Im Gespräch mit dem Grafiker und Bühnenbildner Volker Pfüller

Im Theater Rudolstadt laufen die Vorbereitungen für Freunde, das Leben ist lebenswert auf Hochtouren ein Stück mit Schauspiel und Orchester über das Schicksal dreier jüdischer Künstler während der NS-Zeit. Vor der Premiere am 30. April steht Volker Pfüller, Plakatgestalter, Grafiker und Bühnenbildner, Rede und Anwort.

Theater Rudolstadt: Volker Pfüller (rechts) vor seinem Bühnenbild mit Katja Diegl und Uwe Nebe Foto: Theater

Theater Rudolstadt: Volker Pfüller (rechts) vor seinem Bühnenbild mit Katja Diegl und Uwe Nebe Foto: Theater

Foto: zgt

Das Stück erzählt die Geschichte des jüdischen Künstlers Fritz Beda-Löhner, dem Librettisten von Franz Lehár, und seiner Freunde Fritz Grünbaum und Hermann Leopoldi, die 1938 ins KZ Buchenwald gebracht wurden. Was wussten Sie vor dem Stück von ihnen?

Wie viele andere kannte ich von Fritz Löhner – der eigentliche Hauptheld des Stückes – durchaus die meisten Schlager, habe mir aber nie Gedanken darüber gemacht, wer diese Texte eigentlich verfasst hat.

Welche Umgangsform mit dem Thema Nationalsozialismus in der Kunst finden Sie angebracht: Ernsthaft und historisch korrekt? Oder eher clownesk wie in "Das Leben ist schön"?

Ich muss sagen, Ernsthaftigkeit und politische Korrektheit ist nicht unbedingt ein Synonym. Ich bin der Meinung, dass man sehr spielerisch damit umgehen und gleichzeitig sehr ernsthaft sein kann. Bei unserer Inszenierung sind wir keineswegs auf Dokumentarismus aus.

Worauf dann?

In dem Stück sind viele Vorgänge so schauderhaft und brutal, dass man einen Weg finden muss, wie man sich darüber verständigen kann. In der Kunst fragt man sich‚ wo fängt der Begriff Karikatur oder Überzeichnung an? Jede Art von künstlerischer Darstellung ist dem Leben gegenüber wahrscheinlich eine Überzeichnung. Das geht auch nicht anders. Man drückt damit seine Haltung aus. Als Zeichner kann ich nur sagen: Man kann kein Portrait von jemandem zeichnen, ohne eine Meinung über diesen Menschen zu haben.

Wie gehen Sie mit Überzeichnung und Karikatur in Bühnenbild und Kostümen um?

Mich beschäftigt das Thema Tod und Totentanz schon sehr lange. Als eine Art Geisterbahn, in der Totenköpfe eine Rolle spielen, finden sich Elemente davon im Bühnenbild. Überzeichnungen werden vor allem in den Kostümen sichtbar. So trenne ich z.B. bei den Uniformen nicht so genau. Ich habe nach einer ganz eigenen Übersetzung gesucht.

Sie arbeiten zum ersten Mal am Theater Rudolstadt. Was haben Sie bisher erfahren?

Ich arbeite hier sehr gern. Es ist ein angenehmes, produktives Arbeiten. Ich bin ja derzeit als Grafiker viel beschäftigt, aber wenn ich Theater mache, dann mache ich das mit ganzem Herzen.

Als Professor für Bühnenbild in Berlin und Illustration in Leipzig sind Sie bereits im Ruhestand und freischaffend. Kann man zurzeit in Deutschland Arbeiten von Ihnen sehen?

Ja, am 16. April öffnet in Essen eine Ausstellung unter dem Titel "Flächen, die die Welt bedeuten", im Museum Folkwang. Da werden meine Plakatarbeiten gezeigt, die seit den 1970er Jahren für Theater entstanden sind.