Unterwellenborn: Viertel vom Berg ist schon weg

Unterwellenborn.  Seit November 2019 wurden rund 17.000 Tonnen Alt-Abfall des Stahlwerks Thüringen in Unterwellenborn aufbereitet, um die Monohalde länger in Betrieb zu halten.

Ein Viertel vom Abfallberg ist weg: Geologin und Umwelttechnikerin Maike Pyrdok steht an der deutlich geschrumpften Monohalde des Stahlwerks Thüringen in Unterwellenborn. Durchschnittlich 300 Tonnen Deponiematerial pro Tag werden gesiebt und ihre verwertbaren Anteile entnommen.

Ein Viertel vom Abfallberg ist weg: Geologin und Umwelttechnikerin Maike Pyrdok steht an der deutlich geschrumpften Monohalde des Stahlwerks Thüringen in Unterwellenborn. Durchschnittlich 300 Tonnen Deponiematerial pro Tag werden gesiebt und ihre verwertbaren Anteile entnommen.

Foto: Jens Voigt

Es ist laut, es riecht und staubt, es ist alles ein bisschen größer am Fuße der Monohalde des Stahlwerks Thüringen. Lader groß wie Einfamilienhäuser kurven heran, schütten tonnenweise Stücke der Halde in eine Reihe riesiger Stahlcontainer, in denen es rumpelt, knirscht und dröhnt – und am Ende fallen Metallteile, Beton- und Steinbrocken sowie ein Gemisch aus Erde, Holzstücken, Pflanzen- und Kunststoffschnipsel säuberlich getrennt von den Transportbändern.

Was vor rund eineinhalb Jahren mit Planungen und einem großtechnischem Versuch begann, ist nun quasi in seine Arbeitsphase eingetreten: das erneute Durchsieben eines ganzen Müllberges. Rund 95.000 Tonnen nur einer Abfallklasse – daher Monohalde -, aber mit Potenzial. Denn in dem weißlich-grau bis schwarzbraun bröselndem Berg stecken Eisen- und Nichteisen-Metallreste, die einst beim Entleeren von Schrott-Waggons zusammen mit sonstigem Unrat übrig blieben.

Und jeder Kubikmeter Abfall steht für Zeit und also für Geld. Denn die Halde wird irgendwann voll, in rund 30 Jahren wäre nach dem bisherigen Verfahren die Kapazitätsgrenze erreicht. Neue Deponien dieser Klasse aber dürften, wenn überhaupt, nur äußerst langwierig genehmigt werden. Also heißt es Zeit gewinnen, indem Platz auf der bisherigen Halde geschaffen wird – durch Aufbereitung des alten Abfalls, damit möglichst viele Inhaltsstoffe verwertet statt nur deponiert werden.

Bis zu 600 Tonnen täglich werden aufgearbeitet

„Ziemlich punktgenau“ treffe die jetzige Ausbeute die Werte aus dem großtechnischen Versuch, berichtet Marcel Michele-Naussed, im Stahlwerk Fachbereichsleiter für Umwelt: Über die Hälfte des Haldenmaterials lasse sich tatsächlich per Rüttler, Windsichter und diverser magnetischer Verfahren trennen, rund zwei bis drei Prozent an Schrott werden ausgelesen, organische und Kunststoffreste in einem Heizwerk verbrannt, Erde und Baustoffabfälle gehen als Gemisch auf die benachbarte Abproduktedeponie.

Täglich gehen durchschnittlich 300 Tonnen durch die von der Magdeburger Firma Stork Umweltdienste betriebene mobile Anlage, die bisherigen Höchstwerte liegen bei rund 600 Tonnen. Vor allem Feuchtigkeit reduziere den Stoffdurchsatz, erläutert die Geologin und Umwelttechnikerin Maike Pyrdok, die seit einem halben Jahr das Deponie-Projekt in Diensten des Stahlwerks begleitet.

Auch deshalb rechne man mit etwa sechs Monaten laufender Aufbereitung pro Jahr. Seit Mitte November 2019 alle Einstellungen zur Optimierung von Stoffströmen, Trennverfahren und –geschwindigkeiten endlich passten, wurden etwa 17.000 Tonnen Halde aufbereitet. Oder um es wie Pyrdok plastisch zu formulieren: Ein Viertel vom Berg ist schon weg, der Rest folgt bis 2022.

Was sich danach aus den Resten der Aufbereitung wieder aufbaut, lässt sich laut Michele-Naussed noch nicht mit letzter Genauigkeit prognostizieren – der Wiedereinbau beginnt erst in zwei oder drei Wochen, die Verdichtung des nun deutlich feineren Materials bleibe abzuwarten. Aber er sei „sehr optimistisch“, dass die einstige Schätzung von etwa 15 Jahren Zeitgewinn für die Monohalde zutreffen werde, versichert der Fachbereichsleiter.

Abfallreduzierung schon bei Schrottaufbereitung

Eher wohl sogar mehr. Denn das Aussieben des Bergs liefert die Blaupause, um die Halde künftig langsamer wachsen zu lassen: Was an der Deponie als quasi angemietete Anlage funktioniert, wurde nun auch als Technik für den Regelbetrieb der RGA Rohstoffgewinnungs- und Aufbereitungs- GmbH & Co. KG angeschafft, die für das Stahlwerk den Stahl-Rohstoff Schrott aufbereitet.

Damit könnte die Halden-Zunahme langfristig bei nur noch einem Drittel gegenüber Werten aus den Vorjahren liegen, hofft Michele-Naussed. Eine Nachhaltigkeit, die sich buchstäblich lohnt: Für die „ordentlich siebenstellige“ Investition in die Aufbereitung winken immerhin wohl zwei Jahrzehnte Planungssicherheit.