Innenstadthelden für Rudolstadt gesucht

Rudolstadt.  Etwas tun für die Innenstadt: In Rudolstadt startet das neue Projekt „Citymanagement“.

Auftaktveranstaltung für das Projekt Citymanagement in Rudolstadt: Unter dem Motto „Unsere Stadt – Unser Leben“ wollen sich die Akteure für eine lebendige Innenstadt einsetzen.  

Auftaktveranstaltung für das Projekt Citymanagement in Rudolstadt: Unter dem Motto „Unsere Stadt – Unser Leben“ wollen sich die Akteure für eine lebendige Innenstadt einsetzen.  

Foto: Michael Wirkner

Leerstand, Onlinehandel und nicht zuletzt die Sorge um neue Einschränkungen wegen der Coronapandemie: Die Innenstädte erleben schwere Zeiten. Und mit ihnen die Menschen, die dort für Leben sorgen: die Händler, Gewerbetreibenden, Gastronomen. Rudolstadt will einen Weg aus dem Dilemma suchen und sich dem Thema Citymanagement widmen.

Unter Federführung der stadteigenen Stadtentwicklungsgesellschaft (SER) wurde das Projekt unter dem Motto „Unsere Stadt – Unser Leben“ am Montag mit der Auftaktveranstaltung im Löwensaal gestartet. Etwa zwei Dutzend Teilnehmer hatten sich dazu eingefunden. Händler, Gastronomen, Menschen aus Kultur, Verwaltung, der Eventbranche.

Mehr Identität statt Image

„Citymanagement ist mehr als die Stärkung des Einzelhandels. Es geht um die ganzheitliche Betrachtung dieses Themas“, so SER-Geschäftsführer Jens Adloff, der gemeinsam mit Susi von Roda durch den Abend führte. Warum aber ausgerechnet in Regie der SER?

„Wir haben uns bewusst dafür entschieden, niemanden von außen, der unsere Stadt nicht kennt, mit der Aufgabe zu betrauen, jemanden, der das nach Schema F für viele Städte macht“, so Bürgermeister Jörg Reichl. Bei der SER kennt man sich aus mit Fördermitteln, betreibt das bezüglich Sanierung schon seit Jahren erfolgreich.

„Auf diesem Weg wollen wir weiter machen. Wir haben gesagt, wir nehmen die Sache in Angriff, ohne sinnlos weiter Geld zu verbrennen für irgendwelche Gutachten, die dann wieder in den Schubladen verschwinden“, so Jens Adloff.

Mitmachen unter #Innenstadthelden

Für den Blick von außen auf Rudolstadt sorgte an diesem Abend Hannes Wolf, Citymanager in Jena. „Gefühle, Emotionen, Erlebnisse, Sichtbarkeit“, so seine Stichworte im Zuge dessen, was die Innenstädte ausmachen soll. Oder anders gesagt: „Mehr Identität statt Image.“

Drei Säulen, so das Gesprächsangebot für die Teilnehmer der Runde, tragen eine lebendige Innenstadt: Wohlfühlfaktor/Einkaufserlebnis/Aktionen, Stadtbild/Stadtstruktur und Digitalisierung. In drei Workshops suchten die Teilnehmer neue Ansätze. Ein weiteres Thema ist die Frage, wie Immobilien genutzt werden. „Das meinen wir mit dem ganzheitlichen Ansatz. Es gibt keinen hochwertige Laden, wenn die Immobilie nicht dazu passt“, so Jens Adloff.

Erster Schritt ist ein Internetauftritt, der in Kürze online gehen soll. „Damit wir wahrgenommen werden“, wie es heißt. Zudem sollen Interviews mit den Händlern geführt werden. Unter #Innenstadthelden gesucht ist jeder eingeladen, sich an dem Prozess zu beteiligen. Wie das geht, zeigt ein Video, in dem Menschen, die in der Rudolstädter Innenstadt leben und arbeiten, zu Wort kommen.

Gegen das Niedergangsszenario

„Es ging an diesem Abend darum, den Auftakt zu vollziehen, nicht darum, den Stein des Weisen zu finden“, dämpfte der Ruwo-Chef zu hohe Erwartungen. „Wir werden Citymanagement nicht neu erfinden können. Wir müssen unseren Weg finden“, sagt er. Vor allem sollte das Treffen dazu dienen, Selbstvertrauen zu tanken und dem allgemeinen Niedergangsszenario etwas entgegen zu setzen. „Die Sicht von außen funktioniert auch dank des Slogans ‘Rudolstadt – Schillers heimliche Geliebte’ ja schon gut. Jetzt geht es darum, dies auch für die, die hier leben und arbeiten, zu finden.“

Das Projekt wird für drei Jahre gefördert. Fördermittelempfänger ist die Stadt Rudolstadt, welche die SER mit der Umsetzung beauftragt hat.