Schwarzatal: Gastronomie im Sinkflug

Schwarzatal.  Auch wenn es einige Leuchttürme gibt: Mit der immer länger dauernden Schließzeit an Traditionsstandorten verfestigt sich dort die Krise

Großartig sind die Aussichten - wie hier vom Barigauer Turm - allemal. Doch geschäftlich sieht die Lage gleich ganz anders aus.

Großartig sind die Aussichten - wie hier vom Barigauer Turm - allemal. Doch geschäftlich sieht die Lage gleich ganz anders aus.

Foto: Henry Trefz

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Wochenende? Ausflug? Urlaub? Wer nicht hinter dem Ofen hocken bleiben will, der nimmt sich etwas vor. Der Möglichkeiten, seine Zeit mit allerlei Erbauung, sei es naturnah, sportlich, kulturell oder attraktionsorientiert, gibt es eine Reihe. Doch ist der Mensch so beschaffen, dass er irgendwann Hunger und Durst hat. Die einen packen Proviant in den Rucksack, die anderen freuen sich, das Kochen mal anderen überlassen zu können und planen das Auswärtsessen ein. Könnte man dies noch als freie Entscheidung interpretieren, so ist es besonders in der Fremdenverkehrsregion Schwarzatal zunehmend eine Frage der Notwendigkeit.

Zufriedene, aber oft hungrig bleibende Besucher im Schwarzatal

Touristiker können ein Lied davon singen, dass die Besucher voller Überschwang von der Natur berichten und fast ebenso oft zufrieden mit der kulturellen Einrichtung sind, die sich gerade besuchen. Das große Magenknurren aber setzt ein, wenn die Rede auf die Einkehr kommt. Die Ernüchterung beruht auf einem komplizierten Missverständnis: Wer das Schwarzatal für eine Touristengegend hält, der fragt zwar nach Sehenswürdigkeiten und Wandertipps, geht aber wie selbstverständlich davon aus, dass es ein nach Menge und Qualität reichhaltiges gastronomisches Angebot gibt. Eine Enttäuschung mit Ansage.

An diese Stelle gehört eine Ehrenrettung: Natürlich gibt es Gastronomen in der Gegend. Und auch wenn die Frage heikel ist, sieht man doch über kurz oder lang an der Dauerhaftigkeit einer Bewirtung, dass sie erfolgreich ist. Und jene, die überleben, könnten eigentlich froh sein, dass wenig Konkurrenz ihr Geschäft erleichtert. Doch oft hört man das Gegenteil. Wenn ein Koch aus Leidenschaft wie etwa Fröbelturmwirt Ronny Nöller hinter vorgehaltener Hand das Ende der Feiertage herbei sehnte, weil er sich und seinen Mitarbeitern dann endlich wieder eine Fünf-Tage-Woche garantieren kann, wirft es ein Schlaglicht auf die doppelte Krise der Branche. Und zeigt, dass der Bedarf an Gastronomie da ist. Und doch fehlt es an Gastronomen.

Selbst Traditionsstandorte finden keine Wirtsleute mehr

Und dabei geht es nicht etwa um die Wiederkehr einer Gaststättendichte aus den Zeiten gewerkschaftlich durchorganisierter Urlauberströme.

Nein, es sind die wenigen noch verbliebenen Hotspots, die schließen. Mögen sich manch nötige Renovierungen noch mit einer Bewirtungspause in eine zeitliche Übereinstimmung bringen lassen, wie das etwa am Barigauer Turm bei Königsee der Fall ist, so sind die Reparaturarbeiten etwa an der Meuselbacher Kuppe schon längst erledigt, an eine neue Verpachtung ist auch nach über einem Jahr Zwangspause weiter nicht zu denken, eine Wochenendöffnung im Sommer blieb die berühmte Schwalbe...

Die Schweizerhütte zwischen Bad Blankenburg und Schwarzburg, mit Parkplatz optimal an der Straße gelegen, teilt das gleiche Schicksal. Wie man den Umstand bewerten soll, dass seit Mitte November auch das Verkaufsinserat in einem bekannten Immobilienportal offline ist, bleibt ungewiss.

Man könnte auf Probleme mit alter Bausubstanz verweisen. Doch selbst ein quasi kompletter Neubau, wie die Hülle der neuen Gaststätte auf der Schwarzburger Schlossterrasse, kommt nicht in die Gänge, weil kein Gastwirt da ist, der das Risiko eingeht.

Und auch dann, wenn es Nachwuchs mit Mut gibt, endet der Neustart nicht selten nach wenigen Monaten sang- und klanglos, wie das nach Neustart im April schon im August wieder beendete Experiment im Steakhaus Oberweißbach belegt.

Das eigentlich Deprimierende aber: Wer nun den vermeintlich cleveren Rat ausgibt, sich bei einem Ausflug ins Schwarzatal einfach ausreichend mit Proviant auszustatten, dass kein Gaststättenmangel ihm etwas anhaben kann, verfestigt so nur das Aussterben der Spezies Laufkundschaft als Umsatzhelfer.

Bewohner und Besucher im Schwarzatal müssten sich also ernsthaft Gedanken machen, welche Gastronomie sie aktiv unterstützen möchten. Sonst könnte dieses Jahrzehnt das letzte sein, in dem es wenigstens noch ein paar Perlen gegeben hat.

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