Bildung

Tablets im Klassenzimmer: Königsees Fünftklässler ganz vorn

Königsee.  Teufelszeug oder Segen? Elektronische Tablets halten jetzt im Unterricht in der Regelschule Königsee Einzug und

Ludwig, Emma, Josephine und Marlon (von rechts nach links) gehören zur 5. Klasse der Regelschule in Königsee (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt), die seit den Herbstferien digitale Tablets dort in den Unterricht integriert, wo sich ein pädagogischer Mehrwert ergibt.

Ludwig, Emma, Josephine und Marlon (von rechts nach links) gehören zur 5. Klasse der Regelschule in Königsee (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt), die seit den Herbstferien digitale Tablets dort in den Unterricht integriert, wo sich ein pädagogischer Mehrwert ergibt.

Foto: Henry Trefz

Für die einen ist es als Zwitter aus Smartphone und Schreibtisch-PC längst Ersatz für beides und nicht nur auf der heimischen Couch, für die anderen neumodisches Zeugs, das als Mode etwa so nützlich ist wie diese Tamagotchis, die man vor Jahren immerzu füttern musste: Die Rede ist von Tablets, etwa A4-großen Computern, mit denen man inzwischen fast alles machen kann.

Wenn sie von Apple kommen, heißen sie iPads und da begann der Konflikt schon, als vor einigen Monaten zu Beginn des Pilotprojektes die Eltern und die Techniker und die Pädagogen an der Regelschule in Königsee zusammensaßen, um sich eine zeitgemäße Zukunft auszumalen. Systemtechniker Marko Tammer erinnert sich: “Die einen wollten lieber ein Windows-System, die nächsten etwas auf Android-Basis und einige stellten in Frage, ob es überhaupt diesen Schnickschnack bräuchte, denn aus ihnen sei schließlich auch etwas ohne so etwas geworden… Als wir vor kurzem die Geräte während eines Elternabends ausgegeben haben, entschuldigten sich eine Reihe von ihnen, dass sie nicht bis zum Ende der Einweisung bleiben könnten, die Kinder hätten strikte Anweisung erteilt, das Gerät sofort nach Hause zu bringen.“

Aus Elternskepsis wurde Begeisterung

Was schon im Frühling bei der Erstvorstellung der Projektes angekündigt wurde, ist inzwischen weitgehend umgesetzt. “Wir haben aus der 6000-DSL-Leitung für alle gemeinsam nun getrennte Netze für Schüler und für Verwaltung und Pädagogen gemacht, die jeweils mit 50.000 MBit/s Sekunde schnell und jederzeit ausbaufähig sind, wir haben die Servertechnik ausgetauscht, es wurden Whiteboards, Laptops und Beamer angeschafft und das Computerkabinett zusammengefasst und rundum erneuert.

Auch Pädagogen lernen ständig weiter dazu

Tino Schmidt heißt einer der Pädagogen, die das Projekt inhaltlich betreuen und er kennt den langen Weg zur Akzeptanz nicht nur bei den Eltern: “Auch wir Lehrer hatten uns zu fragen, wo iPads für den Bildungsprozess von Fünftklässlern einen echten Mehrwert bringen und zwar über die nützliche Routine beim Bedienen solcher Geräte hinaus. Und als wir allen Skeptikern zunächst versichern konnten, dass im Zweifel kein Kind etwas machen kann, was der Lehrer nicht will, solange die Klasse in dem einen Raum ist und vom nächsten Lehrer auch digital übernommen wird, war der erste große Vorbehalt erledigt. Und damit der Weg frei für wachsendes Interesse. Wir Pädagogen wollen nicht nur dafür sorgen, dass wir selbst immer souveräner mit der Technik in unserer Arbeit umgehen, wir möchten die Eltern einladen, mit uns zusammen fit darin zu werden, ihre Kinder in die Digitalisierung wenigstens zu begleiten und nicht, sie sich von ihnen erklären lassen zu müssen.“

Dass auch die feinste Technik nicht die Kunst des Pädagogisierens überflüssig macht, verdeutlichten Tino Schmidt und die fünfte Klasse für ihre politischen Besucher Landrat Marko Wolfram (SPD) und Bürgermeister Marco Waschkowski (pl.) bei einer Schulstunde, für die sie extra in das dafür eigentlich gar nicht nötige Computerkabinett umzogen.

Da zeigte sich zwischendurch sogar Siri vom Tablet über soviel Besucher irritiert: “Ich habe dich nicht verstanden”. “Das kommt noch”, so die kecke Antwort aus der Runde.

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