Meine Meinung: Neuerung mit Risiko

Jens Voigt über die Idee eines immer offenen Dorfladens.

Porträt Jens Voigt

Porträt Jens Voigt

Foto: Lutz Prager

Ich wohne in einem Dorf, freiwillig. Als sich das Wohngebiet mit Häusern füllte, öffnete eine junge Frau einen Lebensmittelladen. Dass fast alles mehr kostete als in den Supermärkten der Stadt, nahm man hin. Dafür gab’s zum Samstagmorgen frische Brötchen und Eier vom Hof nebenan. Nach ein paar Jahren aber kamen die meisten Leute fast nur wegen Brötchen und Eiern, der Laden musste schließen. Kein Einzelfall.

Insofern ist „Emmas Tag & Nacht Markt“ zwar eine Attacke auf die Rechtschreibung, indes ein cleverer Ansatz. Denn das Konzept kommt mit äußerst geringen Personalkosten aus und verspricht Preise auf Supermarkt-Niveau. Möglich macht das die Technik, die alle Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt.

Der Mensch ist in diesem System nur noch Kunde, Putzkraft oder Regalfüller. Das kann man bedauern, aber akzeptieren, wenn es den Erhalt des neuen Dorfkonsums sichert. Denn der hat das Zeug, zum neuen Treffpunkt zu werden, bringt zur Versorgungssicherheit auch ein Stück mehr Lebensqualität.

Ein halbes Dutzend Orte in der Region hat laut dem Erfinder Interesse an einem Immer-auf-Laden, darunter auch zwei, in deren Nachbarorten es genossenschaftliche Minimärkte gibt. Kämen die wegen der neuen Konkurrenz ins Schlingern, wäre dieser Laden-Fortschritt kein Gewinn.

Drognitz plant Dorfkonsum ohne Schließzeiten