Goethes schwieriges Verhältnis zu Zeitungen: Launiger Vortrag mit einem Fall aus Saalfeld

Saalfeld  Von wegen Lorbeerkranz um des verwesenden Prinzen Stirn: Schon Goethe regte sich über Falschmeldungen in Zeitungen auf – und intervenierte aus politischem Kalkül beim Herausgeber. Der Literaturkritiker und Journalist Lothar Müller referierte auf Einladung der Goethegesellschaft über des Dichters Zorn auf Zeitungen.

Goethe-Plastik aus Bronze am Markt in Ilmenau. Foto: Ralf Ehrlich

Goethe-Plastik aus Bronze am Markt in Ilmenau. Foto: Ralf Ehrlich

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Goethe hatte sich mit der „Lügenpresse“ herumzuschlagen, lange bevor diese abwertende Zuschreibung für den Zeitungsjournalismus erfunden und eine gewisse Konjunktur hatte. Das berichtete der Journalist und Literaturkritiker der „Süddeutschen Zeitung“, Lothar Müller, am Dienstagabend den Mitgliedern der Saalfelder Goethegesellschaft bei seinem Vortrag über Goethes zwiespältiges Verhältnis zu Zeitungen.

Ausgerechnet in der „All­gemeinen Zeitung“, heraus­gegeben von des Dichters Verleger Cotta, musste Minister Goethe von einer ihm gar nicht behagenden Zeitungsente lesen. Eine Falschmeldung! Aus Saalfeld! Müller, auch Literaturprofessor an der Humboldt-Uni Berlin, betonte, Goethe sei ein intensiver und davon profitierender Zeitungsleser gewesen, wenn auch „in der Maske der Zeitungsverachtung“. Berühmt ist Goethes Gedicht „Der Rezensent“ inklusive der ironischen Aufforderung „Schlagt ihn tot den Hund! Es ist ein Rezensent!“

In Saalfeld also, so stand es am 26. November 1806 in der „Allgemeinen“, habe die Herzogin von Weimar den schon langsam „Spuren der Verwesung“ zeigenden Leichnam Prinz Louis Ferdinand von Preußens „einen Lorbeerkranz um seine Schläfen gewunden“. Als Quelle wird ein „Schreiben aus Saalfeld“ angegeben. Der Prinz, auch „Der preußische Apoll“ genannt, war beim Gefecht von Saalfeld gefallen. Richtig ist, so Referent Müller, dass der General in der ­Johanneskirche aufgebahrt wurde. Das Kranzgebinde jedoch war frei erfunden. Goethe wollte nicht, dass diese Geste des Hauses Weimar für Preußen die Runde macht und unternahm etwas, was heute dem gleichkommt, wenn ein hochrangiger Politiker beim Springer-Chef anruft. ­Goethe verlangte von Cotta ein Dementi. Dazu Müller: „Die Saalfeld-Falschmeldung wird daraufhin korrigiert.“

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