Als sich 1973 die Volkssolidarität Kleingeschwenda gründete

Guido Berg
| Lesedauer: 3 Minuten
Im Gasthaus „Zum Roten Hirsch im Grünen Wald" in Saalfeld-Hoheneiche: Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania (CDU) gratuliert Ursula Wohlfarth zu 50 Jahren Mitgliedschaft in der Volkssolidarität.

Im Gasthaus „Zum Roten Hirsch im Grünen Wald" in Saalfeld-Hoheneiche: Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania (CDU) gratuliert Ursula Wohlfarth zu 50 Jahren Mitgliedschaft in der Volkssolidarität.

Foto: Guido Berg / OTZ

Saalfeld-Hoheneiche.  Ursula Wohlfarth bei Kaffee und Kuchen im Gasthaus Hoheneiche durch Saalfelds Bürgermeister Kania und Ortsteilbürgermeisterin Kühn geehrt.

Ursula Wohlfarth ist seit 50 Jahren Mitglied der Volkssolidarität. Und ihre Ortsgruppe in Kleingeschwenda besteht seit genau 50 Jahren. Das war für die 75-Jährige Anlass, zu einer Feier ins Gasthaus „Zum Roten Hirsch im Grünen Wald“ im Saalfelder Ortsteil Hoheneiche zu laden. „Vor 50 Jahren war ich noch nicht einmal geboren“, scherzte Saalfelds Bürgermeister Steffen bei seiner Laudatio. 1973! Da habe es die erste Ölpreiskrise gegeben! Und die Watergate-Affäre. Und Walter Ulbricht sei gestorben, ebenso Picasso. Kania wünschte Ursula Wohlfarth, „dass es immer genug Aktive in der Ortsgruppe gibt“.

Die Ortsgruppe der Volkssolidarität Kleingeschwenda hat noch elf Mitglieder

Und das ist der Punkt. Wie Ursula Wohlfarth in ihrer Rede erklärte, gab es in ihrer 1973 von Hilde Morgenroth gegründeten Ortsgruppe im Jahr 2003 noch 58 Mitglieder in neun Dörfern. Danach habe sich die Mitgliederzahl ständig verringert, nun seien sie noch elf Mitglieder in der Ortsgruppe. Sie selbst, die bislang stets die 14-tägigen Senioren-Treffen im „Spatzennest“ in Kleingeschwenda organisiert hat, werde sich aus der ersten Reihe zurückziehen, aus Altersgründen.

Stattdessen will Gabi Haun diese Treffen übergangsweise organisieren - „bis sich jemand Geeignetes findet“. Die 63-Jährige ist gar nicht in der Volkssolidarität, sondern Vorsitzende des Feuerwehrvereins in Kleingeschwenda. Aber sie ist eben zur Stelle, wenn es brennt: „Wir wollen, dass es mit den Senioren-Treffen weitergeht“, erklärt sie gegenüber der Redaktion. In ihrem Feuerwehrverein haben sie indes die ganz großen Nachwuchssorgen nicht.

„Wir haben 35 Leute im Feuerwehrverein. Wir waren mal weniger“, erzählt Gabi Haun. Zwar habe der Verein in der Corona-Pandemie vier Mitglieder verloren, stattdessen seien aber mehrere junge Leute nachgerückt. Gabi Haun: „Die Jungen, die da sind, haben wir gewonnen für den Feuerwehrverein.“ Dieser unterstützt die Jugendfeuerwehr, hilft bei der Parkpflege und ist auch aktiv beim Maibaumsetzen. Dass Gabi Haun nun auch der Volkssolidarität hilft, begründet sie so: „Ich kümmere mich halt um alles - aber es gibt auch niemanden anderes.“ Immerhin sei die demografische Talsohle mittlerweile durchschritten dank vieler Kinder in den Dörfern der Saalfelder Höhe. Gabi Haun: „Es lohnt sich schon wieder, mal einen Kinderfasching zu organisieren.“

Viele Erinnerungen an schöne Reisen und lustige Begebenheiten

50 Jahre Volkssolidarität sind für Ursula Wohlfarth Anlass für einen Rückblick - etwa auf die zahlreichen gemeinsamen Reisen. Mehrtagesreisen gingen nach Ungarn oder Österreich. Die Ortsgruppe war im Schwarzwald und am Rhein. Oder einfach nur im Planetarium in Jena, wo sich zum Schmunzeln der im „Roten Hirschen“ anwesenden Gäste diese Begebenheit ereignete: „Mein Helmut hat die ganze Zeit geschnarcht.“ Zu den schönen gemeinsamen Erinnerungen, so Ursula Wohlfarth, gehöre auch der Besuch eines Restaurants, „wo die Gäste die Forellen für das Essen selber fangen mussten“, mit Hilfe eines Keschers.

Auch Andrea Kühn, Ortsteilbürgermeisterin im Saalfelder Ortsteil Saalfelder Höhe, würdigte die Senioren-Arbeit von Ursula Wohlfarth: „Du hast es schön gemacht.“ Für deren Rückzug hat Andrea Kühn Verständnis. Die 65-Jährige: „Wenn wir 75 sind, hören wir auch auf.“ Die Ortsteilbürgermeisterin aus Eyba erinnerte daran, dass Ursula Wohlfarth bereits einmal mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Saalfeld ausgezeichnet wurde. Sie findet: „Es hat die Richtige getroffen.“