Verlässlich wie ein Uhrwerk tagtäglich in Schwarzburg unterwegs

Schwarzburg.  Janett Vogel ist seit 19 Jahren Postbotin in Schwarzburg, Thüringens kleinstem Ort mit eigener Postleitzahl

Janett Vogel, Postbotin und zugleich mobiler Postservice der Deutschen Post in Schwarzburg, übergibt ihrer Kundin Ramona Wilson zwei Paketsendungen. Die ist überzeugt: „Eine bessere Zustellerin gibt es nicht!“

Janett Vogel, Postbotin und zugleich mobiler Postservice der Deutschen Post in Schwarzburg, übergibt ihrer Kundin Ramona Wilson zwei Paketsendungen. Die ist überzeugt: „Eine bessere Zustellerin gibt es nicht!“

Foto: Bernd Georg/Deutsche Post DHL Group

Der Kommentar von Ramona Wilson in Schwarzburg zaubert Jeanett Vogel ein großes Lächeln ins Gesicht: „Eine bessere Zustellerin gibt es nicht“, sagt die Postkundin aus Thüringens kleinstem Ort mit eigener Postleitzahl – nämlich 07427 – die von der Zustellerin aus Königsee regelmäßig mit Post beliefert wird.

Bis es soweit ist und sie mit ihrem gelben Transporter das Ortsschild der Gemeinde Schwarzburg, die rund 550 Einwohner zählt, passieren wird, hat die Postbotin aus Leidenschaft allerdings noch alle Hände voll zu tun. „Mein Arbeitstag beginnt morgens um 7 Uhr mit der Verteilung der eingehenden Sendungen“, sagt Vogel, die seit 1983 bei der Post arbeitet und seit 1991 in der Zustellung unterwegs ist. „Schwarzburg ist ja nicht nur als kleinster Ort mit eigener Postleitzahl interessant, sondern auch wegen seiner Historie“, sagt Janett Vogel. „Hier unterzeichnete Reichspräsident Friedrich Ebert im Urlaub am 11. August 1919 die Weimarer Verfassung. Dieser Akt fand wahrscheinlich im Hotel Weißer Hirsch statt, jedenfalls nicht im Schloss.“

07427 – durch diese Ziffernkombination spielt Schwarzburg postleitzahlentechnisch in einer Liga etwa mit Hessens kleinstem Ort mit eigener Postleitzahl, nämlich 64757 Unter-Hainbrunn im südhessischen Odenwald, oder dem Schneefernerhaus auf der Zugspitze, das als Kleinstort auch eine eigene Postleitzahl hat – und zwar die 82475.

An jedem Tag exakt die gleiche Reihenfolge

Aber zurück zur eigentlichen Arbeit. „Zuerst die ‚Kurzen’, danach das ‚Langholz’“, erläutert Janett Vogel den morgendlichen Ablauf bei der Sortierung und nimmt zunächst die kleinformatigen und dann die größeren Briefsendungen aus ihrem Fach. Dazu noch jede Menge Zeitungen, Päckchen und Pakete, denn Vogel ist als „Verbundzustellerin“ tätig und bringt ihren Kunden sowohl Brief- als auch Paketsendungen. „Ich fahre meinen Bezirk jeden Tag exakt in der gleichen Reihenfolge ab, das ist nämlich der kürzeste Weg. So können sich meine Kunden darauf einstellen, wann ich ungefähr bei ihnen bin“, sagt sie.

Wenn die Powerfrau ihre tägliche Tour nachmittags gegen 17 Uhr beendet, dann liegt jedes Mal eine Fahrtstrecke von rund 50 Kilometern hinter ihr. Etwa 80 Pakete und einige hundert Briefe hat sie nun wieder bei ihren Kunden zugestellt: „Neben der Tatsache, dass ich während der Tour meine eigene Chefin bin und relativ frei arbeiten kann, sind die persönlichen Gespräche und die täglichen Kontakte mit meinen Kunden für mich besonders wichtig“, sagt sie – und ergänzt: „Außerdem bin ich ein Naturmensch und gern an der frischen Luft. Ich bin sportlich und daher ist das für mich jeden Tag ein bisschen wie Training.“

Auch die besondere Herausforderung der Zustellung in Zeiten von Corona nimmt sie sportlich: „Wir halten unsere Sicherheits- und Hygieneregelungen konsequent ein, um uns und unsere Kunden zu schützen. Gerade jetzt, wo alle wie die Weltmeister online bestellen und wir dadurch besonders viele Pakete und Päckchen bringen, wissen unsere Kunden besonders zu würdigen, was wir jeden Tag und bei jedem Wetter leisten. So einigen Kunden ist dies schon mal ein Extra-Trinkgeld wert.“