es das letzte wird ohne jegliche sichtbare Neubau-Tätigkeit. Zumindest kennt sie jetzt zwei einflussreiche Fürsprecher mehr.

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