Das Problem mit den gelben Säcken auf dem Lande

Schwarzatal.  Der Waschbär, der gelbe Sack und der innere Schweinehund: Warum zum Abholungstermin für Leichtverpackungen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt gern mal die Luft brennt.

Diese gelben Säcke, bereitgestellt vor einigen Tagen im Westen des Landkreises, sind exemplarisch. Zwar verhindert ihr Aufhängen an einem Zaunpfahl, dass der Wind sie verweht, doch schon von außen ist erkennbar: Nicht alles, was drinnen ist, gehört auch hinein.

Diese gelben Säcke, bereitgestellt vor einigen Tagen im Westen des Landkreises, sind exemplarisch. Zwar verhindert ihr Aufhängen an einem Zaunpfahl, dass der Wind sie verweht, doch schon von außen ist erkennbar: Nicht alles, was drinnen ist, gehört auch hinein.

Foto: Henry Trefz

Alle 14 Tage, wenn der Abfuhrtag des gelben Sacks näher rückt, passiert es auf dem Lande gern und deutlich öfter, als einem lieb sein kann, dass wahlweise ein Herbststurm, ein Wildtier oder auch nur eine scharfkantige Verpackung das Schicksal des gelben Sacks besiegelt und sich der Inhalt über die nahe oder weitere Umgebung verteilt. Die Kommunen sind dann, wollen sie nicht der Vermüllung des Ortes tatenlos zusehen, zum Einsammeln gezwungen, falls sich nicht der Absteller ein Herz fasst. Ein Thema, das nicht nur den Kreistag schon beschäftigt hat, sondern auch zu einer Tonnen-Initiative in der Verbandsversammlung geführt hat.

Bis es soweit ist, möchte Schwarzatal-VG-Chef Ulf Ryschka nicht warten und hat daher schon einmal die Beteiligten zu einer Gesprächsrunde eingeladen. „Es bringt wenig, Schwarzer Peter zu spielen und dafür mehr, sich die Probleme im Detail auch einmal von Angesicht zu Angesicht zu schildern“, resümierte er später die vertrauensbildende Maßnahme, die auch Lutz Prömper vom Zweckverband Abfallwirtschaft Saale-Orla (Zaso) ausdrücklich würdigte. Gemeinsam mit Jagd- und Forstbehörden habe man die Lage analysiert. Das werden die Bürgermeisterinnen von Schwarzburg und Deesbach mit Freude hören, denn Heike Printz und Claudia Böhm hatten zuletzt öfter das Problem.

Folie, die kaum mehr ist als ein Hauch

Dabei ist die Sache nicht so kompliziert wie es scheint. Ja, so gibt auch Lutz Prömper zu Protokoll, eine Ursache sei die aus Kostengründen immer dünner gewordene Folie der gelben Säcke, das müsse man dem Dualen System und seinen Auftragnehmern gegenüber verdeutlichen. Richtig dick dürfen die Folien aber auch nicht sein, denn dann werden sie potenziell undurchsichtig. Genau das sei nicht gewollt. Die Müllmänner, die die Säcke einladen, sollen möglichst mit ein oder zwei Blicken erkennen können, ob in dem Sack etwas ist, was da nicht hinein gehört.

Nicht etwa Kunststoffe aller Art, wie landläufig gern angenommen, gehören dazu, sondern tatsächlich ausschließlich Leichtverpackungen, die nicht aus Papier oder Glas bestehen. Der Grund, warum trotzdem alles drin landet, was wie Plastik aussieht, ist durchaus nicht nur Gedankenlosigkeit. Denn alles, was nicht im gelben Sack ist, kostet extra Geld. 2,30 Euro für einen 70-Liter-Hausmüllsack will mancher gern weniger oft ausgeben, als er müsste. Und noch einen Punkt hat man beim Zaso ausgemacht. Zwar sagt das Duale System, man müsse die Verpackungen nicht aufwändig reinigen, doch genau dort sammeln sich jene Düfte, die ungebetene Dritte anlocken. Wildschweine, Waschbären, Ratten aber auch Vögel – alle fliegen (teils wörtlich) auf solche Angebote.

Doch nicht nur der ungespülte Joghurt-Becher, auch die Reste einer zu üppig bemessenen Mahlzeit, die vermeintlich gebührensparend auf dem Kompost – gern etwa mit Zugang zum lauschigen Schwarza-Ufer – landen, statt im (nicht kostenlosen) Restmüll, verschärfen die Einladung.

Und der oft gehörte Vorschlag, als Reaktion auf ungebetene Wildtiere in der Ortslage von Walddörfern mehr von ihnen abzuschießen, verfängt kaum.

„Gelbe Tonnen kein Allheilmittel“

Michael Wennrich, stellvertretender Forstamtsleiter in Gehren, berichtet, dass der Jagddruck vor allem auf Schwarzwild nicht zuletzt wegen der nahenden Schweinepest massiv erhöht wurde. Er macht aber zugleich klar, dass die Jagd das befriedete Gebiet ausschließt. Fallen aufzustellen, wäre möglich, doch, so verweist Ulf Ryschka, seien Wildtiere dem Gesetz nach herrenlose Sachen, was es unmöglich mache, andere für den Aufwand zur Kasse zu bitten. Zum Leben in einem wildreichen Gebiet gehöre in der Endkonsequenz – die Runde ahnt es – das Leben mit Wildschäden, was dann minimierbar sei, wenn alles unterlassen werde, was das Wild ins Dorf lockt. In besonderen Härtefällen helfe nur die haltbare Umfriedung mit möglichst eingegrabenen Zäunen.

Doch auch der Zaso will sich nicht aus der Debatte heraushalten. Man nehme den Prüfauftrag des Kreistages ernst, dem Dualen System die vermehrte Wahlmöglichkeit zwischen dem gelben Sack und einer gelben Tonne vorzuschlagen. Solche gibt es in Ballungsräumen schon jetzt; wie man auf dem Land damit verfährt, müsse auch mit den beauftragten Entsorgern besprochen werden, denn nicht jedes Fahrzeug, das gelbe Säcke einlädt, hat auch eine Hebevorrichtung für Mülltonnen.

Außerdem, und hier schließt sich der Kreis, ist eine Tonne eben nicht durchsichtig, was die Verlockung, sortenfremde Dinge zu entsorgen, vergrößert. Auch deswegen bereitet der Zaso die Einführung von Transpondern an Müllgefäßen vor, um in Zukunft noch genauer die haushaltsgenaue Herkunft von Tonneninhalten prüfen zu können.

Das hört in den gelben Sack und das nicht

Gebrauchte und restentleerte Verpackungen, die nicht aus Papier, Pappe, Karton oder Glas sind. Verpackungsbestandteile sollten voneinander getrennt werden. Ausspülen ist nicht notwendig, wird aber vom Zaso empfohlen. (Alu-, Blech- und Kunststoffdeckel, Joghurtbecher, Einkaufstüten, Kunststoff-Obstbeutel, Eisverpackungen, Konservendosen, Kronkorken ...)

Nicht hinein: Verpackungen aus Papier, Pappe, Karton und Glas sowie sämtliche Abfälle, die keine Verpackungen sind. (Altkleider, Batterien und Akkus, Behälterglas, Blechgeschirr, CDs und Disketten, Druckerpatronen, Einwegrasierer, Elektrogeräte, Essensreste, Faltschachteln, Feuerzeuge, Filme, DVDs und Videokassetten, Glüh- und Energiesparlampen, Gummi ...)