Meine Meinung: Gelobpreiste Narben

Henry Trefz über Annäherungsweisen an historische Bausubstanz.

Henry Trefz

Henry Trefz

Foto: Alexander Volkmann

Das Schwarzatal hat eine Form von ungewollter Berühmtheit. Liebhaber von verlassenen und dem Verfall preisgegebenen Brachen findet hier reichlich Gelegenheiten. Auch wenn zuletzt mit dem alten Hähnel-Heim eine verschwunden ist, kann man etwas talaufwärts in Richtung Mellenbach noch einige weitere entdecken.

Dass sie noch da sind, liegt meist daran, dass niemand Geld dafür ausgeben wollte, sie abzureißen. Kamen sie – leider selten genug – in Obhut, dann richtig konsequent, wie man am Zirkel in Mellenbach anschauen kann. Erst ganz langsam kommen neue Sichtweisen auf, das Haus Bräutigam in Schwarzburg ist so ein Beispiel.

Doch dass Schloss Schwarzburg keine klassische Restaurierungsperspektive alter Schule hat, sondern zumindest im Inneren des Gebäudes eher eine konservatorische Neuinterpretation einer Tausende Narben tragenden Ruine geplant ist, muss sich erst setzen. Und wenn es die Region akzeptiert hat, braucht es ebenso geschicktes touristisches Marketing.

Das Wort Schloss weckt Erwartungen, zu denen ein Kontrapunkt nötig ist. Und „Fürstliche Erlebniswelten“, obwohl anders gemeint, assoziiert sich mit Outlet-Centern oder Freizeitparks. Der Weg, den die Stiftung einschlägt, ist ehrenwert, realitätsgetrieben und hat sogar eine potenzielle Alleinstellung. Das unbezweifelbare Restrisiko enttäuschter Erwartungen bei Touristen sollte aber auch nicht ignoriert werden.

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