Meinung: Besser online als abgehängt

Jens Voigt über den Thüringer-Wald-Shop

Jens Voigt, Lokalreporter Saalfeld

Jens Voigt, Lokalreporter Saalfeld

Foto: Lutz Prager

Wieder so ein Strohfeuer, genährt aus Steuerzahler-Groschen. So meine erste Reaktion auf die Nachricht vom Thüringer-Wald-Shop. Ich habe schon ähnliche Versuche anderswo erlebt – alle längst wieder offline nach Versiegen der Förder-Schmierung.

Zudem: Beklagen denn nicht längst Politiker und Verbraucher das Sterben des Einzelhandels, die stetig wachsende Flut der Warenpakete von Amazon und Konsorten, die rund um die Uhr nervenden Kurierdienste, am Steuer oft die Sklaven der Schein-Selbständigkeit?

Andererseits: Der Wald-Shop will anders sein. Auslieferung per DHL, wenn’s denn sein muss, ansonsten bevorzugt über regionale Strukturen, die es schon gibt und ohne ein Plus an Fahrkilometern – das klingt sympathisch. Und die Idee dahinter, einen regionalen Tante-Emma-Laden auch in Dörfern ohne Einzelhandel zu offerieren, ebenso.

Außerdem gibt es im Wald-Shop ja nicht nur Wurst, Käse und anderes Verzehrgut, sondern auch Handwerkliches, Angebote zum Entspannen auf dem Land, die Thüringer-Wald-Card als Einladung, sich als Gast oder Einheimischer in der Region zu tummeln. Sich dem Online-Geschäft nicht verschließen, ohne dessen Auswüchse noch zu befördern und trotzdem heimatbodenständig bleiben – das ist eine zumindest interessante Kombination. Und das bissel Steuergeld eher wert als den nächsten Pakete-Riesen ans Erfurter Kreuz zu locken.

Thüringer Wald zum Nachschmecken

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