Zwischen Zankapfel und Chance: Goldwaschen in der Schwarza

Sitzendorf.  In Sitzendorf war das Thema in der kurzen Sommersaison sogar ein Streitfall für Ordnungsbehörden und Polizei.

Dieses 9,64 Gramm schwere Gold-Nugget fand Heinz Martin aus Katzhütte am 4. April 2004 in der Katze, einem Nebenfluss der Schwarza.

Dieses 9,64 Gramm schwere Gold-Nugget fand Heinz Martin aus Katzhütte am 4. April 2004 in der Katze, einem Nebenfluss der Schwarza.

Foto: Henry Trefz

Wer aufmerksam an der Schwarza entlang geht, dem fallen die Plätze auf, die ein Schild mit der Aufschrift „Goldwaschplatz“ tragen. In Schwarzburg oder in Katzhütte (dort liegt er an der Katze, einem Schwarza-Zufluss) sind sie mit wenig Mühe zu finden, in Sitzendorf ist das ein bisschen anders.

Martin Friedrich (CDU, Feuerwehr/Brauchtum), dortiger Bürgermeister, hat seit seinem Amtsantritt vor inzwischen auch schon gut vier Jahren eine Menge dienstbezogener kommunalpolitischer Kenntnisse dazu gesammelt. „Zuletzt gehörte auch eine behördliche Aufklärung aus dem Landesverwaltungsamt zum Thema Goldwaschen dazu”, bekannte er neulich im Gemeinderat.

Eigentlich könnte alles überaus entspannt sein. Es gibt in der Schwarza nicht etwa Gold in einem Ausmaße, dass die Suche eine professionelle Dimension annimmt. Aber es gibt etwas mehr, als man sonst so in diesem Land aus Flusswasser waschen kann. Legendäre Funde, wie der des Katzhütters Heinz Martin, der am 4. April 2004 ein 9,64 Gramm schweres Nugget in der Katze, dem wasserreichsten Nebenfluss der Schwarza, fand, sind trotzdem eine große Seltenheit. Zugleich wecken sie das Interesse über das Tal hinaus.

Nicht verboten, aber stark eingeschränkt

Die Idee, dies auch touristisch zu vermarkten, ist nicht neu. „Ich würde mir wünschen, dass Goldreichtum, wie relativ er auch sei”, ein Markenzeichen für das Schwarzatal als Ganzem wird”, sagt Martin Friedrich. Doch wie immer steckt die Tücke im Detail. Der einfache Satz heißt: Goldwaschen ist in Deutschland nicht verboten. Der komplizierte: Es kann durch diverse andere Bestimmungen begrenzt sein, besser gesagt, stark eingeschränkt.

Das Schwarzatal ist ein FFH-Gebiet, das bedeutet „Fauna Flora Habitate” und zugleich einen besonderen Schutzstatus, sprich, die Naturschutzbehörde ist bei allem, was auch in der Schwarza passiert, mit im Boot. Das Fachressort im Saalfeld-Rudolstädter Landratsamt hat mit den Kommunen jeweils Abmachungen getroffen, nach denen diese in bestimmten Flussabschnitten und zu definierten Zeiten innerhalb eines Jahres das Goldsuchen erlaubt ist.

Abschreckende Wirkung durch Polizeieinsatz

Richard Christian Kreibich heißt der Inhaber einer gleichnamigen Goldwäscherei. Der Weimarer ist zugleich auch Vertragspartner der Gemeinde Sitzendorf. Denn auch dort ist ein Gelände ausgewiesen, wenngleich nicht so öffentlich, sondern nur vom Schwimmbad-Gelände aus zugänglich. Zugleich hält sich die Ansicht hartnäckig, dass das Goldwaschen in Thüringen im allgemeinen und damit auch das im Schwarzatal wenig Beschränkungen unterliegt. Dabei gilt etwa auch in den genehmigten Arealen: Das Flussbett muss nach der Aktion wieder so hergestellt werden, wie es vorher war.

Im Sommer aber fand sich im Einsatzbuch der Saalfelder Polizeiinspektion eine kleine Notiz: Am 22. August standen zwei Männer in der Schwarza. Gekommen waren sie vom anderen Ufer, weil man dort gut mit dem Auto herankommt. Anwohner hatten die beiden entdeckt, sie zur Beweissicherung fotografiert und damit eine große Aufregung ausgelöst. Der Bürgermeister wurde gerufen, auch die Beamten kamen vor Ort, die abschreckende Wirkung war enorm.

Ohne Regeleinhaltung ist auch die begrenzte Erlaubnis in Gefahr

„Würde diese Aktion Menschen, die sich nicht an die Vorgaben halten, davon abhalten, sie zu brechen, wäre es ein Erfolg. Doch möchten wir eben auch einen touristischen Effekt erzielen. Dieser Sache haben wir einen Bärendienst erwiesen”, sinniert der Bürgermeister über die Aufregung aus dem Sommer.

Bis zum Frühsommer, wenn die neue Saison startet, hofft Martin Friedrich auf eine Befriedung der Lage. Sie ist aus seiner Sicht auch deswegen nötig, weil die Wasserbehörde gehalten ist, den Fluss als solchen zu schützen. „Wenn wir als Gemeinden nicht den Beweis führen, dass wir die uns zugewiesenen Abschnitte konform bewirtschaften können, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Behörde die Goldwäscherei untersagt”, beschreibt er das Risiko.

Zugleich müsse aber auch klar sein, dass nicht der gesamte Flusslauf von den Kommunen auf Waschaktionen in den nicht dafür freigegebenen Abschnitten überwacht werden könne: „Das schaffen wir nicht mit unserer Personalausstattung”, so Friedrich.