Meine Meinung: Jens Voigt über Hilfen für die Lust am Land

Hengelbach oder Hamburg, Munschwitz oder München? Die Bevölkerungsprognosen sprechen unverhohlen Düsteres.

Hengelbach oder Hamburg, Munschwitz oder München? Die Bevölkerungsprognosen sprechen unverhohlen Düsteres:

Bis 2035, so die jüngste Studie, wird der hiesige Landkreis noch einmal über ein Fünftel seiner Einwohner verlieren, besonders in den Dörfern könnte es sogar ein Drittel werden. Anders herum sollen dann mehr als 80 Prozent der Deutschen in größeren Städten leben.

Die Politik reagiert – spät und schlecht. Mit Bau-Kindergeld, Mietpreisbremse und Brache-vor-Grünland-Gebot; Instrumente, um vor allem das städtische Wuchern erträglich zu halten. Die „Stärkung des ländlichen Raums“ hingegen bleibt eine Floskel für Sonntagsreden.

Was als Strategie verkauft wird, ist bislang kaum mehr als eine Fallsammlung, wo sich Menschen selbst geholfen haben, zuweilen mit ein bisschen Fördergeld. Ob öffentlicher Nahverkehr, Straßen, medizinische Versorgung: Bestenfalls ist in den letzten Jahren auf dem Land der Status quo erhalten worden; oft nicht einmal der.

Umso mehr braucht das Dorf die Macher; Menschen, die nicht zuerst nach Verdienst oder Entschädigung fragen, sondern die Dinge anpacken, Leben und Gemeinschaft in Bewegung halten. Es gibt sie, entgegen allen Nörgeleien und Verunglimpfungen. Wie eben in Röblitz, wo die „Rundlinge“ fröhliche Gemeinschaft und Garten-Lust ermöglichen.

Oder die vielen, die sich schon vor zwei Wochen als Ortsteilbürgermeister wählen ließen und zu denen nun weitere kommen, wenn auch mancher eigentlich nicht ins Amt wollte. Und auch Leute wie die Mühlenfreunde von Dittrichshütte stehen dafür, dass Dorf mehr sein muss als Kulisse für Urlaub auf dem Bauernhof.

Was sie alle verdienen, ist mehr als nur ein Sitzungs- oder Eintrittsgeld, nämlich wirkliche Hilfe durch Politik. Bürokratische Entlastung, zum Beispiel bei Bauvorhaben, wäre schon mal ein Anfang.