Bergbahn macht Schlagzeilen: „Ein Fahrschein in den Tod!“

Obstfelderschmiede.  2019 drückten Straßensperrungen, ein kalter Mai und ein zu heißer Sommer auf die Fahrgastzahlen: 5 Prozent Minus

Der Personenwagen der Oberweißbacher Bergbahn auf dem Steilstück kurz vor der Ankunft in der Bergstation Lichtenhain.

Der Personenwagen der Oberweißbacher Bergbahn auf dem Steilstück kurz vor der Ankunft in der Bergstation Lichtenhain.

Foto: Henry Trefz

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„Zwei Mitarbeiterinnen der Oberweißbacher Bergbahn, einem der beliebtesten Touristenziele der Region, werden ermordet an der Talsperre Leibis-Lichte gefunden. Hat es ja jemand auf das traditionsreiche Bahnunternehmen abgesehen? Bernsen und Kohlschuetter lernen bei ihren Ermittlungen die berühmte Sommerfrische im Schwarzatal kennen, treffen auf militante Eisenbahnliebhaber, geheimnisvolle Kräuterfrauen und den angeblichen Geist des ”schwarzen Doktors” der noch sehr lebendig ist.“ Mit diesem Klappentext wirbt die Thüringer Kriminalschriftstellerin Julia Bruns schon jetzt für ihr Buch, das erst im Frühjahr erscheinen wird.

Und zur allgemeinen Erleichterung sitzen die beiden Bergbahn-Mitarbeiterinnen lächelnd und putzmunter am Konferenztisch. Auf das öffentliche Interesse, das Bergbahn und Kriminalroman einander in diesem Jahr gegenseitig schenken werden, freuen sich Geschäftsführerin Diana Saager und ihre Marketing-Fachfrau Astrid Apel natürlich schon diebisch. Immerhin ist am 17. April eine Lesung in der Bergbahn. Bis die neue Saison mit neuen und bewährten Ideen ausgerufen wird, ist freilich noch Platz für eine Rückschau und ihre Konsequenzen. “2019 war ein Jahr unterm Durchschnitt” redet die Chefin nicht lange drumherum.

Fast 9000 Fahrgäste, das sind 5 Prozent, weniger als im Jahr davor, das mit seinen gut 157.000 als ein durchschnittliches gelten durfte, dafür gibt es Ursachen. Ein ziemlich kühler Mai, ein oft zu heißer Sommer, die Straßensperrungen ins Schwarzatal, das ein halbes Jahr lang abgeschnittene Lichtenhain und selbst die Katzhütte-Sperrung, all dies drückte zusammen mit der Fahrpreiserhöhung Anfang 2018 auf di Stimmung und damit die Zahlen. Da konnte zwar das Aufbäumen im Dezember mit der Premiere von Weihnachtsglanz im Schwarzatal” einiges, aber eben bei weitem nicht alles wettmachen.

Und überhaupt: Die Bergbahn versteht die objektiven äußeren Zwänge als Ansporn, durch eigene Ideen etwas dagegen zu setzen. Eine Entscheidung vom Vorjahr sei nämlich nicht schuld gewesen: Der erstmalige Wechsel vom jährlichen Bergbahnfest zum Fröbelwaldfest. “Diese Entscheidung war richtig”, betonen beide und sind sich sicher, dass der erste Samstag nach dem Kindertag (1. Juni) in Zukunft noch stabiler zu einer Adresse für alle Kinderfestplaner werden wird.

Diese grundsätzliche Zuversicht wird auch davon gespeist, dass die Thüringer Tourismus GmbH (TTG), die sich künftig deutlich stärker als bisher auf die wirkliche Tourismusmagnete im Land konzentrieren will, nicht nur Leitprodukte (Wartburg, Weimar, Erfurt, Rennsteig) festgelegt hat, sondern außer sogenannten Top-Gastgebern auch Kompetenzbeweise. In einem komplexen Antragsverfahren hat sich die Bergbahn sehr frühzeitig als ein solcher erwiesen. Astrid Apel zitiert aus der Definition: “Kompetenzbeweise sind Spitzenleistungen vor Ort, die auf die gleiche Zielgruppe einzahlen wie unsere Light Produkte. Sie erfüllen hohe Ansprüche an die Qualität und die spezifischen Produkterwartungen unserer Gäste. Die OBS Ist der erste Kompetenzbeweis im Reisemotiv Sehnsucht (Zielgruppe sozial-ökologisches Milieu).”

Klimawandel betrifft auch die Bergbahn

In so viel Fachkauderwelsch ist die wichtige Botschaft enthalten, dass die Berg- und Schwarzatalbahn auch in Zukunft unter den Angeboten sein wird, für die die TTG überregional die Werbetrommel rührt.

Und auch mit Detailentscheidungen beweist die OBS, dass sie die Ansichten ihrer Zielgruppe kennt: So werden im hohem Maße bei Festen Mehrweggeschirr eingesetzt. “Das hat unsere Müllmenge in Lichtenhain beim Weihnachtszauber gleich im ersten Anlauf halbiert.”

Von verkehrspolitischen Entscheidungen hofft man in diesem Jahr ebenfalls zu profitieren: “Wenn die Schwarzatalbahn in den Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) integriert wird, hoffen wir auf noch mehr Spontanbesucher aus den Ballungsräumen.”Nur eine Entscheidung aus dem Klimapaket, nämlich die Senkung der Mehrwertsteuer, wird im Schwarzatal keine Effekte bringen. Diana Saager: “Bei uns gilt der ermäßigte Satz nämlich schon immer.”

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