Eine Ansteckung geht um im Schwarzatal: politische Harmonie

Meuselbach-Schwarzmühle.  Verwaltungsgemeinschaftsversammlung demonstrierte in Meuselbach-Schwarzmühle Einigkeit nach innen und nach außen

Zur neuen Harmonie in der Verwaltungsgemeinschaft Schwarzatal passt auch die neue Fassade, an der der seit 22 Monaten ungültige Schriftzug "Mittleres Schwarzatal" jetzt überstrichen wurde.

Zur neuen Harmonie in der Verwaltungsgemeinschaft Schwarzatal passt auch die neue Fassade, an der der seit 22 Monaten ungültige Schriftzug "Mittleres Schwarzatal" jetzt überstrichen wurde.

Foto: Martin Friedrich

Zwei Mal gab es am langen Mittwoch Abend im Vereinshaus “Hirsch” einhelligen Applaus. Der erst galt zwei Wissenschaftlern der Fachhochschule Erfurt, die ein spontanes Pro-Seminar über die soziokulturellen Aspekte des Energieträgers Wasserstoff in der geplanten Modellregion hielten.

Der zweite kam von Herzen und lag am Ende des Vortrags von VG-Chef Ulf Ryschka, der vorher die neue neue Verwaltungsstruktur vorgestellt hatte und im Beschlussantrag eine einmütige Zustimmung dafür bekommen hatte. Mit der Vorstellung geht eine gut einjährige Krise zu Ende, die mit einem offiziell beim Land eingereichten Wiederaustrittsersuchen der Landgemeinde Stadt Schwarzatal (Oberweißbach, Meuselbach-Schwarzmühle, Mellenbach-Glasbach und Lichtenhain) ihre traurigen Höhepunkt hatte.

Ob dieser nun zurückgenommen werde, fragte zwar an diesem Abend keiner, doch hat es der früherer Kreiskämmerer des Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und seit August offiziell amtierende Gemeinschaftsvorsitzende Ulf Ryschka offenbar geschafft, eine konstruktive Atmosphäre herzustellen, der man keine Misstöne gegönnt hätte.

Hatte die Gemeinschaftsversammlung noch vor Jahresfrist eine Entscheidung erzwungen, an welcher der beiden Verwaltungssitze Arbeit und Personal zu konzentrieren sei und vor die Alternative gestellt, letztlich Sitzendorf den Vorzug vor Oberweißbach bekam, so macht der Ryschka-Plan klar, dass es ein gut ausbalanciertes Modell gibt.

Aus Bürgersicht bleibt es bei der Zusicherung, die seit der Gründung gilt, bisweilen aber kaum umsetzbar erschien: Jeder VG-Einwohner (und natürlich auch die Bürgermeister) kann einen Termin in einem der beiden Verwaltungsstandorte machen und das ganz unabhängig davon, dass intern die Ressorts Schwerpunkte an dem einen oder anderen Standort haben. So konzentrieren sich das Finanzressort und das Standesamt in Sitzendorf, das Bau- und Ordnungsamt in Oberweißbach. Funktionen des Hauptamtes, dessen Leitung Ulf Ryschka in Personalunion einnehmen wird aber auch des Einwohnermeldeamtes werden an beiden Standortes verfügbar sein.

Gelöst sind auch besonders heikle Personalien. So dürfte die Zusicherung, dass die Finanzexpertinnen Andrea Brückner und Yvonne Eisenhut wieder ihre vor der Fusion angestammten Gemeinde betreuen werden, für Entspannung sorgen.

Beide Kämmerinnen behalten angestammte Reviere

Auch Erbsenzähler können sich zurücklehnen: 13,125 zu 11,575 so lautet das exakte Verhältnis der Stellenverteilung mit einem erkennbaren Übergewicht für den im Gesetz festgelegten Verwaltungsstandort in der Landgemeinde Schwarzatal. Neben dem Beifall gab es auch verbale Anerkennung. Deesbachs Bürgermeisterin Claudia Böhm (pl.) und Sitzendorfs Bürgermeister Martin Friedrich (CDU) lobten die Ausgewogenheit und den Umstand, dass die neue Struktur offenbar nicht nur mit den Bürgermeistern sondern vor allem auch den Mitarbeitern abgestimmt gewesen sei. Mit einem Aufschwung in der Stimmung der Belegschaft dürfte sich auch die Suche nach einem neuen Bau- und Ordnungsamtsleiter vereinfachen.

Zu den guten Nachrichten passte auch die Information, dass die seit dem Hackerangriff vor gut einem Jahr aufgelaufenen Rückstände in der Finanzverwaltung von Kommunen und Verwaltung mit vielen Sonderschichten abends und am Wochenende inzwischen nahezu aufgeholt seien, so Ulf Ryschka. Da passte die sonst eher periphere Nachricht, dass die große Schrift “Mittleres Schwarzatal” von der Fassade des Sitzendorfer Verwaltungsgebäudes verschwunden ist, als I-Tüpfelchen auf einen Abend voller ungewohnter Harmonie.