20 Firmen aus Landkreis Saalfeld-Rudolstadt planen Wirtschaftsverbund

Saalfeld  In Saalfeld ist die „Woche der Industrie“ eröffnet worden. Trigema-Inhaber brillierte als Star-Gast der Eröffnungsveranstaltung.Und Wirtschaftsminister Tiefensee betont die gute Entwicklung Saalfeld-Rudolstadts.

Auftaktveranstaltung zur „Woche der Industrie“ im Meininger Hof in Saalfeld mit  Trigema-Inhaber Wolfgang Grupp.

Auftaktveranstaltung zur „Woche der Industrie“ im Meininger Hof in Saalfeld mit  Trigema-Inhaber Wolfgang Grupp.

Foto: Guido Berg

Das war „eine Steilvorlage“, freute sich Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Bei der Eröffnungsveranstaltung der „Woche der Industrie“ am Montagabend im Meininger Hof hatte Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania (CDU) gefragt, ob es dem Mittelstand „trotz oder wegen der Politik“ so gut gehe.

Von Moderator Didi Bujack zur Antwort aufgefordert, legte Tiefensee los: Gäbe es nicht befestigte Straßen, Bildung für Kinder und Jugendliche, eine gute Gesundheitsversorgung, Rechtssicherheit und Sicherheit auf den Straßen „könnten Sie nicht unternehmerisch tätig sein“, betonte der Wirtschaftsminister vor der versammelten Unternehmerschaft des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. „Spielen wir uns nicht gegenseitig aus“, rief Tiefensee, „arbeiten wir miteinander statt gegeneinander“.

Ferner hob der Minister die gute Entwicklung Saalfeld-Rudolstadts hervor. Der Landkreis mit einer Industrieproduktion von zwei Milliarden Euro im Jahr habe eine Exportquote von 44 Prozent. Der Thüringer Durchschnitt liege bei 36 Prozent. Saalfeld-Rudolstadt sei „vorbildhaft für andere Landkreise“. Vorstellungen, wonach nur noch die Städte an der Perlenschnur der Autobahn 4 gefördert werden sollten, wies Tiefensee kategorisch zurück. Es gebe in der Peripherie sehr erfolgreiche Unternehmen.

„Wünsche künftig besser nach Erfurt kommunizieren“

„Es wäre Schwachsinn, die nicht mehr zu fördern“. Das mag eine Position gewesen sein, auf den die Firmenchefs an Saale und Loquitz gern zurückkommen wollen – und zwar gemeinsam und deutlich vernehmbar mit einer Stimme: 20 Unternehmen aus dem Landkreis nutzten den Auftakt zur Industriewoche, um gemeinsam eine Absichtserklärung zur Gründung eines regionalen Unternehmensverbundes Saale-Wirtschaft als Verein zu unterzeichnen.

Initiator Matthias Frische, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderagentur Saalfeld-Rudolstadt, bedauerte zwar, dass Tiefensee zu diesem Zeitpunkt bereits den Saal verlassen hatte; das mache aber nichts, so Fritsche: „Wir werden unsere Wünsche künftig besser nach Erfurt kommunizieren können.“

Star-Gast des Abends war jemand, der Tiefensee rhetorisch mindestens ebenbürtig ist und von Sabine Wosche, Geschäftsführerin der Landesentwicklungsgesellschaft, als „lebende Legende“ angekündigt wurde: Wolfgang Grupp. Der Inhaber und Geschäftsführer des Textilunternehmens Trigema in Burladingen (Baden-Württemberg) ist vielen bekannt aus der Werbung mit dem Schimpansen kurz vor der Tagesschau. Trigema beschäftigt 1200 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von mehr 100 Millionen Euro.

„Viel Vertrauen in soziale Marktwirtschaft verloren gegangen“

Grupp, ein eher schmächtiger Mann, gehandicapt durch eine Achillessehnen-Verletzung, fing erst bescheiden an – er gehöre zu einer in Deutschland ausgestorbenen Branche –, um dann loszudonnern: Schuld daran seien „ Gier und Größenwahn“ mancher Manager und „die Machenschaften mancher dieser Herren“, die deshalb nun pleite seien. 26 Textilunternehmen habe es in seiner Heimat gegeben.

25 von ihnen seien in Konkurs gegangen, weil sie ihre Produktion in Billiglohnländer verlagert hatten. Grupp: „Es ist viel Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft verloren gegangen.“ Der 1942 geborene, als sehr erfolgreich geltende Unternehmer forderte: „Wir brauchen Verantwortung zurück – für die Menschen und die Umwelt.“

Als Grund für seinen Erfolg nannte Grupp innovative Produkte: „Wir müssen in einem Hochlohnland Produkte herstellen, die einem Hochlohnland entsprechen.“ Und auch das erklärte Grupp: Er sei zwar „Egoist und Kapitalist“ und wolle viel Geld verdienen, doch gelungen sei ihm das, weil er „immer der ehrbare Kaufmann war“.

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