Entlassungen und Umstrukturierungen: Autohaus Rinnetal kämpft mit Folgen des Mobilitätswandels

Rudolstadt  Pleite, Übernahme, Verkauf – es sind Aussagen, mit denen man sich aktuell im Rudolstädter Autohaus Rinnetal konfrontiert sieht. „Da ist absolut nichts dran“, reagiert Geschäftsführer Nico Franke auf Gerüchte.

Nico Franke, Geschäftsführer des Autohauses Rinnetal vor dem Firmensitz in der Breitscheidstraße.

Nico Franke, Geschäftsführer des Autohauses Rinnetal vor dem Firmensitz in der Breitscheidstraße.

Foto: Heike Enzian

„Wir sind weiter am Markt. Fakt ist aber, dass wir aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage unsere Geschäftsmodelle anpassen müssen“. Ein Prozess, der nicht ohne schmerzliche Einschnitte bleibt, vor allem beim Personal. 15 Mitarbeitern wurde die Kündigung ausgesprochen. Darunter sind auch fünf Beschäftige der Volkskantina, die bis zuletzt vom Autohaus betrieben wurde. Davon hat man sich getrennt.

„Wir sind froh, hier mit dem DRK-Kreisverband einen neuen Träger gefunden zu haben“, so der Geschäftsführer. Den Mitarbeitern wurde die Übernahme angeboten. Auch im Unternehmen selbst wurden Abteilungen zusammengelegt und die Strukturen verändert. Oder ausgelagert, so wie die Buchhaltung. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 90 Mitarbeiter.

Elektroautos brauchen keinen Ölwechsel

Was aber sind die Gründe für diese Situation? „Wir werden in diesem Jahr 30 Jahre, haben in der Vergangenheit alle Krisen und Unbilden überstanden, sind stetig gewachsen. Seit dem Jahr 2015 mit dem Abgasskandal hatten wir praktisch kein normales Geschäftsjahr mehr. Das ist mit tiefgreifenden Veränderungen für die Händler verbunden“, so der Nico Franke. Dazu kommt die Mobilitätswende, die viel mehr einschließt als den Antrieb eines Fahrzeuges. „Elektroautos brauchen keinen Ölwechsel, weniger Instandsetzung“, so der Autohaus-Chef. Service und Instandsetzung sind aber ein wichtiges Standbein.

Doch auch darüber hinaus ist die Branche in einem extremen Wandel. Viele junge Menschen haben ohnehin einen anderen Bezug zum Thema Auto. „Und Corona macht es nicht einfacher. Diejenigen, die früher viel gefahren sind, Außendienstmitarbeiter oder Vertreter, arbeiten jetzt häufig im Homeoffice. Auch das macht sich bemerkbar. Dazu kommt die Verunsicherung bei vielen Kunden.

Damals schon im ersten Lockdown, jetzt teilweise wieder. Da hört man öfter am Telefon: Lassen Sie uns den Termin verschieben. Und auch Kurzarbeit oder gar Schließungen wie im Handel oder der Gastronomie spüren wir. Die Folgen sind Auftrags- und somit Umsatzrückgänge“, erklärt er, wie sich die Situation darstellt.

„Darauf reagieren wir, bauen den Service aus, sind mit unseren Angeboten online präsent, sprechen unsere Kunden so an, wie sie es wünschen. Das alles bringt Veränderungen für unsere Geschäftsmodelle mit sich, auf die wir reagieren. Einige Aufgabenfelder fallen weg, andere kommen dazu.“ Eine Reaktion auf die jetzige Situation ist eine Reduzierung der Öffnungszeiten auf nun 7 bis 19 Uhr.

Grundsätzlich, so Nico Franke, hält das Autohaus an seinem Produktportfolio fest. „Uns wird es auch in Zukunft geben“, macht er deutlich. Auch in Richtung zahlreicher Partner, Vereine und Einrichtungen, die von dem Unternehmen seit Jahren unterstützt worden sind. Wenn es die Umstände erlauben, soll auch das 30-jährige Bestehen gefeiert werden.

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