Gemeindepsychiatrische Kontakt- und Beratungsstelle in Rudolstadt steht allen offen

Rudolstadt.  Ein Ort zum Anlanden – Gemeindepsychiatrische Kontakt- und Beratungsstelle steht allen offen, die von psychischer Krankheit betroffen sind

Sozialarbeiterin Dagmar Göllnitz (links) und Leiterin Silke Burkhardt-Roelli sind zwei der Ansprechpartnerinnen in der Gemeindepsychiatrischen Kontakt- und Beratungsstelle in Rudolstadt.

Sozialarbeiterin Dagmar Göllnitz (links) und Leiterin Silke Burkhardt-Roelli sind zwei der Ansprechpartnerinnen in der Gemeindepsychiatrischen Kontakt- und Beratungsstelle in Rudolstadt.

Foto: Foto: Heike Enzian

Eine Krisensituation in der Familie, ein Angehöriger, der depressiv ist, Überforderung im Alltag – es gibt viele Gründe, sich externen Rat zu holen. Für Menschen mit psychischen Problemen beziehungsweise deren Angehörige ist die Gemeindepsychiatrische Kontakt- und Beratungsstelle in Trägerschaft der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein mit Sitz in der „Glocke“ in der Jenaischen Straße ein Anlaufpunkt.

„Wir verstehen uns als eine Kontaktstelle, an der man einfach anlanden kann. Jeder Betroffene kann sich an uns wenden. Häufig jedoch wird der Erstkontakt über die Vermittlung nach einem Klinikaufenthalt, vom Hausarzt oder einem anderen Beratungsdienst hergestellt“, informiert die Leiterin der Beratungsstelle, Diplompsychologin Silke Burkhardt-Roelli. „Ziel ist es, psychisch kranken Menschen ihren Platz in der Gemeinschaft bieten“.

200 Langzeitbegleitungen im Jahr

Etwa 200 Langzeitbegleitungen im Jahr stehen in der Statistik der Beratungsstelle. Das Alter der Klienten liegt zwischen 18 und 80 Jahren. „Früher war der Großteil der Menschen, die wir betreuten, zwischen 40 und 60 Jahre alt, inzwischen sind mehr Jüngere und auch Ältere dazugekommen“, sagt Silke Burkhardt-Roelli. „Vor allem jüngere Betroffene finden hier einen Austausch und spüren, ich bin nicht allein“, ergänzt sie.

In Rudolstadt betreuen die sechs Mitarbeiterinnen derzeit 75 Frauen und 54 Männer, in Saalfeld 45 Frauen und 27 Männer in der Langzeithilfe. Neben Krisenbewältigung, Alltagsbegleitung und persönlichen Gesprächen sind es vor allem die Zusammentreffen in den Gruppen, die Gesprächskreise, die einen Großteil der Arbeit ausmachen. Zu den Aufgaben gehört auch, Klienten in ihrem häuslichen Umfeld zu betreuen, ihnen bei der Therapiesuche oder bei lebenspraktischen Dingen zu helfen. Zum Beispiel dann, wenn jemand mit einem Packen ungeöffneter Briefe der letzten Jahre kommt. Eine besondere Herausforderung ist es, Menschen in akuten Krisensituationen kennenzulernen. „Dann beginnt die eigentliche Netzwerkarbeit. Braucht es medizinische Hilfe? Braucht es Hilfe drum herum? Das hat viel mit Sozialarbeit zu tun“, so die Leiterin der Beratungsstelle.

Die aktuelle Coronasituation mit zuletzt wieder stark steigenden Zahlen verunsichert viele Menschen. Personen mit psychischen Problemen haben womöglich besonders darunter zu leiden. „Bei einem Lockdown wie im Frühjahr brechen die verlässlichen Strukturen weg. Es gibt keine Treffen in den Gruppen, keinen Kochkurs, das macht vielen zu schaffen“, so Sozialarbeiterin Dagmar Göllnitz. Aber die Frauen sind bestrebt, die Kontakte nicht abbrechen zu lassen. „Während der Coronazeit haben wir uns teilweise zur Beratung auf einer Parkbank getroffen. Außerdem gibt es einen Garten in Rudolstadt, den Menschen mit psychischen Problemen gemeinsam bewirtschaften. Dort konnten wir uns treffen. Das hat uns sehr geholfen. Da haben wir gemerkt, was den Leuten wirklich fehlt, nämlich das Gemeinschaftsgefühl“.

Zuverlässige Kontakte pflegen

Umso wichtiger, dass die Angebote auch unter den aktuellen Bedingungen nicht wegbrechen. „Die Menschen finden uns, der Bedarf an Beratung ist auf jeden Fall da“, sagt Dagmar Göllnitz. Dass die Zahl der an Depression leidenden Menschen im Laufe der Jahre zugenommen hat, spürt man auch in der Beratungsstelle. „Aber gegeben hat es das schon immer. Es wird jetzt mehr darüber gesprochen. Und es gibt mehr Menschen, die sich Hilfe holen. Das Thema hat heute einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft“, wissen die Fachleute. Aber sie erleben auch, „dass die Menschen oft einen langen Leidensweg hinter sich haben, bevor sie sich Hilfe suchen“.

Die dunkle Jahreszeit und dann auch noch Corona – das kann auch gesunden Menschen aufs Gemüt schlagen. Gefragt nach einem Tipp, um möglichst gut durch die schwierige Zeit zu kommen, rät Silke Burkhardt-Roelli, zuverlässige Kontakte zu pflegen, die Alltagsstruktur beizubehalten und den Medienkonsum zu kontrollieren. „Einmal am Tag Nachrichten schauen reicht, und sich vielleicht auch mal fragen, ob es bei all dem nicht auch eine positive Seite gibt“.