Seit 100 Jahren in Familienhand

Rudolstadt.  Samen-Zimmermann gehört zu Rudolstadt, aber mit den Jahren ist das Geschäft schwieriger geworden.

Samen-Zimmermann feiert 100-jähriges Bestehen in Rudolstadt. Regina und Klaus  Zimmermann führen das Geschäft.

Samen-Zimmermann feiert 100-jähriges Bestehen in Rudolstadt. Regina und Klaus  Zimmermann führen das Geschäft.

Foto: Foto: Heike Enzian

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Warum das Gründungsdatum eines Geschäftes für Pflanzen, Samen und Zubehör für den Garten ausgerechnet auf einen Januartag fällt, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Aber es ist eindeutig so dokumentiert, wie Recherchen ergeben haben: Der Eintrag für das Gewerbe „Samen Zimmermann“ in Rudolstadt in das Handelsregister ist auf den 20. Januar 1920 datiert.

Treue Stammkundschaft

Wenngleich es bereits vorher geschäftliche Aktivitäten der Familie in dieser Richtung gegeben haben muss, wie eine Anzeige aus dem Jahr 1919 im damaligen Rudolstädter Lokalblatt beweist, in der Erdbeerpflanzen in bester Qualität von Zimmermann zum Verkauf angeboten wurden. Firmengründer war Rudolf Zimmermann, der Urgroßvater des heutigen Inhabers. Das Geschäft befand sich Anfang der 1920er Jahre in der Alten Straße.

100 Jahre Familienbetrieb – das schaffen heutzutage nur wenige Händler. „Ja, das ist wahrscheinlich ein Auslaufmodell“, sagt Klaus Zimmermann, der gemeinsam mit seiner Frau Regina das Geschäft führt.

Mitte der 1970er Jahre sind beide, frisch mit dem Abschluss als Gartenbauingenieure in der Tasche, in den elterlichen Betrieb mit eingestiegen. „Damals gab es in Rudolstadt noch viele Läden in Familienhand“, erinnert sich Regina Zimmermann. Das Geschäft florierte. Samen und Pflanzen wurden nicht nur in Rudolstadt, sondern in die halbe Republik verkauft. Dafür wurde sogar ein eigener Postversand gegründet.

Nach der Wende wurde der Standort an der Sommerstraße ausgebaut. Viele Stammkunden halten Samen-Zimmermann seit Jahrzehnten die Treue. So wundert es auch nicht, dass sich gestern anlässlich des Jubiläums viele Gratulanten eingefunden hatten.

Einen Nachfolger gibt es nicht

„Wir freuen uns, dass wir das 100-Jährige erreicht haben und die Tradition als Familienbetrieb erhalten geblieben ist“, so Klaus Zimmermann. „Aber das Geschäft ist schwieriger geworden“, wissen er und seine Frau: das veränderte Einkaufsverhalten, eine älter gewordene Kundschaft, die Discounter. Was es dort nicht gibt, ist die gute Beratung. Und der Schwatz mit den Menschen, die in den Laden kommen. „Dafür nehmen wir uns die Zeit“, sagen beide.

Unterdessen taucht immer öfter auch die Frage auf: Wie geht es weiter? „Wir wissen es nicht. So lange es die Gesundheit zulässt, bleiben wir“, so ihre Antwort. Aber Fakt ist auch: „Die Kunden bestimmen, ob wir weiter machen oder nicht“. Einen Nachfolger gibt es nicht. Die Tochter, eine Floristikmeisterin, lebt in Köln. „Aber es wäre schon schön, wenn es hier weiter gehen würde“, so der Chef.

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