Traumroben in Rudolstadt in der Warteschleife

Rudolstadt.  Saskia Beck hat vor einem Jahr in Rudolstadt „Schillers Bräute“ eröffnet - nicht ahnend, was sie 2020 erwarten sollte

Saskia Beck in ihrem Geschäft "Schillers Bräute" im Rudolstädter Handwerkerhof

Saskia Beck in ihrem Geschäft "Schillers Bräute" im Rudolstädter Handwerkerhof

Foto: Foto: Heike Enzian

Es soll der schönste Tag im Leben werden. Und die Braut die Schönste des Tages. Natürlich kennt Saskia Beck die TV-Serie „Zwischen Tüll und Tränen“. „Aber die Realität ist anders“, sagt sie. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Vor etwa einem Jahr erfüllt sie sich mit einem eigenen Brautmodengeschäft einen Traum. Sie nennt es „Schillers Bräute“. Im Rudolstädter Handwerkerhof findet sie die passenden Räume. Um die 130 Prachtroben in Weiß warten hier darauf, von Frauen an diesem einen besonderen Tag getragen zu werden. „Ich wollte alles anders machen. Ich wollte ein Geschäft, in dem die Braut für sich ist, nicht abgelenkt von einem riesen Laden und tausend Leuten, ich wollte es so gemütlich und persönlich, wie es irgend geht“, beschreibt sie ihr Konzept. Und setzt es genauso um. „Der Start war euphorisch“, berichtet die Saalfelderin. Auch dank der Werbung. Neben den sozialen Medien setzt sie unter anderem auf einen Kino-Spot. Das spricht sich rum. Schon vor dem offiziellen Eröffnungstermin sind die ersten Bräute da.

Vox hat schon angeklingelt

Das Jahr 2020 beginnt. „Der Januar ging noch durch die Decke. Klar, wer im Frühjahr oder Sommer heiraten möchte, sucht sich jetzt das Kleid aus“, berichtet sie. Sie trifft Bräute, die Kleidergröße 34 tragen und sich immer noch zu dick fühlen, und Frauen mit Größe 48/50, die voller Selbstbewusstsein auf den großen Tag hin fiebern. Brautkleider zu verkaufen, ist eine sehr emotionale Sache. „Aber ich frage zum Beispiel keine Braut, wie sie ihren Heiratsantrag bekommen hat. Ich bin da eher zurückhaltend. Es muss nicht immer so eine riesen Geschichte drum herum sein“, erzählt die 49-Jährige. „Es gibt da manchmal auch traurige Schicksale“. Die Frauen kennt sie in der Regel vorher nicht persönlich. Höchstens von einem Foto. „Die meisten sind schon abgefüttert mit tausend Bildern aus dem Internet“, erlebt sie. Das macht es nicht unbedingt leichter. Trotzdem hat sie einen Blick dafür, was der Braut steht.

Euphorischer Start vor Vollbremsung

Im März fährt Saskia Beck noch zur Hochzeitsmesse nach Erfurt. Wenige Tage später kommt die Vollbremsung dank des Lockdowns. „Nichts ging mehr. Ich habe alle Bräute, mit denen ich Vorgespräche beziehungsweise Termine hatte, angerufen und abgesagt.“, schaut sie zurück. Hochzeiten finden so gut wie keine mehr statt. „Ich habe bestimmt 15 oder 17 Bräute, die jetzt ihr Kleid zu Hause haben, aber dieses Jahr nicht feiern“, sagt sie. Selbst als wieder geöffnet werden durfte, bleibt die Nachfrage verhalten. „Viele Hochzeiten sind verschoben, die meisten Paare sagen sich, wir warten lieber noch ab. Keiner weiß, wie sich das alles noch entwickelt.“ Dennoch blickt sie voller Zuversicht in die Zukunft. „Der Laden ist immer noch mein Traum, ich freue mich auf neue Bräute und darauf, dass die Zeiten wieder besser werden“.

Und ja, der Sender Vox, genauer gesagt eine Produktionsfirma, die für das Format „Zwischen Tüll und Tränen“ arbeitet, hat bei ihr inzwischen auch angeklingelt. Aber da ist noch nichts spruchreif.