Lehrermangel im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt gefährdet Stundenplan

Saalfeld/Erfurt.  Landesregierung gibt detaillierten Überblick zur Situation an den Schulen im Landkreis

Stühle stehen auf einer Schulbank in einem leeren Klassenraum. Trotz aller Gegenmaßnahmen von Schulen und Ämtern kommt es wegen fehlender oder erkrankter Lehrer auch im Landkreis zu Stundenausfall.

Stühle stehen auf einer Schulbank in einem leeren Klassenraum. Trotz aller Gegenmaßnahmen von Schulen und Ämtern kommt es wegen fehlender oder erkrankter Lehrer auch im Landkreis zu Stundenausfall.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Langzeiterkrankte Lehrer, nicht besetzte Stellen, verkürzter Unterricht und zusammengelegte Klassen – immer wieder dringen Hinweise auf die angespannte Situation an einzelnen Schulen in die Öffentlichkeit. Nun liegt erstmals seit langem eine Darstellung der Lage im gesamten Landkreis Saalfeld-Rudolstadt vor.

An den 13 Grundschulen des Landkreises ist nach Angaben der Landesregierung derzeit bei insgesamt 88 beschäftigten Lehrerinnen und Lehrern nur eine Stelle unbesetzt. Dies betrifft die Grundschule Lehesten, die Besetzung der Stelle soll zum 1. März 2021 erfolgen. Ein Abgang an der Grundschule Gorndorf zum 31. Dezember 2020 soll mit einer Neueinstellung ausgeglichen werden. Mit der in Frage kommenden Bewerberin stehe das Schulamt in Kontakt, informierte Sozialministerin Heike Werner (Linke) auf eine mündliche Anfrage des Saalfelder CDU-Abgeordneten Maik Kowalleck. Die fehlenden Lehrerwochenstunden von acht Personen, die in Elternzeit, Mutterschutz oder Beschäftigungsverbot aus gesundheitlichen Gründen sind, seien durch Abordnungen weitgehend ausgeglichen worden. Insgesamt gebe es derzeit noch Kürzungen im Umfang von 100 Stunden bei insgesamt rund 4000 Sollstunden. Diese erstrecken sich auf die Grundschulen Lehesten, Dittrichshütte, Uhlstädt, Remda, „Marco Polo“, Gorndorf, Rudolstadt-West, Leutenberg und Könitz. In den Grundschulen Schwarza und Gorndorf wurden jeweils zwei 3. Klassen zu einer Klasse mit 30 Schülern zusammengelegt.

An den Regelschulen im Landkreis sind 103 Lehrerinnen und Lehrer beschäftigt, sieben Stellen sind aktuell nicht besetzt. Laut Bildungsministerium, dessen Informationen Werner vortrug, können drei der offenen Posten zeitnah besetzt werden. Eine Stelle – nach Informationen unserer Zeitung in Kaulsdorf – wird durch eine Lehrerin beziehungsweise einen Lehrer vertreten, die bereits aus dem aktiven Dienst ausgeschieden und nun über das Programm „Grau macht schlau“ beschäftigt sind. Es gibt vier langzeiterkrankte Pädagogen und vier Lehrerinnen, die im Zusammenhang mit der Geburt ihres Kindes nicht im Dienst sind. Es wird mit schulorganisatorischen Maßnahmen entgegengewirkt. Die Schüler der drei ehemaligen 9. Klassen an der Regelschule in Rudolstadt werden in diesem Jahr in zwei 10. Klassen mit insgesamt 56 Schülern unterrichtet. An der Gemeinschaftsschule in Kaulsdorf wurden zwei 10. Klassen zu einer Klasse mit 30 Schülern zusammengelegt.

Lage in Berufsschulen „besonders angespannt“

An den vier Gymnasien im Landkreis sind 186 Lehrer beschäftigt und vier Stellen unbesetzt. Acht Pädagogen sind langzeiterkrankt, 17 Lehrerinnen im Zusammenhang mit der Geburt ihres Kindes nicht im Dienst. Im Bereich Förderschulen seien der Landesregierung derzeit „keine strukturellen Probleme“ bekannt, sagte Werner. „Besonders angespannt“ hingegen sei die Lage am Staatlichen Berufsbildungszentrum des Landkreises, wo sieben Lehrer seit längerem erkrankt oder im Beschäftigungsverbot wegen gesundheitlicher Risiken sind. An der Berufsfachschule Wirtschaft sei deshalb der Unterricht in der Fachpraxis gekürzt und die Gruppenteilung in Absprache mit den betroffenen Lehrern teilweise aufgehoben worden. Dort würden Überstunden anfallen, bestätigte Werner. An der Staatlichen berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales in Saalfeld sei die Situation vergleichbar.

Zur Verbesserung der Lage an den Schulen hätten Landesregierung und Landtag bereits einige Maßnahmen in die Wege geleitet, so etwa die Wiedereinführung der Verbeamtung, die Lehrergewinnungskampagne, die Anhebung der Besoldung der Regelschullehrer, der alsbald die Grundschullehrer folgen sollen, ein Stellenpool für befristete Einstellungen, die verstärkte Einstellung von Seiteneinsteigern.

Kowalleck, der in den letzten Wochen diverse Bildungseinrichtungen im Landkreis besuchte, zeigte sich mit den Antworten der Landesregierung nicht zufrieden. Wenn diese zum Beispiel darauf verweise, dass Lehrer mit großen Klassen durchaus umgehen könnten und die Qualität des Unterrichts insofern keinen Abbruch nehmen würde, dann gehe das für ihn an der Realität vorbei, erklärte Kowalleck. Die Lehrer würden im Rahmen des gemeinsamen Unterrichts und hinsichtlich sozialer Probleme vor Ort am Limit arbeiten. „Seit mehreren Wochen bin ich im Rahmen meiner Schul-Tour unterwegs und weiß um die konkreten Probleme, die offensichtlich noch nicht bei der Landesregierung angekommen sind“, resümierte der Abgeordnete. In einem hoch industrialisierten und reichen Land wie Deutschland müsse Bildung aber oberste Priorität haben.