Arnsgereuth: Der Mann mit der „Holzmacke“

Arnsgereuth  Der pensionierte Chefarzt Wolfgang Christoph lebt mit dem Bankzeit-Weg in Arnsgereuth seine Liebe zum Holz aus.

Wolfgang Christoph aus Arnsgereuth auf der „Drehbank“. Die Blickrichtung des Sitzenden ist verstellbar je nach Sonnenstand und Laune.

Wolfgang Christoph aus Arnsgereuth auf der „Drehbank“. Die Blickrichtung des Sitzenden ist verstellbar je nach Sonnenstand und Laune.

Foto: Guido Berg

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Er hat „eine Holzmacke“. Das sagt Wolfgang Christoph unumwunden. Doch, fügt der ehemalige Chefarzt der Radiologie in Saalfeld hinzu, „im Sinne der Holzbewahrung“. Holz sei viel zu schade, um es nur zum Verbrennen oder zum Bauen zu verwenden. In seiner Werkstatt lagert er 25 Sorten Holz, darunter Sorten, die es in seinem geliebten Arnsgereuth und der näheren Umgebung gar nicht gibt. Zirbelkiefer zum Beispiel, bezogen aus Südtirol.

Wolfgang Christoph sagt aber auch: „Ne halbe Macke ist rausgeschmissenes Geld!“ Mit dem vor einem Jahr eingeweihten und von ihm so bezeichneten Bankzeit-Weg in Arnsgereuth hat sich der 66-Jährige eine Möglichkeit geschaffen, sich vollends auszuleben. Sechs seiner Bänke säumen den Wanderweg runter in Richtung Saalfeld. Doch es sind keine Standardbänke, sondern hölzerne Zeugnisse seiner Fantasie, Lebenslust und seines Humors. Da gibt es eigens „Hundepinkelpfosten“ für die Vierbeiner und Parkplatzschilder für Rollatoren und Kinderwagen, freilich mit dem Zusatz „gebührenfrei“. Neben der „Rentnerbank“ gibt es die „Triobank“, auf der drei Leute Platz nehmen und die Beine baumeln lassen können. Das sei sehr angenehm für Wanderer mit strapazierten Waden. Auf der „Drehbank“ können die Sitzenden dank eines Drehgestells ihre Sitz- bzw. Blickrichtung verändern, je nach Sonnenstand oder Laune. Auf die Frage, wie viele Arbeitsstunden bereits in seinen Bankzeit-Weg geflossen sind, antwortet er nur lachend: „Fragen Sie nicht ...“ Immerhin ist er nicht mehr allein auf der Arngereuther Flur: 18 Leute zählt der Unterstützerkreis. Am kommenden Montag treffen sie sich, um die Bänke zu reinigen.

Die „Familienbank“ ist mit einer kleinen Wippe ausgestattet, ein aufwendig und stabil gebautes kleines Spielzeug, für das der Arngereuther gleich mehrere Sorten Holz verbaut hat – Robinie, Akazie, Lärche und Fichte. Damit auch die Wanderer beim Ausruhen auf den Bänken etwas lernen, will Wolfgang Christoph noch einen „Wunderbaum“ für seinen Bankzeit-Weg schaffen, der über verschiedenen Holzarten informiert. Auch mehrere Insektenhotels sollen entstehen sowie eine Sonnenuhr. Es gibt noch weitere Ideen, doch der auch als Ortschronist und Gemeinderat Tätige will sich nicht mehr vornehmen, als er schaffen kann. Wolfgang Christoph liebt es, Rentner zu sein und selbstbestimmte Zeit zu haben. Das war aus seiner Sicht vorbei, als sie ihm die Schultüte in die Hand gedrückt haben. Nun allerdings „ist für mich jeder Tag Sonnabend“.

Neueste Errungenschaft auf dem Bankzeit-Weg sind vier alte Grenzsteine, die einst als Fundamente für gewöhnliche Bänke im Ort dienten. Die Steine tragen die Aufschrift „SR“ für Schwarzburg-Rudolstadt und „SM“ für Sachsen-Meiningen.

Wolfgang Christoph ist ein wandelndes Lexikon der Ortsgeschichte und wer sich davon überzeugen will, kann dies bei der 1. Geschichtswanderung am 20. September ab 14 Uhr tun. „Wir erwecken eine Tradition“, sagt Wolfgang Christoph. Arnsgereuth sei historisch „eine sehr ertragreiche Gegend“.

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