Gastro-Neustart

Heimkehrer holt Kaulsdorfer Bürgerhaus aus dem Schlaf

Kaulsdorf.  Nach 15 Jahren als Küchenchef in Österreich will Hans Hübner ab März an der Saale mit regionaler Frische und Qualität überzeugen

Heimkehrer-Neustart mit 35 Jahren: Hans Hübner, der 15 Jahre ein Hotelrestaurant in Österreich leitete, hat das Bürgerhaus-Restaurant in Kaulsdorf übernommen, das seit fünf Jahren verwaist war. Die gerahmte Zeichnung zeigt die Ansicht des 2013 renovierten Hauses von der Ostseite.

Heimkehrer-Neustart mit 35 Jahren: Hans Hübner, der 15 Jahre ein Hotelrestaurant in Österreich leitete, hat das Bürgerhaus-Restaurant in Kaulsdorf übernommen, das seit fünf Jahren verwaist war. Die gerahmte Zeichnung zeigt die Ansicht des 2013 renovierten Hauses von der Ostseite.

Foto: Jens Voigt

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Knapp vor zehn Uhr, Zeit für einen Happen zwischendurch eigentlich, doch schon heult das Handy: Die Spedition fragt nach dem besten Anfahrtsweg. Zehn Minuten später senkt sich die Laderampe des Lkw, der Fahrer bugsiert per Hubwagen ein kühlschrankgroßes Gerät in den Gang zwischen Küche und Foyer: Der Konvektomat, quasi ein Profi-Dampfgarer, gehört heute zur Grundausstattung für eine solide Küche in der Gastronomie. So professionell wie der Anspruch von Hans Hübner an sein erstes eigenes Restaurant, mit dem er demnächst das Bürgerhaus von Kaulsdorf wiederbeleben will.

Küche setzt auf frische Zutaten aus der Region

Seit November arbeitet Hübner praktisch Tag für Tag im Bürgerhaus, allerdings noch nicht als Koch respektive Gastwirt, sondern als Handwerker und Bauherr. „Das wird eine komplette Sanierung“, erläutert er. Helle Laminat-Dielen statt des vergilbten PVC-Spannteppichs in dem einen Gastraum, Parkett abgeschliffen und neu versiegelt im anderen, Tapeten erneuert, der ganze Pseudo-Griechenland-Kitsch des Vorgängers ebenso entfernt wie das schwere Massivholz-Mobiliar. „Bei mir wird es mehr sachlich nüchtern in Schwarz-Weiß-Tönen“, blickt Hübner voraus. Die Gäste sollen sich mehr aufs kulinarische Real-Erlebnis konzentrieren können denn auf visuelle Verführungspfade gelockt zu werden. „Regionalität, Frische, Abwechslung“, das sei für ihn der gebotene gastronomische Dreiklang, weshalb er schon Gespräche geführt hat mit Erzeugern und Direktvermarktern aus der Umgebung; Lammfleisch könnte also vom Betrieb an der Schmelzhütte kommen, Kartoffeln aus Birkigt, Rind von einem Hof im Oberland. So etwa zehn bis 15 feste Partner als Zulieferer wird er brauchen, kalkuliert Hübner.

Ein Erfahrungswert, den er aus dem österreichischen Kleinwalsertal mitgebracht hat, wo Hübner nach seinem Berufseinstieg in einem baden-württembergischen Kongress-Betrieb 15 Jahre erfolgreich die Küche eines Vier-Sterne-Hotels geführt hatte. „Da hatte ich über 30 regionale Zulieferer aufgebaut, damit ich mich wirklich auf die Produktqualität verlassen konnte“, erzählt der 35-Jährige. Als die Besitzer im vorigen Frühjahr Hotel- und Restaurantbetrieb trennten, hätte Hübner sich als neuer Pächter bewerben können. „Aber ich dachte mir: Wenn ich schon einen Betrieb wieder neu aufbaue, warum dann nicht in der Heimat?“ Also in Kaulsdorf, wo Hübner aufgewachsen ist, Eltern und Freunde hat. Und überzeugt ist, die immerhin 120 Restaurant-Plätze gut gefüllt zu bekommen. „Das Bürgerhaus hat in der hiesigen Gastronomie einfach einen Namen, die Lage im Ortszentrum und mit Blick zur Saale ist top und die Nachfrage nach guter regionaler Küche da“, zählt Hübner als Gründe für seinen Neustart in der Heimat auf. „Ich weiß, dass ich das Haus auslasten kann; und wenn ich zur Not 16 oder 18 Stunden am Tag arbeiten werde.“

Cocktailbar für eine neue Treffpunkt-Qualität

Mit einem zunächst wohl vierköpfigen Team will Hübner voraussichtlich im März loslegen, mit einer soliden Abend-Karte und einem auf eher kleinen Geldbeutel zugeschnittenem Mittags-Menü, dazu ein Kuchen-Angebot für den Nachmittag und eine Cocktailbar, um vor allem die Abende auf der neu belebten Terrasse samt Saale-Blick zu genießen. „Von der Gemeinde werde ich richtig gut unterstützt“, betont Hübner. So habe er den Bürgerhaus-Saal samt Ausschank nicht zwangsläufig mitpachten müssen, halte aber quasi das Vorgriffsrecht, wenn er ihn für Veranstaltungen benötige. Zudem übernehme er das Catering bei externen Veranstaltern im Saal. „Ich möchte, dass das Bürgerhaus wieder das wird, was es schon mal war: ein Treffpunkt für Alt und Jung, wo man einfach ein bisschen wie Zuhause ist“, schaut Hübner voraus.

Bis dahin allerdings bleibt noch etliches zu tun. Zum Beispiel zu testen, ob die Brenner von Herd und Backofen der vormaligen Küche nach der dringend fälligen Reinigung noch funktionieren oder doch auch dafür Ersatz beschafft werden muss. Und das Logo auf Laternen und Schild wechselt – denn nicht nur der Wirt ist nun wieder ein Hiesiger, sondern nach fast drei Jahrzehnten fränkischer Abwege auch das Bier. Wo doch der Saalfelder Brauereichef gleich um die Ecke wohnt.

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