Faltmeister von Weltruf als Null-Euro-Jobber in Oberweißbach: Wissenschaftliches Projekt gestartet

Oberweißbach  Joan Sallas ist Faltkünstler, Faltlehrer und Faltforscher von Weltruf. 2014 waren Werke von ihm auf der Heidecksburg in Rudolstadt zu bewundern. Jetzt ist in Oberweißbach ein Projekt mit dem Katalanen ­gestartet.

Joan Sallas, katalanischer Faltkünstler, Faltlehrer und Faltforscher, im Oberweißbacher Fröbelhaus. Foto: Michael Graf

Joan Sallas, katalanischer Faltkünstler, Faltlehrer und Faltforscher, im Oberweißbacher Fröbelhaus. Foto: Michael Graf

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Wer sich einen Eindruck davon verschaffen will, was der 52-Jährige etwa aus Papier- oder Stoffservietten so alles zaubert, sollte auf der ­Videoplattform YouTube nach Joan Sallas suchen. Beim ­Anschauen der Filmchen kommt man dann aus dem Staunen nicht heraus. In Oberweißbach allerdings engagiert sich der Künstler als Faltforscher.

Kooperationsprojekt mit Oberweißbach

Aus dem Fundus des Fröbelhauses stammen Beschäftigungsalben, die angehende Kindergarten-Erzieherinnen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts während ihrer Ausbildung in Weimar gestaltet hatten. Einige Exemplare waren 2014 eben in Weimar in einer Ausstellung über eine Faltschule zu sehen. Sallas übernimmt nun die wissenschaftliche Bearbeitung der über 60 Alben.

Erster Schritt ist die Inventarisierung, dem die bibliografische und technische Beschreibung des Inhalts der Dokumente folgt. „Man muss etwas erklären, um es schätzen zu lernen“, sagt Joan Sallas und bezeichnet es als großes Glück, dass die Alben bewahrt wurden.

Das Kooperationsprojekt zwischen der Fröbelstadt Marketing GmbH und dem Wahl-Thüringer ist langfristig angelegt. Sallas‘ jetziger Besuch in Oberweißbach diente der Bestandsaufnahme. Perspektivisch geht es auch um die Frage, wie man die historischen Dokumente im Museum am besten ausstellen kann.

Wenn am 7. Juni 2015 das 125-jährige Bestehen des Fröbelturms gefeiert wird, will der Faltmeister nach Möglichkeit dabei sein. Er werde versuchen, dazu mit einer kleinen Gruppe von Fachleuten nach Oberweißbach zu kommen, kündigt er an. „Joan Sallas will weitere Künstler für die Unterstützung unseres Forschungsprojekts gewinnen. Eine Frau zum Prickeln und Papier restaurieren hat er schon überredet“, lässt Katharina Eichhorn, die Geschäftsführerin der Oberweißbacher Marketing-Gesellschaft, wissen.

Darauf angesprochen, ob die Zusammenarbeit mit einem solchen Experten wie Sallas nicht vielleicht zu teuer wird, antwortet sie: Die Stadt brauche nur für kosten­freie Übernachtung zu sorgen. Für eine spätere Restaurierung der Alben würde natürlich Geld benötigt, „aber jetzt macht er es einfach so“, sagt Eichhorn – quasi also ein Null-Euro-Jobber .

youtube

Der Faltkünstler, -forscher und -lehrer verrät, dass er noch weitere Pläne für künftige Stippvisiten in Oberweißbach und Umgebung hegt. Ihm schweben – vielleicht schon im Juni – Abendveranstaltungen zum Thema Servietten falten mit Kellnern aus Hotels der Region und anderen Interessierten vor. Und gern würde er an Schulen gehen, um Lehrern zu zeigen, wie sie Kindern das Falten beibringen können. Schließlich sei das auch Mathematik, meint ­Joan Sallas und zielt dabei natürlich speziell auf die Geometrie.

Im etwa zehn Kilometer von Barcelona entfernten Badalona war Sallas am 16. Oktober 1962 geboren worden. Seit über 20 Jahren hat er seinen Wohnsitz in Deutschland und seit 2013 in Weimar.

2012 wurde Joan Sallas mit dem Preis zur Bewahrung Europäischen Kulturerbes von der Europäischen Kulturstiftung Pro Europa ausgezeichnet.

Ausstellungen schon auf drei Kontinenten

Faltausstellungen von ihm waren bereits in ganz Deutschland (so unter anderem in Dresden, Halle, München und Mannheim), in Tschechien, Österreich, Schweden, Italien, England und der Schweiz sowie in den USA (hier im Metropolitan Museum of Arts in New York) und Südkorea zu sehen.

2015 wird diese Gastgeberreihe um Holland ergänzt. In Vorbereitung ist dort eine Exposition in Den Haag.

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