Hotelinvestor springt ab

Rudolstadt.  Hamburger Firma Premero steht nicht mehr als Bauherr für das geplante „Schillerpalais“ in Rudolstadt zur Verfügung

Melanie Morgenthaler und Thorsten Schütte im Juni 2016 bei der Vorstellung der Hotelpläne im Rudolstädter Stadtrat. Jetzt steht der Investor nicht mehr zur Verfügung.

Melanie Morgenthaler und Thorsten Schütte im Juni 2016 bei der Vorstellung der Hotelpläne im Rudolstädter Stadtrat. Jetzt steht der Investor nicht mehr zur Verfügung.

Foto: Archivfoto: Heike Enzian

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Lange herrschte Funkstille in Sachen Hotelneubau in Rudolstadt. Jetzt ist es offiziell: Der Hotelinvestor, die Firma Premero mit Sitz in Hamburg, ist abgesprungen. Das bestätigte am Freitag Rudolstadts Bürgermeister Jörg Reichl (BfR) auf Anfrage dieser Zeitung. „Es hat bereits Ende vergangenen Jahres Anzeichen gegeben, dass der Investor Probleme mit der Finanzierung des Vorhabens bekommen würde. Diese Woche haben uns die beiden Geschäftsführer Melanie Morgenthaler und Thorsten Schütte schriftlich mitgeteilt, dass ihr Unternehmen das Projekt nicht realisieren wird und die bereits geschlossenen Verträge auflösen will“, so Reichl. Premero baut aktuell ein Hotel am Flughafen im Hamburg, ein Vorhaben, für das ebenfalls Fördermittel in Anspruch genommen wurden. Hier soll es Rückforderungen der Förderbank geben. Von einem weiteren Vorhaben mit Förderung sei daher dringend abgeraten worden, heißt es. „Aber ohne Fördermittel ist das Projekt Schillerpalais nicht finanzierbar“, so Reichl.

Am Vorhaben wird festgehalten

Was bedeutet das für die Hotelpläne? „Wir werden jetzt in aller Ruhe klären, wie wir damit umgehen“, so Reichl. Die Premero GmbH, beziehungsweise die eigens für den Bau gegründete Schillerpalais GmbH – eine Premero-Tochter – sind Eigentümer des Grundstückes im Bereich zwischen Anton-Sommer-Straße, der Straße Hinter der Mauer und der Freiligrathstraße. Es besteht laut dem zwischen der Stadt Rudolstadt und der Firma abgeschlossenen Vertrag die Möglichkeit, das Grundstück wieder an die Stadt zurück zu übertragen. „Die Kosten trägt im Falle einer Rückabwicklung Premero, darauf haben wir von Anfang an geachtet und so steht es auch drin“, erklärt Reichl. Sollte sich zeitnah ein neuer Investor finden, so könnte die Übertragung auch direkt an diesen gehen. „Das alles prüfen wir jetzt“, sagte er.

Gespräche mit neuen Investoren

Ein Aus für das rund 26 Millionen Euro teure Vier-Sterne-Hotelprojekt mit 140 Betten sieht er nicht. Im Gegenteil. „Wir wollen das Hotel unbedingt. Aber es bleibt dabei: Es wird kein städtisches Projekt, sondern das eines privaten Investors“, erklärt der Bürgermeister. Die Suche nach einem neuen Investor ist bereits in vollem Gange. Namen wollte Reichl allerdings noch nicht nennen. Nur so viel: „Wir sind mit mehreren Interessenten in Verhandlung. Es muss ein komplett überarbeitetes Projekt vorgelegt werden und die Fördermittel müssen neu beantragt werden“, beschreibt er das Prozedere. Der Betreiber, die Firma RIMC, stehe weiter zur Verfügung, auch jetzt, da sich der Südtiroler Unternehmer Gert Prantner inzwischen aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat. Anfang Februar stehen die nächsten Gespräche an. Vereinbart ist, dass die Stadt die Grundstücke vorerst weiter nutzen kann. Wann es auf dem Areal sichtbare Fortschritte gibt, lässt Reichl derzeit völlig offen. „Ich kann nicht versprechen, dass es jetzt hopp hopp voran geht. Wir als Stadt begleiten das Projekt weiter und wollen, dass das Hotel gebaut wird. Aber das finanzielle Risiko muss ein privater Investor tragen“, macht er noch einmal deutlich.

Rückblick

Im Juni 2016 stellten Melanie Morgenthaler und Thorsten Schütte, die Geschäftsführer der Premero GmbH, die Pläne für ein Vier-Sterne-Hotel mit 140 Betten im Rudolstädter Stadtrat vor. Damals war von einem Baubeginn 2017 die Rede.

Mitte 2018 wurde bekannt, dass sich der Hotelbau verzögert. Es gab Probleme beim Auszug der letzten Mieter aus einem Gebäude auf der Fläche. Das hatte Auswirkungen auf die Grundstücksübertragung. Damals ging man von einem Baubeginn Frühjahr oder Sommer 2019 aus.

Es gelingt auch in den Folgemonaten nicht, ein Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen. Mehrmals wurde das Hotelkonzept überarbeitet.

Im Februar 2019 teilte die Stadt Rudolstadt mit, der Grundstückverkauf sei erfolgt. Und man sei in Verhandlungen über eine gesicherte Finanzierung mit Hilfe von Fördermitteln.

Im Januar 2020 heißt es vom Investor, dass er nicht mehr zur Verfügung steht.

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