Bestürzung nach Tod der Klinikchefin

Saalfeld.  Polizeikräfte finden die Vermisste am vierten Tag der Suche in einem Waldstück bei Saalfeld - die Untersuchungen zur Todesursache dauern an.

Leere im Verbindungsgang aus Glas, Stahl und Beton zwischen zwei Gebäuden der Thüringen-Klinik in Saalfeld.. Im Foyer des Hauses soll am Montag ein Kondolenzbuch für die verstorbene Geschäftsführerin ausgelegt werden.

Leere im Verbindungsgang aus Glas, Stahl und Beton zwischen zwei Gebäuden der Thüringen-Klinik in Saalfeld.. Im Foyer des Hauses soll am Montag ein Kondolenzbuch für die verstorbene Geschäftsführerin ausgelegt werden.

Foto: Thomas Spanier

Sie mochte Rockkonzerte, Oldtimer und Urlaub auf Rügen. Ihre Familie liebte sie über alles, ihren Husky auch. Im Februar schrieb die Vermisste ihrem Förderer Hans Eberhardt, der sie mit 27 Jahren zur Prokuristin der Thüringen-Kliniken gemacht hatte, ins Kondolenzbuch: „Auch wenn du gegangen bist, bleibst du für mich als ‘Ziehpapa’ und Mentor für immer im Herzen. Du warst ein ganz besonderer und wichtiger Mensch für mich. Danke, dass ich über 25 Jahre eng an Deiner Seite arbeiten und von Dir lernen durfte“. Jetzt ist sie im selben Jahr gegangen wie er. Am Sonntag fanden Polizeikräfte den leblosen Körper der Saalfelderin in einem Waldstück in der Nähe ihres Wohnhauses. Was ist geschehen?

Seit Donnerstag hatte die Saalfelder Polizei mit allen zur Verfügung stehenden Kräften nach der verheirateten Mutter eines schulpflichtigen Mädchens gesucht. Sie hatte an dem Morgen das Haus im Wachserzweg verlassen und war bis zum frühen Nachmittag nicht zurück. Gegen 14 Uhr erstattete ihr Ehemann, ein Saalfelder Unternehmer, Vermisstenanzeige bei der Polizei. Die Ortung des Handys blieb erfolglos, weil es ausgeschaltet war. Daraufhin begann eine beispiellose Suche nach der Frau, die gemeinsam mit Chefarzt Thomas Krönert seit Januar dieses Jahres die Geschicke des mit rund 2000 Beschäftigten größten Arbeitgebers der Region leitet. Suchhunde wurden angefordert, noch am Abend kam der Polizeihubschrauber zum Einsatz. Am Freitag bat man die Bevölkerung öffentlich um Mithilfe und zog weitere Hunde aus ganz Thüringen zusammen, ein Zug der Bereitschaftspolizei suchte das Siechenbachtal ab, in der Klinik wurden Dachboden und Keller auf den Kopf gestellt - von der Frau, die sich seit zehn Tagen im Krankenstand befand, keine Spur. Auch am verregneten Sonnabend waren Suchtrupps unterwegs, wurden Hinweise und Videos ausgewertet.

Ermittlungen der Polizei zu den genauen Umständen dauern an

Am späten Sonntag Vormittag, dem vierten Tag der Suche, wurde dann traurige Gewissheit, was immer mehr zu befürchten war. „Die seit dem vergangenem Donnerstag Vermisste aus Saalfeld wurde am heutigen Vormittag durch Suchkräfte der Polizei in der Nähe ihres Wohnhauses in einem Waldstück tot aufgefunden“, teilte die Saalfelder Polizei um 12.30 Uhr mit. Zu den genauen Umständen ermittele nun die Kriminalpolizei Saalfeld. „Es gibt keine Hinweise auf eine Straftat“, erklärte auf Nachfrage dieser Zeitung Polizeisprecher Pierre Brückner. Aufschluss zur Todesursache soll eine Obduktion bringen. Erst danach wird man mehr wissen.

Die Nachricht von ihrem Tod wurde mit Trauer und Bestürzung aufgenommen. „Der Tod macht mich zutiefst traurig. Meine Gedanken sind bei ihrer Familie, der ich mein aufrichtiges Beileid ausspreche“, sagte Landrat Marko Wolfram (SPD), der Aufsichtsratsvorsitzende des kommunalen Krankenhauses. Er war von Saalfelds Polizeichef Matthias Zacher und Thomas Krönert über das tragische Ende der Suche informiert worden.

Hunderte drücken in sozialen Netzwerken ihr Mitgefühl aus

Hunderte drückten in den sozialen Netzwerken ihr Mitgefühl aus und wünschten der Familie Kraft in dieser schweren Zeit. In den Thüringen-Kliniken mit Standorten in Saalfeld, Rudolstadt und Pößneck soll ab Montag ein Kondolenzbuch ausliegen. Sie galt dort als ausgesprochen umgänglich und beliebt. Dass sie nie in die Rolle als Geschäftsführerin wollte und lieber in der zweiten Reihe geblieben wäre, daraus hatte sie in ihrer Antrittsrede vor der Belegschaft zu Beginn des Jahres keinen Hehl gemacht. Die Doppelspitze war der Kompromiss, den sie für sich akzeptieren konnte, nachdem die Familie zugestimmt hatte. Dann kamen Corona und mit dem Virus neue Herausforderungen. „Wir fühlen uns völlig allein gelassen“, so lautete die Überschrift des letzten Interviews, das die Klinik-Geschäftsführer Ende Juni dieser Zeitung gaben.

Dramatische Suche nach Saalfelder Klinikchefin

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