Bäume am Gleis können bei Sturm gefährlich werden

Ilm-Kreis.  Die Erfurter Bahn will einen größeren Abstand zur Schiene. Der Streckenbetreiber hat sich vorgenommen, mehr freizuschneiden.

Ob Bäume auf Schienen fallen könne, hängt auch davon ab, wie nah sie am Gleis stehen. Unser Foto zeigt einen Triebwagen der Südthüringenbahn bei Angelroda.

Ob Bäume auf Schienen fallen könne, hängt auch davon ab, wie nah sie am Gleis stehen. Unser Foto zeigt einen Triebwagen der Südthüringenbahn bei Angelroda.

Foto: Ralf Ehrlich

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die flächendeckende Einstellung des Schienenverkehrs während des Sturmtiefs am vergangenen Wochenende kritisierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie Fahrgastverband Pro Bahn Thüringen. Bei der Deutschen Bahn (DB) Regio und der Erfurter Bahn ging in der Nacht von Sonntag auf Montag nichts mehr. Auch als längst klar gewesen sei, dass der Sturm in Thüringen weniger stark als erwartet war und die Gleise frei wären, habe sich die Erfurter Bahn nicht in der Lage gesehen, den Frühverkehr aufzunehmen, hieß es.

„Es war uns das Wichtigste, vor dem Hintergrund der Sicherheit unsere Fahrgäste, unser Personal und unsere Fahrzeuge vor Schaden zu bewahren und alle noch geordnet in sichere Bahnhöfe zu bringen“, sagt Hella Tänzer. Die Sprecherin der Erfurter Bahn fragt: „Was nutzt es, wenn die mit Fahrgästen besetzten Züge irgendwo beschädigt auf der Strecke stranden, wo dann auch die Rettungskräfte schwer hinkommen?“ So habe beispielsweise auch der letzte Zug von Plaue Richtung Elgersburg am Sonntag 22.40 Uhr plötzlich vor einem umgestürzten Baum gestanden.

„Am nächsten Morgen wurde nach den notwendigen Gleis-Erkundungsfahrten der Eisenbahnverkehr wieder geordnet aufgenommen“, so Tänzer weiter. Allerdings sei man auf den Erkundungsfahrten frühmorgens mehrfach auf Bäume gestoßen, die auf Gleise gestürzt waren, wie auf den Strecken Rohr-Dietzhausen oder Themar-Hildburghausen.

Streckenbetreiber ist die DB Netz und damit auch verantwortlich für den Bewuchs am Gleis. „Unseres Erachtens wird die Initiative der DB ‚Sturmsicherer durch Vegetationsmanagement‘ nur unzureichend betrieben“, so Tänzer. Die waldreichen Strecken müssten nach Meinung der Erfurter Bahn durch die DB unter besondere Beobachtung gestellt und intensiver frei von Bewuchs und Bäumen gehalten werden. Insbesondere müsse der Abstand zwischen Gleis und Bewuchszone vergrößert werden. „Wenn die Infrastruktur frei von Bäumen ist und im gebührenden Abstand auch frei von Bewuchs gehalten wird, können wir einen sicheren Eisenbahnverkehr für unsere Fahrgäste durchführen.“

Auf das im Jahr 2019 erweiterte Vegetationsmanagement der DB verweist deren Sprecher Jörg Bönisch. Ziel sei, mehr Strecken als im Vorjahr bearbeiten zu können, sowie nicht nur wichtige, sondern alle Strecken im Netz im Blick zu haben. Dafür wolle die DB bis 2024 deutschlandweit rund 160 Millionen Euro zusätzlich ausgeben. Die Argumente, den Verkehr in der Sturmnacht einzustellen, waren bei der DB Regio ähnlich wie von der Erfurter Bahn geschildert.

Im Jahr 2019 waren elf Prozent der Zugausfälle in Thüringen auf Naturereignisse zurückzuführen, teilt das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft auf Anfrage mit. Gründe dafür waren Sturm, Böschungsbrand, Hochwasser, Schnee oder Blitzeinschlag. Absolut seien in dem Zeitraum weniger als 10.000 Zugkilometer durch Naturereignisse ausgefallen.

In der besagten Sturmnacht gab es durch umgestürzte Bäume auf Thüringer Autobahnen keine Probleme, hieß es auf Anfrage aus dem Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr. Untergeordnete Straßen waren teils von umgestürzten Bäumen oder Ästen blockiert. Einen völligen Zusammenbruch des Autoverkehrs hatte es im Gegensatz zum Schienenverkehr nicht gegeben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren