Planänderung: Lieber ein leerstehender Kindergarten in Königsee statt Berlin

Königsee.  Eine junge Familie überlegt zuerst, nach Berlin zu gehen und kauft dann doch den alten Werkö-Kindergarten in Königsee. Die Villa soll vom Schandfleck zum schmucken Heim werden.

Im einst als Kindergarten genutzten, aber seit 20 Jahren leerstehenden Gebäude am Thälmannplatz 7 in Königsee wird bald neues Leben einziehen. Alexander Schwalbe, (2.v.r.) und Laura Köppe haben das Gebäude gekauft und wollen hier mit Sohn Raphael leben, wenn die Sanierung geschafft ist. Darüber freuen sich auch Leerstandsmanager Kay Hertwig (links). und Bürgermeister Marco Waschkowski (2. von links).

Im einst als Kindergarten genutzten, aber seit 20 Jahren leerstehenden Gebäude am Thälmannplatz 7 in Königsee wird bald neues Leben einziehen. Alexander Schwalbe, (2.v.r.) und Laura Köppe haben das Gebäude gekauft und wollen hier mit Sohn Raphael leben, wenn die Sanierung geschafft ist. Darüber freuen sich auch Leerstandsmanager Kay Hertwig (links). und Bürgermeister Marco Waschkowski (2. von links).

Foto: Henry Trefz

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Als sich vor einigen Jahren Alexander Schwalbe (26) und Laura Köppe (21) ineinander verliebten und zusammen mit Sohn Raphael (5) ihre Zukunft planten, gab es ein paar Optionen. Er ist aus Großbreitenbach, sie Königseer Eingeborene, doch in die Bergstadt im Ilm-Kreis ziehen, „wo es immer drei Grad kälter ist als im Tal“, das hatten sie als erstes ausgeschlossen, auch wenn Alexander als Abteilungsleiter Arbeitsvorbereitung beim dortigen Kunststoffhersteller Frötek in Lohn und Brot steht.

Wenn schon umziehen in eine große Stadt, dann doch gleich nach Berlin, haben sie sich gedacht, doch Alexander umreißt die Quintessenz ihrer Überlegungen: Wenn man für das Weltstadtflair plötzlich ungleich mehr Lebenshaltungskosten aufbringen muss, kann man es auch gleich daheim probieren.

Königsee bekam den Vorzug vor Berlin

Königsees Bürgermeister Marco Waschkowski und Leerstandsmanager Kay Hertwig, die an diesem kalten Januarmorgen mit unterm Dach stehen, wo es nicht ganz so zieht wie draußen vor der Tür, genießen nun jeden der folgenden Sätze: „Königsee ist ein Optimum zwischen bezahlbaren Immobilien- und Grundstückspreisen, beachtlicher Gewerbestruktur und optimaler Lage zwischen den Mittelzentren Ilmenau und Rudolstadt und einer halben Stunde bis in die Annehmlichkeiten der Landeshauptstadt“. Lachend bestreiten die beiden, dass dieses Testimonial mit ihnen für den Pressetermin einstudiert wurde.

Eigentlich war es nämlich auch ganz anders: Laura nämlich bringt seit Jahr und Tag Raphael in der Kindergarten am Kümmelbrunnen und ihr Weg führt sie nach dem neuen Supermarkt an einer Villa vorbei, die eigentlich das übliche Kommunalparlamentsklischee vom „Schandfleck“ erfüllt. Laura aber hat Fantasie. Und ihren Vater Enrico, der ihr als Handwerker am ehesten die Flausen aus dem Kopf treibt. Oder sie noch darin bestärkt. Sie kann Alexander begeistern, bei der Stadt herausfinden, wem die Brache eigentlich gehört und irgendwann wissen beide etwas mehr über das Haus, das sie selbst höchstwahrscheinlich nie bewohnt erlebt haben. Seit den späten 90ern steht es nach einer letzten Phase als Unterkunft für Flüchtlinge der Balkankriege leer.

Dabei war es schon in den 40er Jahren, als der Vorläufer der Werkzeugfabrik unter dem Namen Stock hier einen Kindergarten erbauen ließ. Von außen aber hat das neue Jahrtausend dem Gebäude zugesetzt, einem Anbau wegen des undichten Daches sogar so sehr, dass nur noch der Abriss bleibt. Zugleich war die Stadt aufgrund eines Wertgutachtens lange gezwungen, einen unrealistischen Preis aufzurufen, der vor allem eins garantierte: Dass Interessenten abwinkten. Erst 2019 wurde die Summe so realistisch, dass Alexander und Laura, beraten von einem befreundeten Architekten, sich der Unterstützung von Familie und Freunden sicher wissend, in das Abenteuer stürzten.

Eine Brache mit Instagram-Account: home.nr.7

Wer sich Anfang Januar 2020 den Schutt im Inneren ansieht, der ahnt, dass noch mehr Aufgabenberge auf die junge Familie warten. Für Raphael ist alles ein spannender Spielplatz und wo sein Kinderzimmer hinkommt, das weiß er schon ganz genau. Laura hingegen, sie arbeitet in der Verwaltung eines Ilmenauer Forschungsinstitutes, hat bei Instagram einen Account als eine Art Bautagebuch eröffnet, der den Namen ihres Traums trägt: home.nr.7

Bis zum Einzug plant das Paar ehrgeizige 18 Monate und freut sich, dass ihr Werk vielleicht für den Bürgermeister und den Leerstandsmanager zu einer Erfolgsblaupause wird, die andere ermutigt, es einmal mit einer Brache zu probieren.

Wichtiger Geheimtipp: Zuerst alle vier Weisheitszähne ziehen lassen, dann können die sich schon mal nicht mehr einmischen. Das hat Alexander gerade hinter sich. Fortsetzung folgt.

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