Bilanz

Pilzjahr 2019 war extrem in vielerlei Hinsicht

Saalfeld.  Pilzsachverständige des Landkreises ziehen Bilanz: Nach langer Trockenheit Wachstums-Explosion im Herbst

Dank herbstlicher Pilzschwemme hatten die Sachverständigen bei ihrer jährlichen Kreis-Pilzausstellung in Hoheneiche nicht nur große, sondern auch zahlreiche verschiedene Exemplare zu präsentieren.

Dank herbstlicher Pilzschwemme hatten die Sachverständigen bei ihrer jährlichen Kreis-Pilzausstellung in Hoheneiche nicht nur große, sondern auch zahlreiche verschiedene Exemplare zu präsentieren.

Foto: Martin Modes/ Landratsamt

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„Die Pilzsaison des Jahres 2019 war sowohl äußerst ungewöhnlich als auch extrem in mehrfacher Hinsicht“, stellt der Kreisbeauftragte der Pilzsachverständigen des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt Bernd Rudolph in seiner Jahresbilanz fest. „Nur selten haben wir als regionale Pilzberater und die vielen Sucher in den vergangen Jahrzehnten solch ein Pilzjahr erlebt.“

4400 Pilzarten in Thüringen nachgewiesen

Dabei weist er auf den Pilzreichtum in Thüringen hin: „Nach aktuellen Kartierungsergebnissen beträgt die Gesamtzahl der bisher in Thüringen nachgewiesenen Pilzarten 4400. Das sind erfreulicherweise sehr viele, wenn man bedenkt, dass die Gesamtzahl in Europa auf rund 6000 geschätzt wird.“ Lange Zeit verlief das Pilzjahr 2019 aufgrund der mangelnden Niederschläge sehr enttäuschend. Doch im Herbst konnten die Pilzsammler plötzlich eine wahre Explosion des Pilzwachstums mitverfolgen, die auch noch sehr lang anhielt. Unter den in Massen vorkommenden typischen Spätherbstpilzen, die allerdings nicht zum Verzehr geeignet sind, konnte selbst in den letzten Novembertagen noch zahlreiche essbare Arten gefunden werden, berichtet Rudolph.

Es gab über sechs Wochen hinweg ein überaus reiches Pilzwachstum, wie seit Jahren nicht mehr in unserer Region, sodass alle Liebhaber von Waldpilzen auf ihre Kosten gekommen sind. Nachdem niemand nach der extremen Trockenheit damit rechnete, waren alle überrascht und erfreut, dass der erste ergiebigere Regen Anfang September die Pilze in Hülle und Fülle sprießen ließ. Somit stieg natürlich auch die Bedeutung der Pilzberater für die begeisterten Sammler und in kürzester Zeit waren die vielen Ortsbeauftragten der Pilzberatungsstellen direkt gefragt – die mit Claudia Hämmerling und Sandra Haueisen zwei weitere Mitstreiterinnen zur Verstärkung erhielten.

Zahl der Bestimmungen gestiegen, aber noch unter Durchschnitt

Insgesamt hatten die Pilzsachverständigen innerhalb kürzester Zeit mehr Beratungen als im gesamten Jahr 2018. „Da fällt die diesjährige Bilanz mit 706 Beratungen und 1355 Bestimmungen bedeutend besser aus als im Vorjahr“, berichtet Rudolph. Doch im Vergleich zu zahlreichen anderen Pilzjahren lag auch dieses Jahr wieder unter dem Durchschnitt. Nichtsdestotrotz gab es neben dieser positiven Bilanz wieder bedenkliche Tatsachen, die allen Pilzberatern große Sorgen bereitet haben – das sind vor allem drei Pilzvergiftungen mit vier erkrankten Erwachsenen und drei Vergiftungsverdachtsfälle bei Kindern. Glücklicherweise gab es diesmal keine schweren Vergiftungen, sind die Pilzberater erleichtert. Doch trotz aller Warnungen und Aufklärungstätigkeiten häufen sich solche Fälle immer mehr. „Immerhin konnten wir viele Pilzsammler durch unsere Beratungstätigkeit vor ernsteren Schäden bewahren. Das zeigt einmal mehr die große Bedeutung der Pilzaufklärung für die Gesundheitsfürsorge. Wir wünschen uns für die nächste Pilzsaison, dass die Pilzsucher sich deutlich verantwortungsvoller verhalten“, appelliert Bernd Rudolph.

Intensive Bildungsarbeit und Aufklärung geleistet

Um auch in den kommenden Pilzjahren wieder viele Menschen vor Schäden zu bewahren, waren die Pilzberater des Landkreises auf unterschiedlichste Weise in der Bildungsarbeit tätig. In Vorträgen informierte Sven Heinz die Mitglieder des Thüringer Wald-Vereins in Schmiedefeld ebenso wie in Neuhaus die Zuhörer des VdK Thüringen. Barbara Nikelski leitete den Kurs „Sicherheit im Bestimmen von Pilzen“, bisher mit sechs Terminen, der 2020 weitergeführt werden soll. In Pilzwanderungen und Exkursionen mit Barbara Nikelski, Ursel Scholz, Peter Jahn oder Bernd Rudolph wurden die Gebiete Remda/Tännich, Wittmannsgereuth, Garsitz, Meura, Hildburghausen und Moxa als Pilzregionen erkundet.

In regelmäßigen Ausstellungen präsentieren die Pilzprofis ihre eigenen Funde ebenso wie die von anderen Pilzsammlern. Dazu gehörte die Teilnahme am Wald- und Wiesenfest in Leutenberg oder beim Kräuterfest in Deesbach. Den größten Erfolg feierten die Pilzsachverständigen in Schwarza, wo sich an einem Tag rund 400 Besucher über 250 verschiedene Pilzarten informierten.

Eine Besonderheit ist die bei Dieter Lang ansässige Dauerausstellung in der Talmühle Wickersdorf. Auch die Schulen profitieren von der Zusammenarbeit mit den Pilzkundigen – wie die Schüler der 6. Klassen des Erasmus-Reinhold-Gymnasiums Saalfeld, die zusammen mit Bernd Rudolph zur Pilzwanderung im Stadtwald unterwegs waren. Erfreulich war die Resonanz in den Medien – und ein vergnüglicher Höhepunkt die Mitwirkung bei Steffen Menschings „MMM Heiteres Beruferaten“ im Theater Rudolstadt.

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