Eine kleine Weihnachtsgeschichte aus Rudolstadt

Rudolstadt.  Rudolstädter Musikschüler gestalten einen digitalen Adventskalender

Den Rudolstädter Musikschülerinnen Josi (links) und Johanna macht es großen Spaß, für den digitalen Adventskalender in ihrer Schule vor der Kamera zu stehen.

Den Rudolstädter Musikschülerinnen Josi (links) und Johanna macht es großen Spaß, für den digitalen Adventskalender in ihrer Schule vor der Kamera zu stehen.

Foto: Roberto Burian

Als es in der Lehrerversammlung der Rudolstädter Musikschule hieß, dass in diesem Jahr alle Weihnachtskonzerte ausfallen und auch alle Vorspiele mit den Musikschulkindern gestrichen sind, waren die Pädagogen traurig. Sie hatten doch so viel mit ihren Schützlingen geübt und vorbereitet und wollten mit der Musik so viel Freude und Weihnachtsstimmung in die Familien bringen.

Sonst kamen zu den Konzerten immer ganze Familien, Oma und Opa, Onkel und Tanten und Freunde in das Haus. Es herrschte in der Adventszeit eine wunderschöne, heimelige Atmosphäre. Jeder traf Jeden im Flur der Musikschule oder auch im „Neuen Saal“ und nicht selten wurde der Abend bei einem Glas Glühwein länger als geplant und man trug diese gute Stimmung mit nach Hause und in die ganze Welt. „Tja, dieses Jahr wohl nicht“, dachte Steffen Schlosser. Das Unwort in dieser Zeit heißt wohl Mindestabstand und auch der Musikpädagoge saß ziemlich bedröppelt in seinem Raum und verfluchte die Situation im Allgemeinen und Corona im Besonderen. Neben ihm auf dem Tisch saß „Klaus“, ein Thüringer Kloß. Der, so meint Schlosser augenzwinkernd, habe zu ihm gesagt: „Wenn die Menschen nicht zu dir kommen können, dann musst du zu den Menschen gehen. Immer nur der gekaufte Schoko-Adventskalender ist doch langweilig. Mach etwas Schönes mit deinen Schülern. Wie wäre es mit einen musikalischen Adventskalender mit 24 kleinen Geheimnissen.“

Webseite vom Chef persönlich angelegt

Favorisiert wurde die Idee, das Ganze zeitgemäßer zu gestalten und das klassische Kalenderprinzip digital zu übertragen. Die „internette“ Aktion begeisterte die Jungs und Mädchen sofort. Schließlich ist gerade Musik gut geeignet, um Botschaften zu vermitteln. Dazu brauchte es jedoch erst einmal eine Menge Vorarbeit. So musste etwa eine entsprechende interaktive Website mit einem unkomplizierten Zugang für die Aktionsteilnehmer geschaffen werden. Diese Aufgabe übernahm der Chef persönlich. Dann galt es, die Frage zu klären, was es hinter den Kalendertürchen auf dem Videoportal Youtube geben sollte. Von Rock und Pop über Jazz bis hin zu Weihnachtsliedern sollte alles dabei sein.

Der singende und klingende Adventskalender kommt, moderiert vom Thüringer Kloß „Klaus“, vom 1. bis zum 24. Dezember als musikalische Video-Serie. Mit dem Link können die Eltern jeden Tag etwas Schönes erleben und auch Oma und Opa sehen ihren Enkel im Netz und können staunen, was er so alles gelernt hat. „Es macht großen Spaß vor der Kamera zu stehen“ sagen Josi (18) und Johanna (6) übereinstimmend. Letztere lässt das Kinderlied „So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit“ auf ihrer Ukulele erklingen. Mutti Judith Lüdtke lobt ihre Tochter, die seit dem letzten Jahr die Musikschule besucht, und findet die Idee mit dem digitalen Adventskalender großartig. Nur noch siebenmal schlafen, dann ist es soweit: Die Türen vom Kalender dürfen geöffnet werden.