Barockfest in Rudolstadt: Zurück ins 18. Jahrhundert

Rudolstadt  Reifrocktänzeln und Gezicke: Rund um Schloss Heidecksburg erwacht beim Barockfest wieder das 18. Jahrhundert zu galantem Leben.

Über allen thronten Franziska und Stefan aus „Klein-Paris“, die auf ihren Stelzen den perfekten Blick auf das bunte Treiben hatten.

Über allen thronten Franziska und Stefan aus „Klein-Paris“, die auf ihren Stelzen den perfekten Blick auf das bunte Treiben hatten.

Foto: Roberto Burian

Einmal zum Hofstaat vom Fürsten Friedrich Anton von Schwarzburg-Rudolstadt gehören und lustwandeln durch Schloss und Park – im Rudolstädter Residenzschloss konnte man die prächtige, ausschweifende Vergangenheit bei Hofe ein Wochenende lang erleben.

Die einzigartigen Barockfeste in malerischer Kulisse gelten als Geheimtipp und ziehen seit Jahren die bundesweite Fangemeinde des Rokoko magisch an. Auch in diesem Jahr öffnen sich am zweiten Septemberwochenende die Tore des Schlosses zu einem barocken Event der Extraklasse. Mit wohl gewählten Worten und ausschweifender Gestik begrüßt Hofmarschall Rudolf von Schwatzburg, mit bürgerlichem Namen Maximilian Merkel, die ersten Gäste am Freitag.

Vom Showpianist Felix Reuter erfuhren die Besucher in einem unterhaltsamen Klavier- und Erzählabend, welche Komponisten was voneinander abgeschrieben haben, warum Wassermusik und die Moldau nicht so klingen, wie die Wassertropfen im Märchen, warum Camille Saint-Saens und Tschaikowsky am Schwanensee verschiedene Schwäne gesehen haben und deshalb unterschiedliche Musik dazu komponierten.

Mit unverwechselbarer Mimik und atemberaubendem Klavierspiel präsentiert er im ausverkauften Festsaal so manches bisher unentdeckte Detail in damaligen wie auch modernen Kompositionen.

Heiraten in einem Schloss ist der Mädchentraum so vieler mittlerweile erwachsener Frauen. Für Birgit Meißner und den Buch-Autor und bekannten Silhouetteur (Scherenschneider) Reinhold Stier wurde zwischen den Mauern eines majestätischen Schlosses die Traumhochzeit wahr.

Die Hamburger schlossen im grünen Salon den Bund fürs Leben und trugen dazu passend aufeinander abgestimmte Rokoko-Gewänder. Während ihr Mann bereits nach kurzer Zeit angekleidet war, benötigte sie rund eine Stunde, bis Kleid, Frisur und Hut perfekt saßen. „Mit einem Leben in dieser Epoche könnte ich mich durchaus anfreunden“, schmunzelt die Braut. Ab dieser Woche wird die Erzieherin wieder in weniger pompöser Aufmachung unterwegs sein.

Wer sich am Samstag ins Rudolstädter Schloss begab, der konnte sich so manches Mal wie auf dem Filmset einer großen Hollywood-Produktion vorkommen. Denn wohin man auch blickte, begegnete man Musketen tragenden Blauröcken, feinen Damen im Panier und adligen Gentlemen mit grauer Zopfhaarperücke.

Vornehme Damen in weiten Reifröcken, die sich von Herren mit weiß geschminkten Gesichtern und Puderperücken führen lassen, treffen nach einem Besuch des musikalischen Entrée im Löwensaal am Rudolstädter Rathaus ein. Viele der Gäste sind weit gereist. Für einige ist es der erste Hofball ihres Lebens, andere kennen das Barockfest seit Jahren.

Einem schönen Fest steht nichts im Wege – das Wetter meint es gut, und die Veranstalter haben das Barockfest liebevoll bis ins kleinste Detail vorbereitet. In Grüppchen stehen die Damen und Herren und plaudern über die kleinen Probleme des Hochadels. Über allen thronen Franziska und Stefano aus „Klein-Paris“, die auf ihren Stelzen den perfekten Blick auf das bunte Treiben haben.

„Als wir beim letzten Fest hier waren, hab ich gesagt, da muss ich wieder hin, weil es wirklich ein tolles Flair ist. Man legt so einen Schalter um, und wenn man dann die anderen Leute sieht, die ja genauso gekleidet sind, fühlt man sich wirklich in diese Zeit versetzt, das ist einmalig“, finden Barbara und Heinz Neubauer aus Saalfeld.

Übrigens legte die Mehrzahl der aristokratischen Damen und Herren Wert darauf, nicht als „kostümiert“ oder „verkleidet“ bezeichnet zu werden. „Schließlich sind wir nicht beim Karneval, sondern sind wirklich so“, erklärte eine betagte Gräfin den Grund dafür.

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