Tourismus im Landkreis: Wenn der Wald dem Meer folgt

Schwarzatal.  Möglichst noch in diesem Jahr soll sich ein Zweckverband für touristische Infrastruktur im Schwarzatal gründen.

Touristen aus dem hessischen Rhein-Main-Gebiet und dem Oberbergischen Land in Nordrhein-Westfalen auf der Brücke über die Schwarza in Schwarzburg.

Touristen aus dem hessischen Rhein-Main-Gebiet und dem Oberbergischen Land in Nordrhein-Westfalen auf der Brücke über die Schwarza in Schwarzburg.

Foto: Thomas Spanier

Eile ist geboten, wenn ab 2021 die Tourismusregion Rennsteig-Schwarzatal gegenüber Fördermittelgebern mit einer Stimme sprechen will – das ist die Quintessenz, mit der erstmals öffentlich Bad Blankenburgs Tourismusmanager Matthias Gropp und Regionalplanerin Ines Kinsky für ein vertieftes Zusammengehen der Region beim Fremdenverkehr warben. Ihre Bühne war der Stadtrat der Landgemeinde Stadt Schwarzatal, in dessen Hülle mit Oberweißbach auch noch das Gebiet eines staatlich anerkannten Erholungsortes liegt.

Ihre Argumentation begann Ines Kinsky mit einer Zustandsbeschreibung, aus der auf den ersten Blick kein Handlungsdruck zu erkennen war. So gibt es schon lange eine Kommunale Arbeitsgemeinschaft (KAG) im Schwarzatal, in der sich viele Kommunen im Schwarzatal und bis zur Fusion mit Königsee auch Teile der Einheitsgemeinde Rottenbach zusammengefunden hatten. Mit einem Beitrag von 1,50 Euro je Einwohner jährlich finanzieren sie seitdem vor allem koordinatorische Aufgaben, aber auch solche Vorhaben wie die Einführung des Systems der Gästecard.

Ines Kinsky erinnerte an die Erfolge, die allzu schnell als Selbstverständlichkeiten gesehen werden, etwa den Panoramaweg Schwarzatal, der wiederholt als Qualitätswanderweg zertifiziert wurde, die inzwischen sechs Wanderstarts, von denen einige auch außerhalb des Gebiets der Verwaltungsmeinschaft Schwarzatal liegen, oder der vor zehn Jahren eingeweihte Schwarza­tal-Radweg.

Unterhalt des Schwarzatalradwegs wird bald Gemeindesache

Die Wanderstarts in ihrer Vernetzung aber, so gab sie zu bedenken, waren planerisch extrem schwierig zu begleiten, denn die KAG gilt gegenüber den Fördermittelgebern nicht als antragsberechtigt, jede Kommune musste einzeln alle Phasen des Projektes meistern. „Aus einer Hand wäre dieses Wanderstart-Netz natürlich wesentlich besser zu organisieren“, betonte Ines Kinsky. Auch der Schwarzatalradweg wäre nur als übergeordnete Kraftanstrengung denkbar. Ohne den Landkreis, der seinerzeit eingesprungen sei, um den Unterhalt zu sichern, wären die Gelder für Bau und Unterhalt nie zusammengekommen.

In den damaligen Verträgen, so Matthias Gropp, habe man aber von vornherein festgelegt, dass nur für die Fördermittel-Bindefrist der Landkreis etwas übernehmen könne, „was als Ausnahme gedacht und gemeint war“. Touristische Infrastruktur, die über Gemeindegrenzen hinausgeht, gemeinsam zu betreiben, zu erhalten, auszubauen und zu ergänzen, das soll der neue Zweckverband leisten, so Gropp. Wichtige Nachricht für die ohnehin finanziell gestressten Kommunen: Zumindest für das Gründungsjahr sei definitiv sichergestellt, dass kein Extra-Geld gebraucht wird, sondern die 1,50 Euro pro Kopf für die KAG für den laufenden Betrieb beider Gremien ausreichen. Denn die KAG solle es auch weiter geben. Das Gremium könne operativ schneller handeln, könne Dinge vordenken und der Verbandsversammlung des Zweckverbandes zur letztlichen Beschlussfassung vorlegen. Der Schritt sei für den Tourismus in der Region nicht ganz freiwillig, den sowohl künftige Aufgaben als auch neue Chancen setzten ihn fast schon zwangsläufig voraus, so die Argumente der beiden.

Mehrere Stadtratsmitglieder warben dafür, diesen Schritt nicht nur als einzelne Kommunen, sondern als ganze Verwaltungsgemeinschaft zu gehen. Vielleicht komme mit diesem Schritt auch neuer Schwung in den stockenden Prozess des Zusammenwachsens im Schwarzatal.

Auch für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wäre diese Gründung folgerichtig. Rund um das Thüringer Meer gibt es so einen Zweckverband bereits. Die beiden wichtigen Regionen im Landkreis in vergleichbarer Weise gerecht gleich zu behandeln, macht es auch einfacher, bei der strukturellen Übergangsphase für beide Zweckverbände die gleichen finanziellen Unterstützungen bereitzustellen.