Falsche Hoffnung auf Autoschnäppchen in Rudolstadt kostet das Leben

Gera.  Ein Rentner aus dem Saale-Holzland-Kreis sitzt einem Betrug auf und stirbt – ein tragischer Fall vorm Landgericht Gera.

Mordprozess am Landgericht Gera gestartet: Dieser Angeklagte soll sich eines Mordes schuldig gemacht haben.

Mordprozess am Landgericht Gera gestartet: Dieser Angeklagte soll sich eines Mordes schuldig gemacht haben.

Foto: Tino Zippel

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Polizeieinheiten sichern das Umfeld des Landgerichtes Gera. Drinnen tasten die Justizwachtmeister jeden Besucher ab, filzen selbst die Rechtsanwälte. Der Grund: Auf der Anklagebank sitzen zwei Brüder, die einen Ostthüringer auf dem Gewissen haben sollen. Der tragische Fall liest sich wie das Drehbuch eines Filmes.

Beide Angeklagte stammen aus Nürnberg und offenbar aus einer reichen Familie. Gleich vier Verteidiger stehen jedem der jungen Männer zur Seite. Sie sollen 2017 einen Mann aus dem Saale-Holzland-Kreis umgebracht haben. Doch was war passiert?

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft stellt sich der Fall wie folgt dar: Ein Vater und ein Sohn aus dem Saale-Holzland-Kreis wollten ein Auto verkaufen und suchten den Kontakt zu einem fliegenden Händler. Der kaufte auch ihren Wagen auf und bot an, bei den Verhandlungen für das neu ins Auge gefasste Modell zu helfen. Die Wahl fiel auf einen Ford Ranger, den ein Autohaus in Rudolstadt anbot.

Dem Fluchtfahrzeug in den Weg gestellt

Der Händler, damals 21 Jahre alt, und sein 18-jähriger Bruder fuhren der Anklage zufolge am 5. Mai 2017 gemeinsam mit der Familie zu dem Autohaus. Er ließ sich auf dem Parkplatz die 14.500 Euro aushändigen, um im Geschäft den Kaufvertrag abzuschließen. Er ging ins Gebäude, kletterte aber durchs Toilettenfenster wieder heraus und sprang auf die Rückbank des Wagens, den sein Bruder steuerte. Der geprellte Vater und sein Sohn wollten die Flucht verhindern. Sie stellten sich dem Fahrzeug in den Weg, doch der Mercedes hielt nicht an. Beide sprangen auf die Motorhaube, der Sohn hämmerte gegen die Frontscheibe.

Laut Oberstaatsanwalt Ralf Mohrmann beschleunigte der Angeklagte, um die beiden Männer abzuschütteln. In einer scharfen Linkskurve stürzte der Vater herunter und prallte auf den Beton­boden. Wenig später nach Schlangenlinienfahren und einer scharfen Rechtskurve verlor auch der Sohn den Halt. Während sich der Junior nur heftige Schürfwunden zuzog, erlitt der Vater schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen, Rippenserien-Frakturen und schwere Verletzungen an Lunge und Wirbelsäule. Er starb vier Tage später im Krankenhaus an einer Hirnblutung. Für Oberstaatsanwalt Mohrmann war die Tat ein Mord aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat.

Untergetaucht und in Tschechien festgenommen

Den Angeklagten war die Flucht gelungen. Der jüngere Angeklagte tauchte unter. Er war mit einem internationalen Haftbefehl gesucht worden und schließlich Mitte vorigen Jahres nahe Prag ins Netz gegangen. Ursprünglich sollte das Betrugsverfahren gegen den älteren Bruder vor dem Schöffen­gericht in Rudolstadt stattfinden. Nach der Festnahme des jüngeren Bruders kommt der Fall gesammelt zum Landgericht. Auch dem älteren Bruder, so das Gericht, droht nun eine Strafe nicht nur wegen des Betruges, sondern auch wegen des Tötungsverbrechens.

Vor Gericht wollen sich die Angeklagten nicht zu den Tatvorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern. Zunächst rügen die Verteidiger die erfolgte Umbesetzung des Gerichtes: Der Vorsitzende Richter Harald Tscherner sei willkürlich ausgewählt. Zudem sei der dringende Zahnarzttermin der regulär ausgelosten Schöffin kein Grund, sie durch eine andere zu ersetzen.

Auch mokieren sich die Verteidiger darüber, dass sie keine Handys mit in den Gerichtssaal nehmen dürfen. Er wolle sie vor einer Einflussnahme schützen, antwortet der Vorsitzende. Das bringt die Verteidiger auf die Palme. Sie weisen von sich, dass sie sich von den Angehörigen instrumentalisieren lassen würden, und sehen darin ein „Signal des Misstrauens“. Schließlich seien sie genau wie der Staatsanwalt ein Organ der Rechtspflege.

Der Vorsitzende Richter will die Sicherheitsmaßnahmen bis zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Dienstag überdenken. Der Prozess ist bis April terminiert.

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