Attacke mit Küchenbeil in Rudolstadt vor Gericht

Rudolstadt  Zwei Bad Langensalzaer sollen in Rudolstadt den Mitbewohner einer Ex-Freundin übel zugerichtet haben. Die beiden sind schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Die beiden Angeklagten aus Bad Langensalza vor Beginn der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Rudolstadt.

Die beiden Angeklagten aus Bad Langensalza vor Beginn der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Rudolstadt.

Foto: Henry Trefz

Drei Männer waren am 14. Oktober 2018 in Rudolstadt in eine massive körperliche Auseinandersetzung verwickelt. Soviel ist zu Anbeginn der Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht in Rudolstadt klar. Die Anklageschrift hat eine klare Sicht auf die Abläufe. Danach sollen die beiden Bad Langensalzaer, Armin A. und Bernd B.*in die Rudolstädter Wohnung von Erwin E.* eingedrungen sein und ihn massiv mit Faustschlägen und Fußtritten traktiert haben. Dabei sollen auch ein Schlagring und ein Küchenbeil eingesetzt worden sein. Gemeinschaftlich begangene, gefährliche Körperverletzung mit einem das Leben bedrohenden Gegenstand, so heißt das im Juristendeutsch.

In der ersten Aussage berichtet der angeklagte Armin A. von einem ganz anderen Ablauf.

Opfer hat Schnittwunden am Kopf

Er habe sich am Morgen des Tages entschlossen, seiner Ex-Freundin Paula (22)* den Stapel Post, darunter viele Inkassobriefe, zu bringen, die sich nach deren Auszug bei ihm in Bad Langensalza angesammelt hatten. Seinen mitangeklagten Kumpel Bernd fragte er, ob er mitkommen wolle und so machte man sich auf den Weg. Der Transport interessiert Richter Andreas Spahn und auch die Staatsanwältin sehr, so dass beide erläutern, sie hätten sich jeweils zwei Hoppertickets, eines bis Neudietendorf und ein weiteres bis Bad Blankenburg gekauft und seien von dort mit dem Fahrrad weiter bis zur Wohnung gefahren. Dort habe er, so Armin A., geklingelt, sei von Erwin unvermittelt angegriffen und auch verletzt worden, Bernd B. sei, vom Krach alarmiert, nach oben gelaufen und es habe Gerangel gegeben, in dessen Verlauf er das vermeintliche Opfer Erwin sogar daran gehindert haben will, aus dem Fenster zu springen. Dann habe er Erwin aufgefordert, Polizei und Rettungsdienst zu holen und man sei dann gegangen.

Die Frage nach dem Warum, wo doch der Bad Langensalzaer Armin angeblich erheblich am Kopf und Kniekehle verletzt war, blieb ungeklärt, wie manch weiteres von diesem Abend.

Der Rudolstädter Erwin E. immerhin war erheblich verletzt, das steht auch durch eine rechtsmedizinische Begutachtung fest. Die Schnittwunden am Kopf könnten durchaus von einem Küchenbeil stammen, das in der Küche gut erreichbar in einem Messerblock steckte.

Gedroht, Nacktbilder zu veröffentlichen

Der Rudolstädter Erwin E., der Paula im Februar 2018 kennenlernte und seitdem mit ihr nur sehr gut befreundet, aber nicht liiert sei, berichtet von vielfältigen Versuchen Armins, die Beziehung mit Paula, beide behaupten jeweils, dass sie es waren, die die Beziehung beendet haben, wieder fortzusetzen. Einmal, sei Paula auch für einen Monat wieder nach Bad Langensalza gezogen, doch schien das Zerwürfnis offenbar zu tief.

Auch wenn Erwin und Paula darauf bestehen, nur sehr gut befreundet zu sein, macht offenbar der Angeklagte Armin den Rudolstädter Erwin für das Scheitern seiner Wiederannäherungsversuche verantwortlich. Anfangs wundern sich Erwin und Paula noch, warum es Armin immer wieder gelingt, ihnen eigentümlich treffsicher aufzulauern, doch dann entdecken sie den Standort-Tracker auf Paulas Handy. Gedroht hat Armin wohl auch damit, Nacktbilder von Paula bei Facebook zu veröffentlichen, falls diese nicht zu ihm zurückkehrt. Ein Dutzend Telefonnummern später haben Erwin (und Paula) in Rudolstadt etwa drei Wochen vor dem Tattag morgendlichen Besuch. Erwin will durch den Türspion mindestens Armin und einen weiteren Mann erkannt haben, die, nachdem ihnen nicht geöffnet wurde, die Tür eintraten und unmittelbar danach flüchteten. Deswegen so Erwin, habe er am 14. Oktober abends gar nicht gehört, wie Armin in seiner Wohnung eindrang, weil er am Fenster stand und laut Musik hörte. Nur in einer Fensterspiegelung nahm er einen Schatten war und sah nach einem Schlag durch das sofort austretende Blut bald kaum noch, was um ihn herum geschah. Irgendwann habe er den Entschluss gefasst, lieber aus dem Fenster zu springen als weiter angegriffen zu werden. Als Bernd dazu kam, so seine Schilderung, um ihn wieder ins Zimmer zu ziehen und außerdem die Tür des Zimmers geschlossen wurde, damit der Lärm nicht ins Treppenhaus dringe, habe er mehrfach laut um Hilfe gerufen.

Blut tropfte von oben auf das Fensterbrett

Nicht erst diese Schreie, sondern auch der Lärm vorher hatte auch die beiden Mieter im Erdgeschoss alarmiert. Eine Bewohnerin, die direkt unter Erwin wohnt, öffnete das Fenster und sah Blut von oben herab auf ihr Fensterbrett tropfen. Genug Details, um sofort den Notruf zu tätigen. Ihr Gegenüber im Erdgeschoss bestätigt den Hergang der Ereignisse insoweit, als dass er ebenfalls Lärm gehört hat und später zwei Männer unerkannt auf ihren Mountainbikes den Tatort verlassen sah. Belastungseifer kann man diesem Zeugen nicht nachsagen, denn er nutzt seinen Auftritt im Gerichtssaal, um sich ausführlich über den unangemessenen Lebenswandel von Erwin und vielen seiner Besucher zu erregen.

Paula, die an diesem Abend zufällig auswärts war, bestätigt in ihrer Zeugenaussage die wesentlichen Details der komplizierten Dreierbeziehung und hat keinen Grund, an der Schilderung von Erwin zu zweifeln. Allerdings unterscheiden sich kleinere Details von früheren Vorgängen von dieser Schilderung.

Gern wäre das Gericht an diesem Tag in der Beweisaufnahme weiter vorangekommen, doch gibt es prozessuale Schwierigkeiten. Seit dem Vorfall hat es nämlich gegen Armin und Bernd, die keineswegs so unbescholten sind, wie sie es im Gerichtssaal glauben machen wollen, noch mehrere andere Urteile meist in ihrer Heimat Bad Langensalza gegeben. Auch ohne diese Vorfälle stehen bei beiden jeweils etwa ein Dutzend Konflikte mit dem Gesetz im Bundeszentralregister. Weil aber vor allem die letzten Urteile im Strafrecht zur Bildung einer Gesamtstrafe führen sollen, unterbricht Richter Andreas Spahn die Hauptverhandlung.

*Namen geändert

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