Pagenhäuser jetzt mit Blick auf Terrassengarten

Rudolstadt.  Ein weiterer Bauabschnitt ist an den Pagenhäusern im Herzen Rudolstadts abgeschlossen worden.

Jörg und Ulrike Brauer auf der neu gestalteten Terrasse mit Weinberg hinter den Pagenhäusern am Schlossberg in Rudolstadt.

Jörg und Ulrike Brauer auf der neu gestalteten Terrasse mit Weinberg hinter den Pagenhäusern am Schlossberg in Rudolstadt.

Foto: Foto: Heike Enzian

Lange Zeit war er verborgen hinter Jahrhunderte alten Ablagerungen und Überwachsungen. Und damit irgendwie auch aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Doch jetzt ist mitten im Herzen Rudolstadts direkt unter der Schlossmauer wieder ein Stück Stadtgeschichte erlebbar.

Hinter den Pagenhäusern am Schlossaufgang 4 findet man einen historischen Terrassengarten mit Weinberg. Es ist der Abschluss eines mutigen wie abenteuerlichen Sanierungsvorhabens, in das sich Familie Brauer vor einigen Jahren gestürzt hat. Sozusagen das I-Tüpfelchen.

Die Pagenhäuser, einst das Zuhause von Hofbediensteten und mit einem Ursprung zurück bis in das 16. Jahrhundert, hatten viele bereits abgeschrieben. Abbruchreif, so das Urteil. Nicht so für Brauers. Sie sahen hinter morschen Balken und bröckelnden Wänden ein Kleinod, das es zu erhalten gilt.

Corona-Krise sorgt für unfreiwillige Pause

Behutsam machten sie sich an die Sanierung. Historische Materialien fanden Verwendung, Dielen, Fenster, Türen wurden aufgearbeitet. 2017 präsentierten sie den Rudolstädtern das Ergebnis und ernteten dafür allerseits Lob.

Davon beflügelt machten sie sich an Teil zwei des Vorhabens. Im Nachbarhaus entstand ein Ferienquartier für bis zu sechs Personen. Eingerichtet im Biedermeisterstil mit Kunst und Antiquitäten sowie ganz viel Rudolstadt-Ambiente, angefangen vom Porzellan in den Vitrinen bis zu den Bildern an den Wänden. Seit 2018 empfangen Brauers hier Gäste.

Gerade nahm die Nachfrage richtig Fahrt auf, da bremste Corona die Vermietung wieder aus. „Aber wir sind zuversichtlich, dass wir wieder ins Geschäft kommen“, so Jörg Brauer. Erst recht, da die Gäste jetzt vom Frühstücksplatz den Blick auf den neu gestalteten Terrassengarten mit dem Weinberg genießen können.

Alle Steine per Hand gesetzt

Die Wiederherstellung desselben stellte die Bauherren vor eine besondere Herausforderung. Es gibt keine direkte Zuwegung zu dem Gelände. Baufahrzeuge konnten also nicht zum Einsatz kommen. Alle Arbeiten mussten händisch passieren.

„Es war schwierig, überhaupt eine Firma dafür zu finden“, sagt Ulrike Brauer. Um so mehr sind sie dankbar, mit der Baukoordinierung Joachim Fiur aus Süßenborn bei Weimar die richtigen Fachleute gefunden zu haben. Die Investition allein für die Terrasse reicht heran an eine sechsstellige Summe. Darin enthalten sind Fördermittel aus dem Städtebau-Förderprogramm. Zweieinhalb Monate dauerten die Arbeiten, vonstatten gegangen in dem zurückliegenden milden Winter.

Mehr als 50 Tonnen Oberflächenmaterial mussten entfernt werden, um die historische Terrassenstruktur wieder ans Licht zu befördern. Dabei kam auch eine historische Treppe zum Vorschein, die wieder verwendet wurde. Vorhandene Sandsteine wurden für die Mauern verbaut und mit historischen Materialien ergänzt. Hinter dem Sandstein befindet sich eine Betonhinterfüllung, die dem Ganzen Halt gibt.

Im März waren die Arbeiten abgeschossen. „Es sieht aus wie ein bisschen aus der Zeit gefallen“, resümiert Jörg Brauer beim Blick über die Sandsteinmauern und –treppen. Das Ergebnis selbst in Augenschein nehmen konnten bisher nur sehr wenige.

Das soll sich jetzt ändern. Am Himmelfahrtstag laden Brauers zu einem Tag der offenen Tür ein und freuen sich auf Besucher. Führungen durch das Haus sind aufgrund der aktuellen Corona-Situation nicht möglich, aber ein Treffen im Freien mit einem Blick auf die neue Terrasse schon. Auch ein kleiner Markt mit historischen Pflanz- und Vorrats-Töpferwaren ist vorbereitet.

Pagenhäuser Schloßaufgang 4, geöffnet am 21. Mai ab 10 Uhr.