Serienweise Elektrofahrräder wurden Diebesbeute

Rudolstadt.  Nach dem Klau eines teuren Mähroboters führte dieser die Polizei selbst zu den beiden Rudolstädter Angeklagten

Der Gefangenentransporter mit einem der beiden Angeklagten auf dem Weg von der Justizvollzugsanstalt Tonna ins Rudolstädter Amtsgerichtsgebäude.

Der Gefangenentransporter mit einem der beiden Angeklagten auf dem Weg von der Justizvollzugsanstalt Tonna ins Rudolstädter Amtsgerichtsgebäude.

Foto: Henry Trefz

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Der Juli 2019 war für viele hiesige Besitzer hochwertiger Elektrofahrräder eine problematische Zeit. Die Rudolstädter Bernd* (19) und Timo* (27) waren im Stadtgebiet unterwegs und ließen fast keine Gelegenheit verstreichen zu klauen, was das Zeug hielt. Fast eine Viertelstunde dauerte die Aufzählung aller Straftatsvorwürfe, die seit Donnerstag vom Jugendschöffengericht Rudolstadt unter Vorsitz von Richter Andreas Spahn verhandelt werden. Motiv war in erster Linie die Finanzierung der Drogensucht, Timo allerdings gab zu, nach einer Beziehungskrise wieder auf die schiefe Bahn und in Geldnot geraten zu sein, denn unbescholten sind die beiden wahrlich nicht.

Auf die Schliche kam die Polizei den beiden, nachdem Bernd am 22. Juli 2019 einen Rasenroboter am Kuckucksweg mitgehen ließ. Der Besitzer hat aber nicht nur „wegen häufiger Probleme mit Rehwild“ eine Überwachungskamera auf dem Grundstück, sondern auch ein hochwertiges Markengerät, das dem Besitzer meldet, dass es nicht mehr auf dem Grundstück ist, sondern auch, wohin es gebracht wurde. Mit diesen Daten ging er zur Polizei und der Roboter kam ebenso wie die in einem zweiten Beutezug entwendete Ladestation wieder zu ihrem Besitzer zurück.

Schwarzen Kasten am Rad als Akkupack missdeutet

Manche Eigentümer von Fahrrädern hatten da etwas weniger Glück im Unglück: Da wurde auch schon mal ein Fahrrad so zerlegt, dass nur noch der blanke Rahmen übrig blieb. Manche Räder waren hingegen noch in besserem Zustand, als die Polizei bei einer Hausdurchsuchung nach dem aufgeflogenen Mähroboter-Klau die Wohnung durchsuchte und sich scheinbar in einer Fahrradwerkstatt wiederfand.

Auch eigentümliche Vorfälle kommen zu Sprache. In der Goethestraße in Rudolstadt nahm Bernd ein Fahrrad mit, an dem er einen schwarzen Kasten als Elektro-Akku missdeutete. Als er den Irrtum erkannte, ließ es es einfach ein paar Straßen weiter stehen.

Ein anderer Fall brachte sogar eine Besucherin aus Schwaben in den Zeugenstand, der beim Rudolstadt-Festival das Rad gestohlen wurde, von dem man durch Zufall bei einem anderen Jugendlichen bei einer Drogenrazzia zuhause den Akku fand, das Rad aus den Fallakten der Anklage aber nicht dazu passt, was nicht so schlimm ist, denn die Versicherung war kulant.

Sogar ein Feuerlöscher gehörte zum Diebesgut

Timo bestreitet nur wenige der Vorfälle, kann aber auch nur teilweise erklären, warum die Räder in der Wohnung gefunden wurden, die er wegen der Trennung von seiner Freundin zusammen mit seinem extrem alkoholabhängigen und oft gewalttätigen Bruder bewohnte. Eine der Auseinandersetzungen sei auch Anlass für einen skurrilen Fall gewesen, bei dem Timo im Haus einen Feuerlöscher stahl, um sich gegen seinen schlagringbewehrten Bruder verteidigen zu können.

Fast eher beiläufig war auch ein Einbruch im Fitnesscenter des SV 1883 Schwarza, bei dem Timo eigentlich an einer Musikbeschallungsanlage interessiert war, von der Beute des Bruchs, den er zusammen mit einem namenlosen Russen beging, er am Ende nur einige Werkzeugmaschinen übrig hatte.

Zur Ansprache kam auch ein Vorfall nach der Verhaftung von Timo am 24. Juli, die zunächst trotz der großen Hitze vergleichsweise entspannt verlief, nach einer Panikattacke am Ende einer Raucherpause und eines Anwaltsgespräch er sich aber plötzlich eben den Wiedereinschluss in die Gewahrsamszelle massiv wehrte und dabei zwei der drei Polizisten, die ihn überwältigten, leicht verletzte. Ein Vorfall, für den sich der Angeklagte in nachvollziehbarer Reue bei den beiden Beamten im Gerichtssaal entschuldigte. Fortgesetzt wird die Verhandlung in gut einer Woche.

*Namen geändert

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