Zeuge will zum Schnupfen von Kochsalz gezwungen worden sein

Rudolstadt.  Gerichtsbericht Prozess gegen drei Rudolstädter wegen räuberischer Erpressung unterbrochen

Fast die gesamte Nordfassade des Amtsgerichtsgebäude in Rudolstadt nimmt im ersten Obergeschoss der Saal 3 ein, in dem das Schöffengericht gewöhnlich verhandelt.

Fast die gesamte Nordfassade des Amtsgerichtsgebäude in Rudolstadt nimmt im ersten Obergeschoss der Saal 3 ein, in dem das Schöffengericht gewöhnlich verhandelt.

Foto: Henry Trefz

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Eigentlich scheint die Sache sonnenklar, zumindest, wenn man den Anklagevorwurf für den Tatsachen entsprechend ansieht. Leif* (21) ein junger Mann aus Leipzig, der sich aktuell einer stationären Therapie in Stadtroda unterzieht, hat Anfang April 2017 seinem Rudolstädter Bekannten Toni* (39) aus der Gartenhütte von dessen Vater Unterhaltungselektronik, Kleidung und Schuhe geklaut. Das bestreitet Leif nicht. Er habe dies aber nur getan, weil er damit an noch ausstehende Bezahlungs aus einem Drogengeschäft hinweisen wolle.

Um diese Straftat geht es aber auch nicht. Stunden nach der Tat veröffentlicht Toni bei Facebook eine Videobotschaft, in der er unmissverständlich die Wiederausgabe des Diebesgutes verlangt und 2000 Euro Kopfgeld aussetzt. Dass Leif es war, weiß er da noch nicht.

Tage später, Leif kennt wiederum den Aufruf nicht, ist er mit Ralf* (40) und dessen Bruder Rico* (43) in Ralfs Wohnung verabredet und hat dort ein Geldgeschäft zu klären. Dazu sei er nicht bekommen, wird er kurz darauf bei der Polizei aussagen. Er habe beim Eintritt Faustschläge erhalten und sei stark bedroht worden. Dann sei ihm ein Rucksack mit Lampen, einer Brille und einer bis auf Ausweise leeren Geldbörse abgenommen worden, auch ein Handy. Später, als Ralf und Rico ihrem Kumpel Toni über ihren „Fang“ unterrichtet und ihn dazu geholt haben, habe man ihn gezwungen, eine Line pures Salz so zu schnupfen, als sei es Crystal Meth, ein Vorgang mit überaus schmerzhaften Folgen.

Videobotschaft mit 2000 Euro Kopfgeld

Das Handy wird konfisziert und außerdem soll er weitere 1900 Euro aufbringen, um die ja nun fällige Kopfprämie zu ersetzen. Als man ihm später eindringlich aufträgt, die Sachen in die Laube zurückzubringen und außerdem Grillgut für den Abend zu „besorgen“ und damit in der Hütte zu erscheinen, geht Leif stattdessen zu einem Kumpel und man informierte die Polizei.

So steht der Tathergang in der polizeilichen Aussage. Ralf, Rico und Toni, die deswegen jetzt vor Gericht stehen, machen von ihrem Recht Gebrauch, sich nicht zu äußern, doch später ändern sie ihre Meinung wenigstens teilweise. Das liegt auch daran, dass Leif sich bei seiner mündlichen Aussage vor Gericht nicht an alle Details wie bei der Polizei erinnern kann. So weiß er von den spektakulären Drohungen aus der polizeilichen Aussage, Toni werde ihm einen Finger abschneiden, seine Organe auf dem Tschechenmarkt verkaufen, ihn vorher vergewaltigen und an einer Hundeleine gebunden mit ihm Gassi gehen, auch auf Nachfrage nur noch das Detail mit den Organen.

Anfangs nicht geplant, werden zum nächsten Termin nun noch die beiden Polizeibeamten aussagen, um bestmöglich herauszufinden, wie der 10. April 2017 wirklich abgelaufen ist. Die Verteidiger deuteten am ersten Hauptverhandlungstermin aber schon in ihren ersten Nachfragen an, dass sie von der Glaubwürdigkeit des Zeugen, der auch von einer bei ihm diagnostizierten psychischem Angststörung berichtet, nicht wirklich viel halten.

*Namen geändert

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