Kreis Saalfeld-Rudolstadt: Nächste Invasion ist schon im Anflug

Paulinzella.  Borkenkäfer-Massen treffen auf geschwächte Bäume – Forstamt ruft alle Waldbesitzer zum Handeln auf

Revierförsterin Grit Leeder zeigt an einem Fichte-Rindenstück die Fraßspuren des Borkenkäfers. In ihrem Revier "Leutenberger Höhe" macht sich besonders an den Südhängen die anhaltende Trockenheit bemerkbar.

Revierförsterin Grit Leeder zeigt an einem Fichte-Rindenstück die Fraßspuren des Borkenkäfers. In ihrem Revier "Leutenberger Höhe" macht sich besonders an den Südhängen die anhaltende Trockenheit bemerkbar.

Foto: Jens Voigt

Erst im Spätherbst endete eine der schlimmsten Borkenkäfer-Saisons in den hiesigen Wäldern, und schon geht es in die nächste hinein. Hartmut Eckardt, Leiter des Forstamts Saalfeld-Rudolstadt, appelliert deshalb an alle privaten Waldbesitzer, ihre Bestände in kurzen Abständen zu kontrollieren und befallene Bäume so schnell wie möglich aufzuarbeiten – notfalls durch Begiften der geschlagenen und im Wald gelagerten Stämme.

Insbesondere der Buchdrucker als Hauptschädling wird die Besitzer von älteren Fichtenwäldern auch in diesem Jahr sehr schwer beschäftigen, ahnt Eckardt voraus. In Lockstoff-Schlitzfallen, die an entsprechenden Standorten im Landeswald aufgestellt worden waren, hätten die Revierförster im April teils über 9000 angelockte Borkenkäfer-Weibchen innerhalb von zwei Wochen vorgefunden. Zum Vergleich: In normalen Zeiten, da der ausreichend befeuchtete Baumbestand selbst genug Harzdruck zur Abwehr der sich einbohrenden Käfer aufbaut, finden sich bis zu 3000 Borkenkäfer in der Falle – übers ganze Jahr. Die

Frühlingsoffensive der vom milden Winter begünstigten Käfermassen hat also bereits begonnen. Vorrangig stürzen sich Buchdrucker & Co. jetzt auf alles aus dem Winter stammende, noch nicht aufgearbeitete Wurf- und Bruchholz, wie es zuletzt Sturm Sabine im Februar hinterlassen hat. Aber auch in stehende Stämme hat sich das nur vier Millimeter große Insekt wieder eingebohrt, um dort die nächste Generation heranwachsen zu lassen. „Die Fichten haben für die eigene Abwehr durch Harzdruck viel zu wenig Niederschlag erhalten. Die Trockenheit verschärft die Situation erheblich“, so der Forstamtsleiter Eckardt. Inzwischen gehe man de facto ins dritte Trockenjahr in Folge – mit entsprechend geschwächten Wäldern, die Schädlingen kaum noch kraft entgegensetzen können.

Ganzes Spektrum an Schädlingen hat zugelegt

Und es ist ja nicht der in älteren Fichtenbeständen wütende Buchdrucker allein. „Das ganze Spektrum an Schädlingen hat zugenommen“, beobachtet Eckardt. So seien Kiefern vom Waldgärtner als arteigenem Borkenkäfer befallen oder von Pracht- und Bastkäfern, Buchen würden verstärkt zum Beispiel unter Schleimflusspilzen leiden. Der größte Schaden wegen der noch immer gerade im Schiefergebirge dominierenden Fichtenbestände gehe aber vom Buchdrucker aus.

Immerhin sieht sich das Forstamt inzwischen besser gewappnet: Ein lange vakanter Revierleiter-Posten ist nun wieder besetzt, ein Forstschutzkoordinator und Forstschutzhelfer zusätzlich eingestellt. Letztere sind vor allem damit beschäftigt, vom Käfer befallene Bäume ausfindig zu machen, zu markieren und die Standorte festzuhalten, damit die Bäume schnell aus dem Wald kommen oder aufgearbeitet werden. Dafür habe man nun endlich auch genügend GPS-Geräte und Smartphones, um die geschädigten Bäume digital zu registrieren und so punktgenaue Arbeitshinweise auszugeben. Doch die Käferplage frisst sich eben nicht nur durch den Landes- und Kommunalwald. Deshalb, so Eckardt, sind alle Waldbesitzer in der Verantwortung, ab jetzt regelmäßig und möglichst alle zwei Wochen, auch selbst ihre Bestände sorgfältig abzusuchen. Den frischen Befall kann man am Baum nur aus nächster Nähe an den stecknadelkopfgroßen Einbohrlöchern und den braunen feinen Bohrspänen auf den Borkenschuppen der Rinde oder auch am Stammfuß des Baumes erkennen. Starker Wind oder Regen können die feinen Späne jedoch schnell verschwinden lassen – ein Grund mehr für eng getaktete Kontrollen. Finden sich Befallshinweise, spätestens durch Abschälen von Rindenstücken, hat der Waldbesitzer ab maximal fünf bis sechs Wochen Zeit, um alle befallenen Bäume entweder komplett aus dem Wald zu schaffen oder vor Ort zu schälen, solange die Larve noch wie ein weißes Reiskorn aussieht. „Letzte Möglichkeit ist die Behandlung des an den Forstweg gerückten Holzes vor Ausflug der nächsten Käfergeneration mit einem Insektizid durch Personal mit nachgewiesener Sachkunde“, erläutert Eckardt.

Übersättigter Holzmarkt verschärft die Lage

Der massive Befall großer Teile der Fichtenbestände lässt es im Prinzip aufgrund der begrenzt zur Verfügung stehenden Aufarbeitungskapazitäten nicht zu, dass alles befallene Holz rechtzeitig aus dem Wald geschafft werden kann. Um die vorhandene Kapazität wirkungsvoll einzusetzen, rät Eckardt dringend, sich nur auf die frisch befallenen Stämme zu konzentrieren. Alle bereits abgestorbenen Stämme ohne frischen Befall sollten stehen bleiben, mit Ausnahme jener, die an öffentlichen Straßen oder Gebäuden eine Gefahr bilden könnten. Was die Situation verschärft, ist ein mit Schadholz völlig übersättigter Rundholzmarkt mit Tiefstpreisen von nicht selten unter 30 Euro je Festmeter Fichten-Sägeholz und noch weniger für Käfer-Stämme, die ins Industrieholz gehen. De facto lässt sich mit Fichte derzeit kein Gewinn machen, erst recht nicht, wenn sie in Hanglagen technisch aufwendig aufgearbeitet werden muss. Um die ökonomische Problematik etwas zu entschärfen, hat das Land verschiedene Fördermöglichkeiten geschaffen. Ansprechpartner vor Ort sind laut Eckardt die zuständigen Revierleiter.

Rund 10.000 Setzlinge haben Eckardts Leute in diesem Frühjahr gepflanzt, darunter erstmals etwa 300 spezielle Wildkirschen, die in wärmeren Zeiten besser bestehen, allerdings in ihrer Kindheit besonders abhängig von Wasser im Boden sind. Für sie wie für den Wald insgesamt wünscht sich Eckardt derzeit vor allem eines: Regen, so vierzig bis fünfzig Liter je Quadratmeter, verteilt über mehrere Tage, damit sich der Wald regenerieren kann. Und dann gern noch mehr.