Kommunalpolitik

Landkreis-Parteien in der Findungsphase

Saalfeld.  Bislang legt sich nur SPD auf Amtsinhaber Marko Wolfram für Landratswahl fest – Konkurrenz offenbar von frühem Wahltermin überrascht

Das Saalfelder Schloss beherbergt das Landratsamt - und das große Eckzimmer im 2. Obergeschoss, von wo der Landrat über die Kreisverwaltung gebietet.

Das Saalfelder Schloss beherbergt das Landratsamt - und das große Eckzimmer im 2. Obergeschoss, von wo der Landrat über die Kreisverwaltung gebietet.

Foto: Klaus Moritz

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Von der Festlegung des Termins für die Landratswahlen auf den 28. Juni diesen Jahres, der am Donnerstag durch das Landesverwaltungsamt bestätigt worden war, wurden die meisten der im Kreistag vertretenen Parteien und Bündnisse offenbar überrascht. Das legen die Reaktionen nahe, nachdem die OTZ bereits am Montag die jeweiligen Kreisvorsitzenden um Reaktionen auf den Wahltermin gebeten hatte.

Sorge, genügend Wahlhelfer zu finden

So bekannte FDP-Kreischef Lutz Meier in einer lediglich dreizeiligen Mail-Antwort, seine Partei sei noch „in der Findungsphase“. Jörg Reichl, Vorsitzender des Wahlbündnisses Bürger für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (BfL) räumte offen ein, dass man bisher von einem Wahltermin im Herbst ausgegangen sei. Steffen Kania als CDU-Kreisvorsitzender hielt zwar die vom Landratsamt kommunizierten Gründe für den frühen Termin – Vermeidung von Dopplung mit dem Rudolstadt-Festival und von Wahlkampf in den Sommerferien – für nachvollziehbar, gleichwohl solle versucht werden, möglichst viele Wahlen auf einen Tag zu legen. „Wir in den Städten und Gemeinden finden schon jetzt kaum noch freiwillige Wahlhelfer und müssen praktisch das ganze Verwaltungspersonal verpflichten. Dieser Druck muss dringend durch besser abgestimmte Termine gemindert werden“, betonte Kania im Gespräch mit dieser Zeitung. Dem CDU-Kreischef zufolge hatte das Landratsamt in Sachen Wahltermin vorab keine Verständigung mit den Parteien gesucht.

Gleichwohl gab sich Kania gelassen. Man sei in fortgeschrittenen Gesprächen mit denkbaren Kandidaten. „Wir werden einen guten Bewerber finden“, so Kania; „grundsätzlich denkbar“ seien auch Kooperationen mit anderen Parteien. Bis Mitte Februar werde sich der CDU-Kreisvorstand für einen konkreten Vorschlag entschieden haben, über den dann spätestens im März ein Nominierungsparteitag des Kreisverbands entscheiden werde.

Bündnisgrüne verzichten auf eigenen Bewerber

Dass es der Bewerber oder die Bewerberin der Union im Wahlkampf mit dem jetzigen Amtsinhaber Marko Wolfram zu tun bekommen wird, pfiffen die Spatzen schon länger vom Saalfelder Schlossdach. Und so teilte denn auch der Leutenberger Bürgermeister Robert Geheeb kraft seines Amtes als Vize-Kreischef der SPD mit, dass die Sozialdemokraten Wolfram während einer Mitgliederversammlung im Frühjahr für die Wahl aufstellen wollen. Schließlich habe der Landrat viel vorangebracht und werde über die Parteigrenzen hinweg anerkannt und geschätzt, betonte Geheeb. Der derart Gepriesene selbst versicherte via Mail, er sei sehr gern bereit, erneut zu kandidieren. „Es macht mir große Freude, etwas für die Menschen unserer Region zu tun; viele Menschen, die ich treffe, ermuntern mich dazu, weiter zu machen“, teilte Wolfram mit. Und schob gleich mal ein paar Wahlkampf-Stichworte nach: „Mit der begonnen Modernisierung der Kreisverwaltung, des Brand- und Katastrophenschutzes und der Schulen, aber auch den anstehenden großen Investition in den Breitbandausbau, ins Krankenhaus und in die Heidecksburg sowie am Thüringer Meer haben wir Dinge in die Wege geleitet, die jetzt realisiert werden müssen. Dafür will ich mich ins Zeug legen und darauf freue ich mich.“

Während sich alle anderen Parteien derzeit noch die Möglichkeit offenhalten, entweder einen eigenen Kandidaten aufzustellen oder sich hinter einem anderen zu versammeln, haben sich die Bündnisgrünen im Landkreis schon festgelegt: Sie werden „nach jetzigem Kenntnisstand“ keine eigene Bewerberin (oder Bewerber bzw. sich bewerbende Person) aufstellen, teilte Kreisverbands-Sprecher Frank Bock mit. Über die Unterstützung „passender KandidatInnen“ aus anderen Parteien oder Organisationen werde die Mitgliederversammlung entscheiden.

Linke-Kreischef für Wahlbündnis

Auch Rainer Kräuter, Kreisvorsitzender der Linken, machte in seiner Antwort deutlich, einem gemeinsamen Kandidaten mit anderen Parteien nicht abgeneigt zu sein. Zwar sei man „bestrebt“, mit einem eigenen Bewerber im Landkreis ein linkes Wahlangebot zu machen. Kräuter selbst habe in einer ersten Debatte aber darauf hingewiesen, dass bei früheren Kommunalwahlen zuvor verabredete Bündnisse, „auch in großen Teilen erfolgreich“ gewesen seien. Einen Termin für eine Nominierung gebe es aber noch nicht.Ob nun eigener Bewerber oder nicht: Mit finanzieller Wahlkampf-Hilfe der Landesparteien rechnet man im Landkreis wohl eher nicht. Bündnisgrüne, Linke und BfL betonen, vor allem mit eigenen Mitteln auskommen zu müssen, auch die CDU erwartet Landeshilfe vor allem in Gestalt von Gastrednern. SPD-Amtsinhaber Wolfram verweist auf bereits vorliegende „zahlreiche Unterstützungsangebote“ vor allem durch ehrenamtliche Helfer. „Einen Großteil der Kosten des Wahlkampfes trage ich selbst“, schreibt Wolfram.

Und die AfD? Ließ ihre Kreissprecherin Verena Sigmund lediglich mitteilen, die Öffentlichkeit „zu gegebener Zeit“ informieren wollen. Wobei man die Unterstützung für Bewerber anderer Parteien wohl von vornherein ausschließen darf.

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