Burg Greifenstein: Mit einem blauen Auge davon gekommen

Bad Blankenburg.  Rückblick auf ein gebrauchtes Jahr für die Falknerei auf der Burg Greifenstein.

Man möchte laut schreien, denn dieses Jahr war und ist ziemlich nervenaufreibend. Das finden auch Falkner Benedikt Nyssen und seine Stars der Lüfte.

Man möchte laut schreien, denn dieses Jahr war und ist ziemlich nervenaufreibend. Das finden auch Falkner Benedikt Nyssen und seine Stars der Lüfte.

Foto: Roberto Burian

Sie sind Publikum gewohnt: volle Bänke, klatschende Menschen, staunende Kinder – die 30 Greifvögel auf der Burg Greifenstein in Bad Blankenburg mussten aber einen Monat lang ohne all das auskommen. Vor einem halben Jahr hatten die strengen Schutzbestimmungen wegen der Corona-Pandemie den Auftakt in die Saison verhagelt. Von heute auf morgen ist der Umsatz gleich null. Für Adler, Uhus, Bussarde hieß das aber keineswegs Flügel hängen lassen und nur die Ruhe genießen. Die Stars der Lüfte mussten schließlich weiterhin trainiert werden.

Die Falkner Benedikt Nyssen und Sandra Jung sind diejenigen, welche den Vögeln halfen, ihre Flugmuskulatur quasi geschmeidig zu halten. Besonders beklemmend für die Verantwortlichen war die Ungewissheit über die weitere Entwicklung. Keiner hatte voraussagen können, wie lange der Lockdown dauert.

Höherer Aufwand und weniger Ertrag durch Corona

Es war auch noch der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Den beiden Vogelflüsterern ging das komplette Ostergeschäft verloren. Auch nach den ersten Lockerungen blieben massive Einschränkungen, beispielsweise fehlten Reisegruppen und Schulklassen. Und so waren die Maßnahmen nicht ohne wirtschaftliche Folgen. „Die Kosten wurden dadurch nicht geringer – ganz im Gegenteil. Der Aufwand war größer als in den anderen Geschäftsjahren, aber der Ertrag war weniger“, berichtet der Chef. Das sei schon eine seltsame Situation gewesen.

„Als dann die ersten Besucher wieder rund um die Wiese saßen, waren sogar die Vögel nervös“, erzählt Nyssen. Gefreut haben sich die Jungunternehmer über die positive deutschlandweite Resonanz auf ihre Bitte, den Tieren zu helfen. Etliche Stammgäste und Einzelbesucher blieben dem Falkenhof treu. „So sind wir noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen“, schlussfolgert der Falkner.

Gemeinnütziger Verein soll in Zukunft Auffangstation tragen

Darüber hinaus habe man einige verletzte Findlinge in der Auffangstation gehabt, die fachkundig aufgepäppelt wurden, um sie dann wieder auszuwildern. Leider müssen zwei Tiere als Dauerpfleglinge in der Falknerei verbleiben, weil deren Finder diese nicht dem Tierarzt vorstellten. Der Expertenrat lautet: verletzte Tiere gehören unbedingt in fachlich kompetente Hände.

„Wir möchten die Auffangstation ausbauen und deshalb einen gemeinnützigen Verein gründen, der das Ganze trägt, denn den Mammutanteil der laufenden Kosten erbringen wir aus eigener Leistung“ sagt Sandra Jung. Gespräche dazu seien vielversprechend angelaufen. Die 27- jährige Frau hält im Büro administrativ alle „Federn“ zusammen.

Wenn die Falknerei am 2. November in die Winterpause geht, finden bis zum Frühjahr keine Flugshows statt. Ganzjährig sind aber Gutscheine für einen Falknertag oder das Buch von Sandra Jung über ihr Leben mit den Greifvögeln erhältlich.