Angeklagter fehlt: Saalfelder Schüler sehen in Rudolstadt Prozess platzen

Rudolstadt  Drei Angeklagte, zwei sind da, der dritte fehlt: Saalfelder Gymnasiasten haben am Dienstag in Rudolstadt erlebt, wie auch einem Gericht manchmal die Hände gebunden sind.

Eine sogenannte Line Kokain. Die Angeklagten in Rudolstadt zogen sich Meth durch die Nase. Symbolfoto: David Ebener

Eine sogenannte Line Kokain. Die Angeklagten in Rudolstadt zogen sich Meth durch die Nase. Symbolfoto: David Ebener

Foto: David Ebener

Ungewöhnlich starker Andrang herrschte am Dienstag auf den Fluren des Amtsgerichts Rudolstadt. Die Ursache war diesmal nicht der bevorstehende und teils schon in Gang befindliche Umzug in den sanierten Stammsitz, sondern das Interesse einer Schar von Saalfelder Erasmus-Reinhold-Gymnasiasten an einer Gerichtsverhandlung. Sie saßen, obwohl noch Stühle beschafft sein wollten, pünktlich im Saal. Nur auf der Anklagebank, die eigens für diese Verhandlung verlängert wurde, blieb ein Stuhl bis zum Eintritt des Gerichts leer: der des dritten Angeklagten.

Doch diesmal hatte der Unmut von Richter Andreas Spahn über diese Behinderung unverhofft mehrere Adressaten. Von den Verteidigern kam die Auskunft über ihre Mandanten, dass der Fehlende seinen Aufenthalt gerade nicht selbst bestimmt, weil er in Haft sitzt. Und das seit einem Monat. Davon wurde aber weder die Staatsanwaltschaft, noch das Gericht und auch nicht sein Verteidiger in Kenntnis gesetzt.

„Wir kommen nicht umhin, hier einen neuen Termin zu suchen“, so Andreas Spahn erkennbar frustriert.

Ratlos schauten die Gymnasiasten sich gegenseitig und ihre leer gebliebenen Arbeitsblätter an, doch der Richter hatte Verständnis und verwandte die unfreiwillige Arbeitslücke darauf, den Schülern zu erklären, was eigentlich als Anklagevorwürfe der Staatsanwaltschaft hätte verhandelt werden sollen: Demnach entstand nach einem geplatzten Drogendeal Frust beim späteren Opfer, der aus Rache in die Laube eines der Angeklagten einbrach und Kleidung, Handys sowie einen Flachbildfernseher stahl. Das frustrierte den Beklauten massiv, so dass er per Facebook-Video 2000 Euro Kopfgeld aussetzte.

Irgendwann hatte man den Dieb, lockte ihn zu dritt in eine Wohnung, sperrte ihn ein und „verhörte“ ihn erfolgreich. Auch sein Handy, eine Sonnenbrille und eine Gürteltasche wurden ihm abgenommen und die Handy-Daten darauf ausgelesen. Später verkonsumierten die Angeklagten je eine Portion Meth über die Nase und zwangen ihr Opfer, das gleiche zu tun, allerdings mit Kochsalz. Nach mehreren Stunden wurde er losgeschickt, nicht nur die im Wald versteckte Beute zu holen, sondern außerdem Grillgut und Schnaps zu „beschaffen“ und alles zur Laube zu bringen. Das Opfer ging stattdessen zu Freunden und die mit ihm zur Polizei.

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