Schaderthal: Walderhalt funktioniert nicht als Liebhaberei

Schaderthal.  Michael Oberndorfner bewirtschaftet Wald bei Schaderthal und fordert dringend Änderungen für kleine Waldbesitzer.

Michael Oberndorfer rückt mit der Handsappie frisch gesägte Abschnitte einer vom Borkenkäfer befallenen Fichte, um sie als Brennholz zu verladen. Der aus Oberbayern stammende Hobby-Forstwirt fordert mehr staatliche Unterstützung für die privaten Waldbesitzer und eine Entbürokratisierung der Förderprogramme.

Michael Oberndorfer rückt mit der Handsappie frisch gesägte Abschnitte einer vom Borkenkäfer befallenen Fichte, um sie als Brennholz zu verladen. Der aus Oberbayern stammende Hobby-Forstwirt fordert mehr staatliche Unterstützung für die privaten Waldbesitzer und eine Entbürokratisierung der Förderprogramme.

Foto: Jens Voigt

Außerordentliche Lagen erfordern außergewöhnliche Lösungen, findet Michael Oberndorfner. Das jedenfalls ist seine Erfahrung, dereinst als Bundeswehroffizier, später als Wehrtechnik-Berater, inzwischen als Rentner mit Leidenschaft für Jagd und Forst. Dem Wald und den Waldbesitzern geht es schlecht. Zu schlecht, um nur irgendwie so weiterzumachen wie bisher.

Plong! Oberndorfner schlägt am Ortsausgang von Schaderthal das Handsappie ins gestapelte Fichtenholz. Den etwa 60-jährigen Baum hat er im vorigen Jahr schon fällen müssen, drüben in seinem Revier bei Orlamünde, er hat ihn abgeschält, in Meterstücke zerteilt. „Eigentlich noch sehr gutes Holz“, sagt Oberndorfner. Nur an der Oberfläche sind Fraßgänge der Käfer zu sehen, im Inneren ist der Stamm fest und makellos.

Aber das hilft ja nicht. Der Preis für Fichtenholz ist im Keller, für Käferholz erst recht, im Massenmarkt gibt’s weniger als Fällen und Aufbereitung kosten. „Es fehlt ein fairer Markt in der Region, wo man als kleinerer Waldbesitzer sein selbst geschlagenes Holz direkt an den Kunden bringen kann“, hat Oberndorfner festgestellt. Er könnte sich ein Online-Portal vorstellen, wo Waldbesitzer ihr Angebot samt Preiswunsch einstellen, Lieferung oder Abholung im Dialog mit Käufern regeln.

Dies ist noch einer der simpleren Punkte in dem Forderungskatalog, den Oberndorfner mit anderen Waldbesitzern aus der Region besprochen und in einem Brief an Thüringens Forstminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) zusammengefasst hat, den bereits rund 40 weitere Waldeigentümer mit ihrer Unterschrift bekräftigen. „Wir sind an einem Punkt, wo die bisherigen Regeln einfach nicht mehr funktionieren“, findet der 63-Jährige. Klimawandel mit Hitzewellen und Dauer-Trockenheit, dazu Borkenkäfer und andere Plagen erfordern einen Waldumbau, der sich Jahrzehnte hinziehen wird.

Fehlender Gewinn bedroht Steuervorteile

Gleichwohl bräuchten die Bäume bis dahin Betreuung und Pflege, müssten Wildschäden verhindert, Schädlinge eingedämmt und befallene Bäume entfernt werden. Dies koste Zeit und Geld für die Waldbesitzer, die indes mit den absehbar dauerhaft niedrigen Holzpreisen keinen Gewinn mehr erzielen könnten, sondern trotz der aktuellen Sonderförderung des Landes noch Verluste einfahren.

Also gehört die Besteuerung der Kleinunternehmen im Privatwald verändert, folgert Oberndorfner. Und meint damit vor allem den steuerlichen Tatbestand der „Liebhaberei“, also die Einschätzung, dass eine private Waldbewirtschaftung dauerhaft keinen Ertrag bringt und so quasi als Hobby zu betrachten ist. „Für den Nebenerwerbs-Waldbewirtschafter, was ja die meisten sind, hieße das, die Verluste im Wald nicht mehr steuermindernd auf das sonstige Einkommen anrechnen zu können“, erläutert Oberndorfer. Ohne diese Verrechnung aber bedeute Waldwirtschaft praktisch Vermögensverzehr. „Dann geben die Leute lieber ihren Wald auf“, hat er beobachtet.

Nötig sei also die Berücksichtigung der Bewirtschaftungskosten auch ohne Gewinn aus dem Holzverkauf. Zudem könnte sich der Teilzeit-Thüringer analog zur Kulturlandschafts-Pflegeprämie für Landwirte ein Waldpflegegeld für die Eigentümer vorstellen.

Nachhaltiger Waldumbau heißt für Oberndorfner aber auch, dass in Thüringens Forsten künftig auf jegliche Schädlingsbekämpfung per chemischer Keule verzichtet wird. „Pestizide und Herbizide lassen sich nicht auf ein nur schmales Anwendungsspektrum hin entwickeln und stellen eine breitere Gefahr für Lebewesen und den Menschen dar.“ Als ein Beispiel verweist er auf die begifteten Netze, die derzeit von Thüringenforst zum Abdecken von gelagertem Käferholz verwendet und auch den Privaten empfohlen würden. „Laut Anleitung soll man mit den Netzen quasi nur unter Vollschutz hantieren – und so etwas soll wirklich nur Borkenkäfer töten?“

Selbst ein so konservativ regiertes Land wie Bayern habe inzwischen Pflanzengifte aus dem Wald verbannt und vertraue auf sanftere Mittel. So könnten zum Beispiel Holzpolter auch mit Borkenkäferfallen sicher geschützt werden.

Neuorganisation der Fördermaßnahmen nötig

Thüringenforst biete zwar etliche Fördermaßnahmen zur Unterstützung der Privaten an, allerdings seien sie unübersichtlich strukturiert, in sich nicht schlüssig und viel zu aufwendig für die Betroffenen. Die Förderung setze fast nur auf die Umsetzung durch Forstbetriebe, kaum jedoch durch Eigenleistung.

Oberndorfer plädiert für mehr aktive Beratung von Thüringenforst auch für jene Waldbesitzer, die in Forstbetriebsgemeinschaften organisiert sind. Nicht selten, so der 63-Jährige, habe er den Eindruck, dass sich Thüringenforst vor allem in der Rolle des Lehrenden gegenüber den Privaten sehe.

Ein Beispiel: Nach Meinung der freistaatlichen Förster taugen Lockstoff-Fallen nicht für eine wirkliche Bekämpfung von Borkenkäfern. Oberndorfner und seine Nachbarn haben trotzdem 24 Fallen aufgestellt und damit in diesem Jahr rund eine Million Käfer gestoppt. Wie viele Fichten sie damit gerettet haben? „Keine Ahnung“, sagt der sportlich wirkende Jungrentner, „aber ohne Fallen wären es bestimmt weniger.“

Wer den Forderungskatalog von Michael Oberndorfner unterstützen will, kann eine Mail mit Name und Anschrift senden an Zukunft-Wald@t-online.de