Wie die Wendls zu ihrem Auktionshaus in Rudolstadt kamen

Rudolstadt.  Auf dem Sofa: Plauderstunde in Rudolstadt mit dem Ehepaar Wendl, den Gründern eines der renommiertesten Auktionshäuser im Osten Deutschlands.

Anke und Martin Wendl im Gespräch mit Schillerhaus-Leiterin Daniela Danz in der Reihe „Auf dem Sofa mit...“ – diesmal im Löwensaal.

Anke und Martin Wendl im Gespräch mit Schillerhaus-Leiterin Daniela Danz in der Reihe „Auf dem Sofa mit...“ – diesmal im Löwensaal.

Foto: Heike Enzian

Sie wollte nie am Schreibtisch sitzen, viel lieber auf dem Land leben, ein Pferd haben – „ganz romantisch“, verriet Anke Wendl am Dienstagabend im Rudolstädter Löwensaal im Gespräch mit Schillerhaus-Leiterin Daniela Danz. Anke Wendl und ihr Mann Martin führen heute in Rudolstadt eines der renommiertesten Auktionshäuser in Ostdeutschland.

Die Wendls waren im Löwensaal zu Gast in der Reihe „Auf dem Sofa mit…“. Wann das anfing, mit der Kunst, wollte die Moderatorin vor etwa 40 Zuhörern wissen. „Ganz früh, ich hatte Glück mit meinen Eltern“, so die gebürtige Königseerin. Musikschule, Malerei, Förderkurs an der Ludwigsburg – die junge Anke erlebte das volle Programm. Nach dem Abitur begann sie eine Lehre als Dekorateurin bei der HO, die sie aber mit dem Mauerfall hinschmiss.

Sie folgte ihre großen Liebe in den Westen. Dorthin, wo es ihren Mann Martin, einen studierten Germanisten, Lektor und Antiquitätenhändler, verschlagen hatte, nachdem er und seine erste Frau Ende der 80er Jahre Opfer der kriminellen Machenschaften der so genannten Kunst- und Antiquitäten GmbH Berlin-Mühlenbeck um Alexander Schalck-Golodkowski wurden und sie ihre Antiquitätenstube in Rudolstadt sowie private Sammlungen verloren.

Zurück nach Rudolstadt

Mit dem Mauerfall reifte in beiden schnell die Idee, wieder nach Rudolstadt zurückzukehren und hier einen Antiquitätenhandel mit Auktionshaus zu eröffnen. Am 9. November 1991 fand in der Saalgasse die erste Versteigerung statt.

„Damals hatten wie sechs Gemälde, heute sind es 700“, sagte Anke Wendl. Es folgten zwei Kinder, Kauf und Renovierung der Villa in der Bebelstraße, heute Sitz eines der renommiertesten Auktionshäuser im Osten. Hier kommen drei Mal jährlich über 4000 Objekte unter den Hammer. „Aber nichts davon gehört uns“, so Martin Wendl. „Wir versteigern es für unsere Kunden, wir leben von der Provision“.

Und ja, Überraschungen gibt es fast immer. „Ausreißer sind wunderbar für die Reklame, für das Alltagsgeschäft eher weniger, weil es dann heißt: Bei denen ist alles so teuer. Was aber gar nicht stimmt“, plaudert er aus den Nähkästchen. „Das Mittelmaß ist vielleicht nicht so spannend, aber es ist das, was uns trägt.“