Unterwellenborner Stahlbauer erzielen Rekordergebnis

Unterwellenborn.  Hartung GmbH legt bei Umsatz um ein Drittel zu und will mit Investitionen das Ergebnis konsolidieren.

Unternehmensgründer und Geschäftsführer Frank Hartung zeigt stolz die im vorigen Jahr errichtete zweite Lager- und Produktionshalle des Unternehmens - und der nächste Neubau zeichnet sich bereits ab.

Unternehmensgründer und Geschäftsführer Frank Hartung zeigt stolz die im vorigen Jahr errichtete zweite Lager- und Produktionshalle des Unternehmens - und der nächste Neubau zeichnet sich bereits ab.

Foto: Jens Voigt

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Zuweilen wird Neues gebraucht, um längst Erledigtes zu bewahren: In der noch ziemlich leeren neuen Lager- und Fertigungshalle der Hartung GmbH Unterwellenborn führt eine steile Stahltreppe in einen Verschlag, in dem man früher die Meisterbude vermutet hätte. Hier aber stapeln sich in Dutzenden von Regalen Hunderte, vielleicht Tausende Ordner – das Archiv des Unternehmens.

Natürlich arbeiten sie hier längst digital. Bereits vor Jahrzehnten hat die Firma ihren eigenen Zugang zum Glasfasernetz geschaffen, die Ingenieure setzen ihre Entwürfe für Rohrleitungen, Chemieanlagen oder ganze Produktionshallen am Bildschirm zusammen, die Bearbeitungsmaschinen erhalten per Datensatz ihre Weisungen. „Die Genehmigungsbehörden bekommen die Planungen von uns auf CD gebrannt, aber sie wollen alles noch einmal auf Papier“, erklärt Firmengründer und Chef Frank Hartung, „das sind schnell mal ein paar Ordner pro Projekt“. Und weil auch das Ringen um die Ausführung sich in Papier niederschlage, hebe man die Ordner zwecks Beweisführung besser auf. „Und Platz haben wir ja gerade genug“, ergänzt Hartung.

Wiederbelebtes Edelstahl-Segment treibt Umsätze

Für ein paar weitere Aktenordner sicher. Und noch auch in der neuen Halle, denn in den Wintermonaten läuft die Fertigung von Industrieanlagen, die in der Regel unter freiem Himmel beim Kunden montiert werden müssen, ein wenig auf Sparflamme. Doch das wird nicht so bleiben, weiß Hartung mit einem Blick auf die Auftragseingänge: „Wir werden mindestens den Umsatz von 2019 erreichen, wahrscheinlich sogar mehr.“ Dabei war das Vorjahr schon ziemlich sensationell verlaufen. Nach Angaben des Unternehmens legte man beim Umsatz um rund ein Drittel und im Ergebnis um fast 50 Prozent zu – eine Folge der Renaissance eines Geschäftsfeldes, das beim Firmenstart kurz nach der Wende schon einmal ein wichtiges Standbein war: Konstruktion, Fertigung und Bau von Leitungs- und Behältersystemen aus Edelstahl. In den 1990er Jahren hatte die Hartung GmbH in diesem Segment vor allem für die Lebensmittelbranche gearbeitet, so für Brauereien, Mälzereien und Süßwaren-Hersteller. „Danach ist vor allem der konstruktive Stahlbau enorm gewachsen, vor allem in den Branchen wie Glas- und Stahlerzeugung, wo die Erneuerungszyklen kurz sind“, berichtet Hartung. Nun komme das Edelstahl-Segment wieder zurück, allerdings in weit größeren Dimensionen als vordem in Gestalt von riesigen Behältersystemen und hunderte Meter langen Rohrbrücken für die Zellstoff- und Papierindustrie, aktuell zum Beispiel für Fabriken bei Brehna (Sachsen-Anhalt) und Aalen (Baden-Württemberg), wo für jeweils rund 500 Millionen Euro neue Werke für Wellpappen-Rohpapier entstehen.

Optisch auch für Laien spektakulär und damit werbewirksamer sind freilich architektonische Hingucker wie vor zwei Jahren die neue Saalebrücke in Camburg oder die Showrooms samt Werkstatt und Reifenlager für gleich drei Marken eines Autohändlers in Chemnitz, wobei die Landrover-Präsentation in zwei befahrbaren Etagen übereinander besonders beeindruckend ausfällt. Drei Baustellen mit jeweils einigen Millionen Auftragswert an einem Ort, „das hat man nicht alle Tage“, freut sich Frank Hartung. Insgesamt freilich bekommt auch seine Firma die Strukturkrise in der Autoindustrie zu spüren: Stellte man früher zwei bis drei Landrover-Herbergen pro Jahr fertig, so ist es inzwischen weniger als die Hälfte. Umso erfreulicher ist die Entwicklung im Segment der Edelstahl-Konstruktionen. Und die Verlässlichkeit auf wiederkehrende Stammkunden aus der Stahl- und Glasindustrie.

Um der wachsenden Nachfrage weiter folgen zu können, hat die Hartung GmbH im vorigen Jahr erheblich investiert: in die neue, rund 16.000 Quadratmeter messende Lager- und Produktionshalle, in eine neue Trafostation, um für den erweiterten Maschinenpark eine sichere Versorgung zu garantieren, und in die Befestigung einer größeren Außen-Lagerfläche, um vormontierte Anlagen besser abstellen zu können. Mittelfristig, so der Chef, könnte hier ein Gebäude zur Anlagenerprobung entstehen. Außerdem hat das Unternehmen noch zwei weitere angrenzende Flächen von der LEG gekauft, um daraus zunächst mehr Parkplätze zu gestalten. Denn mit dem Umsatz ist auch das Personal weiter gewachsen, zählt jetzt 70 eigene Mitarbeiter sowie etwa 20 in kleineren Montage-Unternehmen, die mehr oder weniger ausschließlich mit Hartung-Projekten beschäftigt sind. Ein paar Mitarbeiter mehr sollen es in diesem Jahr noch werden, gesucht werden vor allem qualifizierte Monteure, Konstrukteure und Bauingenieure – mithin Fachkräfte, mit denen aktuell der Markt nicht eben gesättigt ist. Frank Hartung zählt trotzdem darauf, mit Löhnen im regionalen Spitzenfeld, familiärem Betriebsklima und immer wieder neuen fachlichen Herausforderungen auf höchstem Niveau genug gute Leute gewinnen zu können. Auch, weil er nun endlich den Übergang an den bisherigen Mitgeschäftsführer Jens Tappert schaffen will. Immerhin hat der 66-jährige Hartung seiner Frau Regina versprochen, in diesem Jahr erstmals länger in Urlaub zu fahren. Und wirklich nur noch 40 statt 70 Stunden pro Woche zu arbeiten.

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