„Woher kommt das Hämatom?“ – Kritik an Seniorenresidenz in Cumbach

Rudolstadt.  Nach Vorwürfen eines Angehörigen äußern sich die Verantwortlichen der Seniorenresidenz Cumbach.

Blick auf den Eingang der K+S Seniorenresidenz Cumbach.

Blick auf den Eingang der K+S Seniorenresidenz Cumbach.

Foto: Foto: Heike Enzian

„Das Pflegeheim auf der Cumbacher Höhe sollte sich einmal über seine Firmenphilosophie Gedanken machen. Kürzlich ging wohl allen Angehörigen ein Brief mit der Ankündigung einer saftigen (fast 200 Euro) Erhöhung des monatlichen Eigenanteils zu. Das ist nicht nur unverschämt, sondern auch unangemessen, weil die Leistungen seit einigen Jahren immer schlechter wurden.“ So beginnt ein Schreiben des Bad Blankenburgers Rocco Pfaffendorf an diese Redaktion.

Seine Mutter wird in dem Heim betreut. Nicht immer zu seiner Zufriedenheit, wie er zum Ausdruck bringt. Wiederholt konfrontierte er Pflegepersonal und Heimleitung mit seinen Vorwürfen, die diese zurückwiesen und sich dabei auf die Kontrollgremien beriefen. Die Fronten verhärteten sich immer weiter.

In einem konkreten Fall wandte er sich an übergeordnete Gremien, darunter die Heimaufsicht. „Meine Mutter hatte ein Hämatom am rechten Brustkorb. Das Personal konnte mir nicht erklären, woher die Verletzungen stammen“, schreibt er. Was ihn besonders ärgert, ist die Tatsache, dass er erst Tage später von einer besorgten Mitarbeiterin darüber informiert wurde.

Neben dem Hämatom sind es die Zahnpflege und die Pflege der Kleidung seiner Mutter, die er kritisiert. „Das Waschkonzept ist auf Schnelligkeit und wirtschaftliche Effizienz ausgerichtet, nicht aber auf sachgemäßes Säubern der Wäsche der Bewohner. Wenn etwas kaputt geht, dann war die Wäsche eben schon verschlissen. Deshalb wasche ich die Oberbekleidung meiner Mutter eben selbst, wie auch andere Angehörige von Bewohnern“, schreibt er.

Und weiter: „Hinweise an die Heimaufsicht sowie an den MDK verbesserten die Situation im Heim nicht. Das sind nur ein paar Dinge von vielen. Es ist an der Zeit, hier und jetzt dem Ganzen endlich Einhalt zu gebieten und die Leitungsebene in die Schranken zu weisen“, so Pfaffendorf.

Einige Themen im persönlichen Gespräch geklärt

Seitens der Regionalleitung der K+S Unternehmensgruppe hat man das Gespräch mit Rocco Pfaffendorf gesucht. „Nachdem bereits einige Sachverhalte und Probleme in einem persönlichen Gespräche geklärt werden konnten, möchten wir zu einigen offenen Punkten Stellung nehmen“, heißt es in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben des Trägers der Einrichtung.

Die Durchführung der Zahnpflege bei der Mutter von Rocco Pfaffendorf gestalte sich schwierig, da es vorkomme, dass sie die Lippen verschließe oder Ablehnung durch Handheben signalisiere. „Das Pflegepersonal bemüht sich dennoch, die Zahnhygiene auf bestmöglichem Niveau durchzuführen“, steht in dem Schreiben.

Die Kritik an unsachgemäßer Handhabe bei der Pflege der Bekleidung wird seitens des Heimträgers zurückgewiesen. „Selbstverständlich haben Angehörige die Möglichkeit, die Wäsche oder empfindliche Kleidungsstücke zum Waschen mit nach Hause zu nehmen, was Herr Pfaffendorf im Falle der Oberbekleidung seiner Mutter auch tut. Verschleiß bei Kleidungsstücken, die häufig im Einsatz sind und dementsprechend oft gewaschen werden, ist ein natürlicher Prozess. Unser Hauswirtschaftsteam und auch unsere Pflegekräfte sind stets darum bemüht, die Garderobe unserer Bewohner akkurat zu halten und in diesem Zuge auch ältere und verschlissene Teile durch die Angehörigen austauschen zu lassen.“, heißt es.

Kein Anhaltspunkt für vorsätzlich beigebrachte Verletzung

Zu dem von Rocco Pfaffendorf beschriebenen Hämatom im Bereich des rechten Brustkorbes seiner Mutter liegt inzwischen eine Bewertung der Heimaufsicht vor, auf die sich auch der Träger des Hauses bezieht. Darin wird der Vorgang so beschrieben, dass ein lokal begrenzter Druck während eines Positionswechsels im Rollstuhl das Hämatom hervorgerufen hat. Durch die Einnahme eines Blutverdünners – was bei der Mutter der Fall ist – reagiere ein Körper besonders empfindlich auf Druck und neige zu Einblutungen im Gewebe.

Über durch das Hämatom verursachte Schmerzen habe die Mutter von Pfaffendorf sich nie beklagt, heißt es dazu in der Stellungnahme des Trägers. Allerdings ist nach Information ihres Sohnes nach einem Schlaganfall ihr Sprachzentrum auch beeinträchtigt. Die Heimaufsicht teilt in ihrem Schreiben an Pfaffendorf zu diesem Sachverhalt außerdem mit: „Anhaltspunkte für eine vorsätzlich beigebrachte Verletzung ergeben sich nach Durchsicht aller Unterlagen für die Heimaufsicht nicht. Die Pflegedienstleiterin wurden seitens der Heimaufsicht darauf hingewiesen, die Mitarbeiter nochmals hinsichtlich schonender Transfertechniken zu schulen und bei Ihrer Mutter Transfers mit zwei Pflegepersonen festzulegen.“

Für den Schritt an die Öffentlichkeit hat sich Rocco Pfaffendorf deshalb entscheiden, weil er das Vertrauen nicht mehr gegeben sah. „Ich bin ein kontroverser Typ, ich frage nach, lasse mich nicht einfach abspeisen“, erklärt er. Die persönlichen Gespräche habe er, so „wie alles, was der Wahrheitsfindung dient“, begrüßt.

Auch den höheren Preis für den Heimplatz hat Pfaffendorf inzwischen bezahlt. „Sollte ich in der Vergangenheit etwas ungehalten gewesen sein, so bitte ich um Entschuldigung. Das war sicher der Aufregung geschuldet. Mir liegt an einer objektiven Betrachtung der Sachverhalte für beide Seiten“, sagt er abschließend.