Rudolstadt: Kunststoffgranulat als zweites Standbein

Rudolstadt.  Firma STFG Filamente Rudolstadt nimmt neue Compoundierung in Betrieb.

Diese moderne Anlage zur Herstellung von technischen Kunststoffgranulaten ist in der Firma STFG Filamente im Industriegebiet Schwarza in Betrieb genommen worden.

Diese moderne Anlage zur Herstellung von technischen Kunststoffgranulaten ist in der Firma STFG Filamente im Industriegebiet Schwarza in Betrieb genommen worden.

Foto: Foto: Heike Enzian

Spritzgussgranulat made in Rudolstadt liefert jetzt ganz neu die Firma STFG Filamente GmbH in Rudolstadt-Schwarza. Mitte September wurde im Industriegebiet eine hochmoderne Compoundierung, eine Anlage zur Herstellung von technischen Kunststoffgranulaten, eingeweiht. Damit setzt die Firma neben dem traditionellen Spinnfasergeschäft nun zusätzlich auch auf die Herstellung von Kunststoffprodukten auf der Basis von Polyamid. Für das Mutterunternehmen Kuibyshev Azot mit Sitz im russischen Togliatti ist es die erste Anlage dieser Art in Mitteleuropa.

„Um unsere Präsenz in Westeuropa auszubauen, haben wir in dieser Region weiter in die Wertschöpfungskette von Polyamid 6 investiert. Der Standort ist ideal gelegen als Produktionsdrehscheibe zur Bedienung west- und osteuropäischer Märkte und ermöglicht erhebliche Synergieeffekte zwischen der traditionellen Spinnfaserherstellung und der Herstellung von Kunststoffgranulat“, heißt es in einer Mitteilung des Mutterkonzerns.

Jahreskapazität von 12.000 Tonnen

Die hochmoderne Extrusionsanlage, geliefert von der Firma Krauss Maffei Extrusion GmbH, hat eine Kapazität von 12.000 Tonnen pro Jahr. Bestandteil der Anlage ist eine robotergestützte vollautomatische Verpackungsanlage. Die Investitionssumme beträgt rund 3,5 Millionen Euro.

Das in Schwarza hergestellte Granulat dient als Ausgangsstoff für die Herstellung verschiedenster Kunststoffteile unter anderem für die Automobil- oder Möbelindustrie, für die Elektroindustrie, in Sport- und Haushaltsgeräten sowie in vielfältigen anderen Anwendungen der Industrie und des täglichen Lebens. Die produzierten Kunststoffgranulate werden mit Zusatzstoffen wie beispielsweise Glasfaseranteilen und anderen speziellen Additiven versehen. Damit erhalten sie neue herausragende Eigenschaften wie hohe mechanische Festigkeit, thermische Stabilität, gute elektrische Isolationseigenschaften und Chemikalienbeständigkeit. Technische Spritzgussgranulate auf Polyamid-6-Basis seien in fast allen Kunststoffanwendungen unentbehrlich geworden, heißt es.

„Der Markt im Garnbereich ist eine große Herausforderung und mit einem hohen Wettbewerbsdruck verbunden. Allein damit ist es für unser Unternehmen schwierig, den Weg in die Zukunft zu gestalten“, so der für Rudolstadt zuständige Betriebsleiter Ingolf Boer. „Die STFG wird damit ihre Bedeutung innerhalb der Kuazot-Gruppe als erster und bisher einziger Standort in der EU weiter ausbauen.“ Die Voraussetzungen dafür waren gegeben. Infrastruktur, Ressourcen und fachkompetentes Personal waren vorhanden, Produktionsgebäude und Lagerkapazitäten ebenso. Um so ausschlaggebender ist jetzt diese strategische Entscheidung. „Mit der Investition erhält die STFG, neben dem traditionellen Garngeschäft, ein weiteres Standbein zur langfristigen Stabilisierung des Standortes Rudolstadt“, heißt es.

2017 hatte der Mutterkonzern Kuibyshev Azot noch gemeinsam mit dem Management und der Belegschaft um die Sicherung des Standortes gerungen. „Die STFG-Belegschaft ist erleichtert und erfreut, dass trotz der zurückliegenden schwierigen Strukturmaßnahmen, eine Investition über mehrere Millionen am Standort möglich geworden ist“, so der Betriebsleiter, der im Namen des Managements und der Geschäftsführung ausdrücklich den Dank an alle Beteiligten richtet, die diese Investition begleitet und unterstützt haben. Die abschließende Entscheidung dazu fiel Anfang 2019. Parallel zum Aufbau der Anlage erfolgte eine intensive Qualifizierung von STFG-Mitarbeitern durch den Anlagenlieferanten und mit nachbarschaftlicher Unterstützung des TITK.

Neue Strategie mit Eco-Line

Seit einigen Tagen ist die neue Anlage jetzt in Betrieb. „Wir befinden uns praktisch in der Endphase einer Reihe von Testläufen unter Produktionsbedingungen“, informiert der Firmenleiter. Inzwischen wurde ein neues Labor in Betrieb genommen und ein umfangreiches Prüfsystem aufgebaut. Zunächst wird im Ein-Schicht-System gearbeitet, ab 2021 ist die schrittweise Steigerung bis auf die Höchstkapazität von 12.000 Tonnen pro Jahr vorgesehen. Dann wird sich auch die Zahl der Mitarbeiter weiter erhöhen. „Diese Investition ist ein klares Bekenntnis, dass seitens des Mutterkonzerns langfristig an der Sicherung und dem Ausbau dieses Standort festgehalten wird“, bekräftigt Ingolf Boer.

Um die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft zu unterstützen, verfolgt der russische Eigentümer mit neuen Produkten der Eco-Linie eine Strategie zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs. So werden die Faserabfälle aus der Garnherstellung in Schwarza und den Schwesterbetrieben in Russland auch für die neue Granulatproduktion genutzt, was den Trend für mehr umweltschonende Produkte unterstützt.