Schwarzatalhospiz: Von Zeit-Schenkern und Spenden-Läufern

Katzhütte.  Die Palliativeinrichtung in Katzhütte hat seit der Eröffnung um Juli 2019 einen beeindruckenden Start hingelegt.

Die 95-jährige Johanna Korth aus Katzhütte lebt zurzeit im Schwarzatalhospiz. Sie schaut sich zusammen mit Pflegerin Anna-Lena Lau aus dem Saalfelder Ortsteil Witzendorf Bilder auf dem vergangenen Jahr im Hospiz an

Die 95-jährige Johanna Korth aus Katzhütte lebt zurzeit im Schwarzatalhospiz. Sie schaut sich zusammen mit Pflegerin Anna-Lena Lau aus dem Saalfelder Ortsteil Witzendorf Bilder auf dem vergangenen Jahr im Hospiz an

Foto: Henry Trefz

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„Keiner aus unserem Team hatte vorher Hospizerfahrung und wir sind alle weiterhin mit viel Herzblut bei der Sache.“ Diesen Satz sagt Hospizleiterin Evi Müller zur Begrüßung und wirkt dabei von Elan erfüllt wie eh’ und je. Und stellt an den Anfang ihrer Bilanz des fast vollendeten Premierenhalbjahres nach der Eröffnung im Juli 2019 einen Dank: „Wir fühlen uns angekommen und angenommen zugleich“. Evi Müller meint die Hunderte Einzelspender und natürlich die Geber größerer Summen, die dazu beitragen, dass die vom Gesetzgeber bewusst gewollte Finanzierungslücke von fünf Prozent des Gesamtbudgets geschlossen wurde. Für die kleine, ländlich geprägte Einrichtung, derzeit einziges Hospiz im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, und mit einem die angrenzenden Landkreise umfassenden Einzugsgebiet sind das jährlich etwa 45.000 Euro.

Doch geht es dem Förderverein dabei durchaus nicht nur um Finanzen. „Wir erleben nicht nur viel Interesse an und Akzeptanz für unsere Arbeit, sondern auch Respekt unseren Gästen gegenüber“, betonen auch Pflegedienstleiterin Claudia Gräf und Cornelia Gräf vom Vereinsvorstand.

Dass dies durchaus nicht selbstverständlich war, ist den drei Frauen wohl bewusst. Pflegebedürftige Menschen im Rollstuhl, Krankenwagen aber auch solche von Bestattungsinstituten gehören inzwischen in der Oelzer Straße häufiger zum Ortsbild. Und sie werden nicht nur respektiert. Das Hospiz erlebt hohes Interesse, wie die 600 Besucher am einzigen Tag der offenen Tür gleich nach der Eröffnung bewiesen.

Menschen machen zugleich auch viele immaterielle Unterstützungsangebote. Jörg Höhn ist so einer. Der Mittfünfziger aus Neuhaus kommt einmal die Woche ins Haus. Was er zu verschenken hat, ist jenes Gut, um dessen Ende es im Haus dem Grunde nach geht: Lebenszeit. Er sitzt bei den Gästen und leistet ihnen in jeder Hinsicht Gesellschaft. Ein wirkliches Geschenk, denn das Pflegepersonal hat dafür nur begrenzt Zeit. Und so ist dieses Angebot ebenso willkommen wie die Mithilfe bei der zur Eröffnung noch aufgeschobenen Gestaltung des Außengeländes als große Jahresaufgabe für 2020.

Bis es damit losgehen kann, ist Zeit für die Würdigung besonderer Aktionen im alten Jahr. Natürlich freut sich der Verein über die große Resonanz beim alljährlichen Spendenlauf, wo das selbstgewählte Startgeld die Spende ist. Genauso berichtenswert seien aber auch Aktionen, die andere organisierten.

Die Gillersdorfer Sängerin Katrin Reißner etwa, die zusammen mit dem Neustädter Chor in der Großbreitenbacher Trinitatiskirche ein Benefizkonzert für das Hospiz organisierte, das 2000 Euro erbrachte. Oder das Konzert der Rennsteig-Kusteln mit der Cursdorferin Ina Minkmar in Schnett, bei dem das Hospiz auch mit einen Infostand vertreten war. Auch die 620 Euro vom Kuchenbasar der Mitarbeiter der Regiomed-Klinik in Hildburghausen, die 2000 Euro schwere Aktion „Glühwein mit Herz“ der Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden auf dem Langewiesener Weihnachtsmarkt und nicht zuletzt das Benefizkonzert von Gymnasiasten am Arnstädter Melissantes-Gymnasium, welches 1000 Euro erbrachte, sind namhafte Beispiele.

Natürlich: Ohne die Großspende der Sparkasse wäre eines der Besucherzimmer im Hospiz uneingerichtet geblieben, durch die Familie Henkel und ihr Unternehmer EPC Holding konnte ein Pflegebad eingerichtet werden.

Das Sterben in die Mitte des Lebens bringen

Von der Unterstützung mit und ohne Geld kann aber nicht nur der Betrieb organisiert werden. Evi Müller: „Wir bringen den letzten Abschnitt des Lebens durch unsere Arbeit in die öffentliche Wahrnehmung. Und zugleich bieten wir Hilfe für all diejenigen an, die mit dieser Wahrnehmung Schwierigkeiten haben.“ Angehörige, Interessierte, Helfer, Unterstützer für sie alle ist das Hospiz ein Anlaufpunkt. Vor allem deswegen ist das im gleichen Haus untergebrachte, aber für sich selbstständige „Café 13“ ein neutrales Gelände dafür. Die jetzt beginnenden geselligen und auch kulturellen Termine waren von Anfang an Teil des Konzepts.

Gibt es auch etwas, was seitdem unvorhergesehen war? Evi Müller schmunzelt: „Wir brauchen viel mehr kleine, als große Teller, denn wenn ein kleiner Teller leer ist, fühlt sich für die Gäste das wichtige Erfolgserlebnis, alles aufgegessen zu haben, viel schöner an. Dafür braucht es schon bald Nachschub.“

Nächster Spendenlauftermin ist der 12. September.

Nicht nur dafür gibt es Details unter https://www.schwarzatalhospiz.de

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